Jonschwil
Schülerin der Kanti Wil wird von der nationalen Stiftung für Demokratie für ihre Maturaarbeit ausgezeichnet

Für ihre Abschlussarbeit setzt sich Valentina Kopp aus Jonschwil mit der staatlichen Überwachung im Zeitalter der Digitalisierung auseinander. Als Hauptpreisträgerin hat die 18-Jährige beim nationalen Wettbewerb für Maturitätsarbeiten zu Schweizer Geschichte, Politik und Staatskunde ein Preisgeld von 3000 Franken erhalten.

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Valentina Kopp hielt an der Preisverleihung eine Ansprache.

Valentina Kopp hielt an der Preisverleihung eine Ansprache.

Bild: PD/Matthias Villiger

(red/fmm) «Der gläserne Mensch – Die Entwicklung der staatlichen Überwachung im Zeitalter der Digitalisierung.» So lautet der Titel der Maturaarbeit von Valentina Kopp. Das Werk der Jonschwilerin wurde beim nationalen Wettbewerb für Maturitätsarbeiten zu Schweizer Geschichte, Politik und Staatskunde als beste Arbeit ausgezeichnet. Die 18-Jährige erhält damit ein Preisgeld von 3000 Franken.

Bei der von der Stiftung für Demokratie in Solothurn ausgerichteten Preisverleihung begann die Maturandin der Kanti Wil ihre Ansprache mit einem Zitat aus George Orwells Roman «1984»:

«Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.»

Die Maturandin mit Schwerpunktfach Italienisch fokussiert sich in ihrer Arbeit vor allem auf die staatliche Überwachung in der ehemaligen DDR und in China: Beide Staatssysteme nutzten und nutzen Überwachungsmethoden und zögerten auch nicht, Freiheitsrechte und Würde ihrer eigenen Bürgerinnen und Bürger massiv zu beschränken.

Heute bietet die Digitalisierung einem totalitären Überwachungsstaat ungeahnte Möglichkeiten: In China erlauben modernste Technologien eine fast grenzenlose Überwachung ihrer Bürger. Anders die DDR, wo die vorwiegend analogen Überwachungsressourcen mit der Anzahl potenzieller Regimekritiker schlichtweg nicht mehr mithalten konnten.

Gute Taten werden belohnt, schlechte Taten werden bestraft

In ihrer Arbeit thematisiert Valentina Kopp unter anderem das Sozialkreditsystem Chinas – eine Art Bonitätssystem. Dieses wird mit Hilfe des digitalen Überwachungssystems umgesetzt. In rund 36 Städten gibt es dazu Pilotprojekte, in denen verschiedene Formen des Systems getestet werden. Jedem Bürger wird ein Punktekonto zugewiesen. Dieses Punktekonto kann verbessert oder verschlechtert werden. Durch schlechte Taten, wie zum Beispiel bei Rot eine Ampel zu überqueren, werden Punkte abgezogen.

Verrichtet man eine positive Tat, wie zum Beispiel beim Umzug seines Nachbarn zu helfen, werden Pluspunkte verrechnet. Erreicht man die untere Grenze der Punkteskala, wird man auf die Schwarze Liste gesetzt und zu einem Vertrauensbrecher herabgestuft. Wird eine gewisse Anzahl positiver Punkte erreicht, wird man auf der Roten Liste aufgelistet und mit Vorteilen belohnt. Damit wolle China das System «Lug und Trug» ausmerzen, «die Ehrlichkeit und Qualität der Nation steigern» und eine «harmonische sozialistische Gesellschaft» schaffen, schreibt Valentina Kopp.

Festliche Veranstaltung in Solothurn

Die 18-Jährige ging am Schluss ihrer Ansprache anlässlich der Preisverleihung auf die Bedingungen einer funktionierenden Demokratie ein und betonte, dass es im Wechselspiel von Demokratie und Gesellschaft einen dritten Mitspieler brauche: die Freiheit. Freiheit der Meinung, Freiheit der Rede und Freiheit der Presse. Die Jonschwilerin sagte:

«Dieser Dreiklang von Freiheit, Demokratie und Gesellschaft muss sich auch in der Schweiz immer wieder neuen Herausforderungen stellen.»

Die Stiftung für Demokratie wurde 1991 von Nationalrat Peter Sager in Bern gegründet. Sie setzt sich für die Schaffung, Erhaltung und Weiterentwicklung der offenen Gesellschaft im In- und Ausland ein, insbesondere durch die Förderung sachbezogener Information zu aktuellen und historischen Themen von staatsbürgerlicher Bedeutung als Voraussetzung demokratischer Willensbildung.

Lehrerin Martina Büttiker hat Kantischülerin Valentina Kopp bei deren Maturaarbeit betreut.

Lehrerin Martina Büttiker hat Kantischülerin Valentina Kopp bei deren Maturaarbeit betreut.

Bild: PD/Matthias Villiger