Jonschwil nimmt eine Auszeit: Keine Bundesfeier in diesem Jahr

Funken, Feuerwerk, Festreden. Nicht in Jonschwil – hier fällt die öffentliche Bundesfeier für einmal aus.

Andrea Häusler
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Für die Jonschwiler und Schwarzenbacher heisst es heuer: Feiern im Garten oder auf dem Balkon. (Symbolbild: Andrea C. Plüss)

Für die Jonschwiler und Schwarzenbacher heisst es heuer: Feiern im Garten oder auf dem Balkon. (Symbolbild: Andrea C. Plüss)

Der Trend zeigt seit Jahren nach unten: Öffentliche Bundesfeiern werden abgesagt, zusammengelegt, auf den Vorabend verschoben, tagsüber oder nur alle zwei Jahre durchgeführt. Kreative Ideen sind gefragt, wenn Helvetiens Bürgerschaft von der privaten Umgebung weg zum kollektiven Feiern angereizt werden soll.

Die meisten Gemeinden der Region stemmen sich bisher erfolgreich gegen die Degradierung der Bundesfeier zum Auslaufmodell. Wenngleich Abendveranstaltungen – mit und ohne Feuerwerk – selten geworden sind. Von den St.Galler und Hinterthurgauer Gemeinden feiern nur Wil und Sirnach am Abend des 1. Augusts. Überall sonst wird gebruncht oder spätnachmittäglich – musikalisch und/oder von Ansprachen umrahmt – Grillgut aufs Feuer gelegt.

KKS-Marsch statt Feuerwerk

Keine Feier findet dieses Jahr in Jonschwil-Schwarzenbach statt. «Erstmals», wie Gemeindepräsident Stefan Frei sagt. Allerdings nicht deshalb, weil man sich von der Tradition abgewandt hat. «Der Entscheid fiel im Zusammenhang mit der Organisation des Sommerfests rund um die Uraufführung des Karin-Keller-Sutter-Marsches Ende Juni», sagt Frei. Er geht davon aus, dass in den nächsten Jahren wieder Feiern stattfinden werden: «Sofern sich Freiwillige für die Organisation gewinnen lassen.» Dass dies in der Ferienzeit schwierig ist, verhehlt Stefan Frei nicht.

Aktuelle Themen statt patriotische Reden

Jonschwils Bundesfeiern waren in der Vergangenheit stets besonders. Politiker standen schon lange nicht mehr am Mikrofon. Statt patriotische Ansprachen prägten schweizspezifische, aktuelle Themen den offiziellen Teil der Feier. Meist Gesprächsrunden, öfter mit Beteiligung des Publikums.

Unter dem Titel «Switzerland First» wurde beispielsweise 2018 das Einkaufsgebaren der Schweizer diskutiert. Hans Peter Trütsch war schon Bundesfeiergast in Jonschwil, ebenfalls der ehemalige «Bund»-Redaktor Hanspeter Spörri und der frühere Militärattaché in Berlin, Jörg Köhler. Solche Feiern sind aufwendig zu organisieren, sagt Stefan Frei. «Und die Ideen dürfen einem einfach nicht ausgehen.»