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JONSCHWIL: Stallfrei an jedem zweiten Sonntag

Eine landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft zu gründen, heisst nicht nur schlagkräftiger zu werden. Zwei Jonschwiler Landwirte kennen auch die Herausforderungen. Seit 18 Jahren teilen sie sich als Partner den Hof.
Michael Götz
Sie haben aus zwei kleinen einen grossen Bauernhof gemacht: Josef Gämperli und Othmar Thalmann. (Bild: Michael Götz)

Sie haben aus zwei kleinen einen grossen Bauernhof gemacht: Josef Gämperli und Othmar Thalmann. (Bild: Michael Götz)

Michael Götz

redaktion@wilerzeitung.ch

Josef Gämperli und Othmar Thalmann hatten zwei kleinere Höfe und haben aus diesem einen grossen gemacht. Das war im Jahr 1999. Heute sind sie sich einig, dass der Entscheid richtig war. «Im Alleingang wäre die Zukunft der beiden Betriebe sicher fraglich gewesen», sagt Thalmann rückblickend.

Zum Zeitpunkt der Zusammenlegung zur Betriebsgemeinschaft waren die Höfe je etwa 13 Hektaren gross. Heute bewirtschaften Gämperli und Thalmann gemeinsam 30 Hektaren. Doch die Vergrösserung der Fläche war nicht das Ausschlaggebende dafür, dass ihre Familien ein Auskommen in der Landwirtschaft fanden. «Wir haben intensiviert», begründen sie es. Früher hielten beide je etwa 20 Kühe, heute gemeinsam 50. Ein wichtiger Schritt war der Stallbau im Jahr 2000. Der neue Laufstall ermöglichte es ihnen, die Herden zu einer zusammenzulegen und rationeller und effizienter zu arbeiten. Zum Melken und Füttern braucht es nicht mehr doppelte Einrichtungen. Josef Gämperli brachte neben seinen Kühen auch Zuchtsauen in die BG, Thalmann Mastschweine. Er baute seinen ehemaligen Kuhstall zu einem Schweinemaststall mit 150 Plätzen aus. Die BG modernisierte die Einrichtungen und investierte zum Beispiel in eine Abruffütterung für die Zuchtsauen. Zu zweit war es möglich, mehr Tiere zu halten. Die BG investierte ausserdem in eine Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 200 kWp und schuf damit ein neues Betriebsstandbein.

Weniger Reibungen im Alltag

Mit den Jahren sind die beiden Landwirte «zusammengewachsen». Sie kennen einander und wissen, wie sie die Arbeit gemeinsam bewerkstelligen können. Josef Gämperli, 51-jährig, schaut wie früher hauptsächlich nach seinen Zuchtschweinen, während der 52-jährige Othmar Thalmann die Mastschweine betreut. Im Milchviehstall übernimmt Gämperli das Melken und sein Partner füttert in dieser Zeit die Kühe. Jeder macht vor allem das, worin er seine Stärken hat. Diese Art der Arbeitsteilung hat den Vorteil, dass es im Alltag nicht wegen Kleinigkeiten zu Reibungen kommt. Jedes zweite Wochenende übernimmt einer zusätzlich die Arbeit des anderen, so dass dieser frei machen kann. Auch während der Ferien eines Partners ist keine fremde Aushilfe notwendig. Der Zusammenschluss zur BG hat die beiden Landwirte stärker und schlagkräftiger gemacht. Sie können sich Maschinen anschaffen, die sich für kleinere Betriebe nicht lohnen würden.

Betriebswirtschaftliche Entscheidungen – zum Beispiel der Kauf neuer Maschinen – müssen gemeinsam angegangen werden. «Man kann nicht mehr alles alleine entscheiden», nennt Gämperli einen Unterschied zum Einmannbetrieb. Das bringe auch Vorteile, sind sich die beiden einig. Nicht zu Ende gedachte Spontaninvestitionen liessen sich auf diese Art eher vermeiden. Gemeinsam zu wirtschaften, bedeute auch, sich Zeit zu nehmen, um eine Sache zu diskutieren.

Es ist von Vorteil, wenn die Partner einer BG etwa gleich «stark» sind. So fällt es leichter, Entscheidungen auf Augenhöhe zu fällen. Auch sollte ein gewisser finanzieller Spielraum vorhanden sein. Wenn die BG über keine Reserven verfügt und eine grössere Investition ansteht, dann braucht es viel gegenseitiges Vertrauen und guten Willen. Wichtig ist auch die Fähigkeit, dem anderen etwas nachsehen zu können. Denn es gibt immer Situationen, in denen man etwas anders machen würde als der Partner.

Land und Gebäude bleiben Privateigentum

«Wir sind nicht mehr ein traditioneller Familienbetrieb», betont Thalmann. Zwar arbeiteten die Frauen und Kinder bei Spitzenzeiten auf dem Betrieb mit, aber es sind die Betriebsleiter, die sich die Arbeit teilen. Eine Betriebsgemeinschaft zu gründen, steht allen Landwirten offen. Voraussetzungen sind unter anderem, dass diese in einem schriftlichen Vertrag geregelt ist und die Fahrdistanz der Betriebszentren unter 15 km liegt. Als Rechtsform ihrer Zusammenarbeit haben Gämperli und Thalmann die einfache Gesellschaft gewählt. Sämtliche Ausgaben und Einnahmen gehen über eine «Kasse». Land und Gebäude bleiben aber im Eigentum der Landwirte. Das Inventar ist Eigentum der BG.

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