JUBILÄUM: Goldregen zum Jubiläum

Das Musiktheater Wil beging am Wochenende das Festkonzert zu seinem 150-jährigen Bestehen. Dabei wurde Bellinis Oper «La Sonnambula» in der Tonhalle zweimal zum Besten gegeben. Präsident Eugen Weibel blickte auf Hochs, Tiefs und auch Stürme zurück.

Peter Küpfer
Drucken
Teilen
Seelenvolle Heldin: Nicole Bosshard (links, Sopran) trug massgeblich zu einem gelungenen Jubiläumsanlass des Musiktheaters Wil bei. (Bild: Carola Nadler)

Seelenvolle Heldin: Nicole Bosshard (links, Sopran) trug massgeblich zu einem gelungenen Jubiläumsanlass des Musiktheaters Wil bei. (Bild: Carola Nadler)

Peter Küpfer

redaktion@wilerzeitung.ch

Das Musiktheater Wil feierte sein eindrückliches Jubiläum mit zwei konzertanten Aufführungen am Samstag und Sonntag. Die Wahl war auf Vincenzo Bellinis Oper «La Sonnambula» (Die Schlafwandlerin) gefallen – ein einziges Fest des italienischen Belcanto. Auf der Bühne der Tonhalle hatten die drei Gründervereine vor 150 Jahren mit Lortzings «Zar und Zimmermann» ihre erste ­Inszenierung realisiert.

Damit begann die abwechslungsreiche Geschichte des Wiler Musiktheaters. Bis heute haben der Chor zu St. Nikolaus, der Männerchor Concordia und das Sinfonische Orchester Wil – derzeit unter der musikalischen Leitung von Kurt Pius Koller – gemeinsam 60 Inszenierungen realisiert, quer durch die Welt der Oper, der Operette und des Musicals. In dieser langen Zeit seien Hochs, Tiefs und auch Stürme durchlebt worden, sagte Präsident Eugen Weibel am Samstagabend. Er ergänzte: «Am Schluss hat immer wieder die Kameradschaft und Freundschaft zueinander gesiegt.»

Beschwingte Aufführung

Auf der historischen Tonhallebühne entwickelte sich das Geschehen, heiter kommentiert von Richard Widmer (Sprecher und Konzept), in bester Operntra­dition: Amina, die seelenvolle weibliche Heldin (Nicole Bosshard, Sopran), wird Opfer von ungerechtfertigten Vorwürfen. Ihre Rivalin ist Lisa, attraktive Wirtin der Dorfschenke (Anny Zimmermann, Alt). Ihre Intrigen stellen die Liebe des schönen und reichen Elvino (Remy Burnens, Tenor) zu Amina auf eine harte Probe. Denn geheime Kräfte sind im Spiel. Amina, Schlafwandlerin (ohne davon zu wissen), erwacht nächtens plötzlich in den Gemächern eines Fremden. Nur das entschlossene Handeln von Aminas Ziehmutter kann da helfen (Corinne Moser, Sopran). Dazu trägt auch der Fremde bei: Es handelt sich um den lange vermissten Sohn aus dem gräflichen Schloss, Graf Rodolfo (Daniel Reumüller, Bassbariton), der die Verwirrung löst: Amina ist schon lange Schlafwandlerin und von diesen Kräften in die Gemächer Rodolfos getrieben worden. Womit allgemeiner Versöhnung und einer Doppelhochzeit (Amina mit ihrem Elvino, Lisa mit einem Dorfbewohner) nichts mehr im Wege steht.

Die konzertante Aufführung konnte sich auf die Leckerbissen von Bellinis Oper konzentrieren. Arien mit schönen Koloraturen, mächtige Choreinsätze der über 40 Sänger und ein allzeit hellwaches Orchester wirkten zusammen, dass alles beschwingt und heiter daherkam, ohne den tragischen Hintergrund zu verleugnen. Dazu trugen auch die beiden Tänzerinnen bei (Linda Heller, Anja Neukomm) mit erfrischenden, oft fast akrobatischen Einlagen auf kleinstem Raum.

Die festliche Aufführung endigte mit einem präzis terminierten «Schuss» Goldregen auf das Publikum.