JUBILÄUM: «Wir haben Mehl im Blut»

Seit 70 Jahren steht die Bäckerei der Familie Eigenmann im Dorf in Lütisburg. Den Vorfahren gehörte die Mühle im Guggenloch. Vom heutigen Inhaber Franz Eigenmann stammt das «Toggenburger Brot».

Martina Signer
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Beatrice und Franz Eigenmann im Ladenlokal an der Flawilerstrasse 16, wo sich auch die Backstube befindet. (Bilder: Martina Signer)

Beatrice und Franz Eigenmann im Ladenlokal an der Flawilerstrasse 16, wo sich auch die Backstube befindet. (Bilder: Martina Signer)

Martina Signer

martina.signer@toggenburgmedien.ch

Bäcker haben es nicht leicht. ­Davon zeugen zahlreiche Schliessungen in den letzten Jahrzehnten. Waren es früher 25 Bäckereien in der ehemaligen Bäckersektion, zu der auch Lütisburg gehörte, sind es heute noch drei. Darunter die Bäckerei-Konditorei Eigenmann AG, die seit dem 1. Mai 1947 am heutigen Standort zu finden ist. «Früher spielte sich der ganze Betrieb bei der Mühle im Guggenloch ab», sagt Franz Eigenmann. Sein Vater Guido Eigenmann, Nachfahre von Müllern und Bäckern, hat mit seiner Frau Rosa, ebenfalls einer Bäckertochter, die Bäckerei mit Ladengeschäft ins Dorf hinaufgebracht – respektive die damalige Bäckerei Koller übernommen. «Wir haben schon etwas Mehl im Blut», sagt Franz Eigenmann schmunzelnd.

Immer wieder in das Geschäft investiert

Seit Franz Eigenmann 1986 die Bäckerei-Konditorei von seinem Vater übernommen hat, sah sich die Familie immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert. «Das Einkaufsverhalten der Leute hat sich stark verändert.» In der heutigen Zeit mache man sich oft erst Gedanken zum Einkauf, wenn kleinere Ladengeschäfte bereits geschlossen haben. Kurzerhand suche man dann Tankstellenshops auf. Es müsse alles schnell gehen. Nicht so in der Backstube in Lütisburg. «Bei uns gibt es kein Aufbackbrot. Wir produzieren alle Teiglinge und auch Füllungen noch selber.»

Um sich diesen Entwicklungen zu stellen, hat schon Vater Guido und nun auch sein Sohn immer wieder in das Geschäft investiert, die Backstube sowie das Ladenlokal erweitert. Mittlerweile befindet sich im Ladenlokal auch die Postagentur und das Sortiment wurde erweitert. Es gibt nicht nur Brot – darunter das nach Franz Eigenmanns Rezeptur hergestellte «Toggenburger Brot» – und Backwaren, sondern alles, was man auch in einem Volg findet. Früher fuhr Beatrice Eigenmann noch selber zum CC für einen Grosseinkauf. «Dank der Lieferungen sind wir sehr flexibel. Ich kann beim Volg kurzfristig bestellen und wir werden dreimal pro Woche beliefert.» Das gewährleistet vor allem bei Gemüse und Früchten sowie bei den Milchprodukten eine bessere Frische.

Zusätzliche Probleme bereiten den ­kleineren Produzenten auch Discounter wie Aldi und Lidl. «Ich frage mich schon manchmal, wie das Ganze weitergehen soll, falls es bei uns auch einmal nicht mehr rentieren sollte. Es braucht doch einen Treffpunkt in einem Dorf», sagt Franz Eigenmann. «Auch bieten wir Lehrstellen für Bäcker-Konditoren an. Seit 1992 haben schon über 20 Lehrlinge erfolgreich abgeschlossen. Es wäre schön, auch in Zukunft Lernende begrüssen zu dürfen.» Franz Eigenmann hat selber nach der Lehre Confiseur gelernt und die Meisterprüfung abgelegt.

Frage nach dritter Generation hat noch Zeit

Unten im Laden sitzen zwei Bauarbeiter in der Pause. Ein Laufkunde holt sich ein Tetra­päckli mit Schoggimilch für einen Franken. «In den letzten 25 Jahren, seit wir das Geschäft führen, hat sich das Einkaufsverhalten der Kundschaft auch auf dem Land geändert. Wir haben viele Pendler oder Auswärtige, die auf der Durchreise sind. Es kommen auch Kunden aus Nachbargemeinden zu uns, welche das regionale Brot noch schätzen.»

Beatrice Eigenmann und ihr Mann haben sich im Geschäft kennen gelernt. «Ich habe meine Ausbildung bei Franz’ Mutter Rosa gemacht. Irgendwann hat es gefunkt», sagt Beatrice Eigenmann. Sie sind nun 25 Jahre verheiratet und haben drei erwachsene Kinder. Ihre Tochter Petra ist gelernte Bäckerin-Konditorin und stolz auf ihren Beruf. Sie wird eine Zusatzlehre als Köchin in Angriff nehmen. Es bleibt die Frage, ob das Geschäft in der dritten Generation weitergeführt wird. Beatrice Eigenmann: «Das hat jetzt noch ein paar Jahre Zeit. Wer weiss.»

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