Jubiläumsfest und Bodenseeferien

Leitungsteam und Bewohner sind sich einig: Es lebt sich gut im Zentrum Flawils, am Puls des Dorflebens. Am 20. Mai sind es fünf Jahre her seit dem Umzug der Buecherwäldli-Wohngruppe Feld von der Tell- an die St. Gallerstrasse 62.

Andrea Häusler
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Das generationenübergreifende Verständnis der geistig behinderten Bewohner ist mit ein Grund dafür, dass das Zusammenleben funktioniert. (Bilder: Andrea Häusler)

Das generationenübergreifende Verständnis der geistig behinderten Bewohner ist mit ein Grund dafür, dass das Zusammenleben funktioniert. (Bilder: Andrea Häusler)

FLAWIL. Spaghetti, Salat oder Resten vom Mittag: die Tische auf den beiden Etagen der Aussenwohngruppe Feld des Wohnheims Buecherwäldli an der St. Gallerstrasse sind gedeckt. Es ist kurz nach 18.30 Uhr. Die Bewohner – 16 Frauen und Männer im Alter von 19 bis 63 Jahren, alle mit einer kognitiven Beeinträchtigung – haben sich in den grosszügigen Wohn-/Esszimmern eingefunden, am Tisch oder (noch) auf einem der Sofas Platz genommen: familiärer Wohngruppenalltag.

Wiege im Haus Wilma

An den Komfort der modernen Infrastruktur, die Einzelzimmer mit PC- und TV-Anschlüssen etwa, die grosszügigen Nasszellen, die zweckmässig eingerichteten Küchen und die inspirierende Aussenraumgestaltung haben sich Bewohner und Betreuer längst gewöhnt. Obwohl der Umzug in den Neubau an der St. Gallerstrasse gerade einmal fünf Jahre zurückliegt.

Die Wiege der Aussenwohngruppe der Heilpädagogischen Vereinigung Gossau-Untertoggenburg liegt an der Tellstrasse 4, im Haus Wilma. Während 15 Jahren war die ehemalige Fabrikantenvilla das Zuhause für zehn Menschen mit einer Behinderung. Die Verantwortung für die Gruppenleitung lag damals (wie heute) bei Rosa Haldner.

Bewährte Infrastruktur

Verschiedene Gründe hätten seinerzeit zum Umzug bewogen, erinnert sich Andreas Spitz, Heimleiter des Buecherwäldli in Uzwil. Das Treppensteigen sei für die älteren Bewohner beschwerlich gewesen und es hätten ein Pflegebad sowie Raum für weitere Bewohnerinnen und Bewohner gefehlt. Die Möglichkeit, bereits während der Planungsphase auf die Gestaltung der Infrastruktur im «Spitexgebäude» Einfluss nehmen zu können, sei ein riesiges Glück gewesen, sagt Spitz. «Denn heute werden behinderte Menschen nicht mehr in Institutionen <parkiert>, sondern gezielt gefördert.» Vor allem in Bezug auf die Selbständigkeit. Mit Erfolg: «In den vergangenen Jahren konnten mehrere Personen in ein nicht durchgehend betreutes Wohnen wechseln», sagt Andreas Spitz, dessen Fazit nach fünf Jahren an der St. Gallerstrasse ausschliesslich positiv ausfällt.

Ferien in Friedrichshafen

Die Wohngruppen sind ein Familienbetrieb, in dem jeder und jede seine Aufgaben hat, wo Raum für die individuelle Freizeitgestaltung besteht, gemeinsam eingekauft und zweimal wöchentlich gekocht wird. Einmal im Jahr geht es in die Ferien: auf einen Campingplatz oder in eine Jugendherberge: «Wir legen Wert auf Kontaktmöglichkeiten. Dieses Jahr geht es übrigens nach Friedrichshafen», sagt Spitz. Vor und nach den Ferien wird gearbeitet: acht Bewohner fahren mit dem Zug selbständig nach Uzwil, acht werden mit Bussen oder Tixi an den Arbeitsplatz chauffiert.

Interne Geburtstagsfeier

16 junge und ältere Menschen, unterschiedlichste Charakteren und Beeinträchtigungen – ein konfliktfreies Zusammenleben ist schwer vorstellbar. «Menschen mit einer geistigen Behinderung denken anders, sind toleranter und die Altersunterschiede sind kein Thema», sagt Rosa Haltner. Natürlich gebe es auch Probleme, aber diese würden diskutiert und rasch behoben. Diskutiert wurde auch die Feier zum fünften Geburtstag. Und man hat sich verständigt, diese «nur» im kleinen Rahmen durchzuführen – im Kreis der Familie, sozusagen.

Seit 23 Jahren Gruppenleiterin: Rosa Haltner (links).

Seit 23 Jahren Gruppenleiterin: Rosa Haltner (links).

Lesen, musizieren und trainieren: drei Frauen, drei Beschäftigungen.

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