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JUBILÄUM: Keiner bestellt mehr eine Aussteuer

Vor 60 Jahren übernahm Sepp Helbling die Flawiler Schreinerei Kuster. Heute gehört die Helbling AG seinem Sohn Peter. Verändert hat sich vieles, eines aber nicht: Die Zeit war früher hart, und sie ist es heute wieder.
Andrea Häusler
Peter und Esther Helbling haben die Schreinerei an der Wilerstrasse Ende der 90er-Jahre von Vater Sepp Helbling übernommen. Der heute 90-Jährige ist nach wie vor täglich im Unternehmen, verrichtet diverse Tätigkeiten oder erledigt Besorgungen. (Bild: Andrea Häusler)

Peter und Esther Helbling haben die Schreinerei an der Wilerstrasse Ende der 90er-Jahre von Vater Sepp Helbling übernommen. Der heute 90-Jährige ist nach wie vor täglich im Unternehmen, verrichtet diverse Tätigkeiten oder erledigt Besorgungen. (Bild: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Es ist ruhig im Betrieb, an diesem Vormittag. Die Maschinen stehen still, zwei Angestellte sind an langen Werktischen beschäftigt: Der Schreinerberuf ist, trotz moderner Maschinen und Fertigungstechniken auch heute noch in vielen Bereichen Handwerk im Wortsinn. Zwischen den Arbeitsplätzen und Holzbearbeitungsmaschinen steht eine Bar aus Kaminholz und Granit. Gefertigt hat sie Sepp Helbling, der Vater des heutigen Geschäftsführers und Inhabers im Hinblick auf den 60. Geburtstag des Unternehmens. Dieser soll am nächsten Freitag in eben diesen Produktionsräumen an der Flawiler- strasse gefeiert werden – mit Lieferanten, Kunden, Freunden, Bekannten und der Familie.

Beim Mobiliar hat Ikea die Nase vorn

Es habe sich schon vieles verändert, seit sich sein Vater am 1. März 1957 mit der Übernahme der Schreinerei Kuster an der Kronenstrasse selbstständig gemacht hatte, sagt Peter Helbling. Damit meint er nicht nur der Einsatz neuer Maschinen, die Ablösung voluminöser Holzlager durch den Zukauf vorgefertigter Bauteile und den Wandel des Zeitgeschmacks. Verändert haben sich auch die Einkaufslandschaft und das Konsumverhalten: «Heute bestellt bei uns niemand mehr eine Aussteuer», sagt Peter Helbling lachend. In dem Bereich hätten Ikea und Co. längst die Nase vorne.

Die Herstellung von Wohnmobiliar beschränke sich heute ohnehin auf Einzelstücke, Tische auf Mass beispielsweise. Passgenaue Einbauschränke, Regale, Garderoben oder begehbare Kleiderschränke zählten zu den gefragten Produkten der Kundschaft. Wobei Kombinationen unterschiedlicher Materialien – etwa Glas/Holz oder Chromstahl/Holz – aber auch matte, fein- oder grobstrukturierte Beschichtungen in allen Farben weit oben auf der Beliebtheitsskala stünden, wie Peter Helbling weiss. Danebst gehören – über den Renovationsbereich hinaus – Türen, Küchen- und Badmobiliar sowie die Umsetzung von Raumgestaltungskonzepten mit Decken und Böden zur Angebotspalette. Parkett erfreue sich, so Peter Helbling, über alle Kundensegmente hinweg weiterhin grosser Beliebtheit. Umso mehr, als das Material in den vergangenen Jahren erheblich günstiger geworden sei.

Harte Zeiten – damals wie heute

«Mein Vater», sagt Peter Helbling, «spricht oft von den harten Zeiten in den 50er-Jahren». Vom Aufstehen morgens in der Früh, dem mühevollen Ausliefern der Waren mit Handwagen und Veloanhänger und davon, wie sich die Familie engagieren und finanziell nach der Decke strecken musste. Hart sei die Zeit aber auch heute wieder, wenngleich auf eine andere Art, sagt Helbling. Der Kampf um Aufträge sei unerbittlich geworden. Nicht nur wegen der grösseren Anzahl ortsansässiger Schreinereibetriebe. Der Online-Handel sowie Leistungsanbieter aus dem grenznahen Ausland – derzeit vor allem noch ein Problem für die Betriebe im Rheintal – wirkten sich auch auf das Schreinereigewerbe aus. Im harten Wind von Konkurrenzkampf und Preisdruck setzen Peter Helbling und sein derzeit vierköpfiges Team nebst Qualität auf Flexibilität und Kundenservice. Denn an die Zukunft der Branche glaubt er, der 24 Jahre lang Präsident des regionalen Schreinermeisterverbands und zudem Experte für Lehrabschlussprüfungen gewesen ist, weiterhin. Auch deshalb soll am Freitag angestossen werden: Auf die vergangenen 60 Jahre, aber auch auf die Zukunft.

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