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JONSCHWIL: Männerskelett und Kinderknochen

Das Rätsel um die Toten vom «Böhl» ist gelöst. Bei den im Sommer während Bauarbeiten entdeckten Skeletten handelt es sich um die Überreste eines Mannes und eines Kindes. Gelebt hatten sie um 600 bis 900 n. Chr.
Andrea Häusler
Martin Schindler, Leiter Archäologie Kanton St. Gallen. (Bilder: Andrea Häusler)

Martin Schindler, Leiter Archäologie Kanton St. Gallen. (Bilder: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Der Fund beschäftigte am 28. August die Kantonspolizei, die Rechtsmedizin, die Kantonsarchälogie und die Medien. Auf der Baustelle Wildbergstrasse 4a im Jonschwiler «Böhl» waren menschliche Skelettreste aufgetaucht. Aufgrund der rechtsmedizinischen Abklärungen konnte ein Verbrechen rasch ausgeschlossen und der Fund in den Zuständigkeitsbereich der Kantonsarchälogie überstellt werden.

Die anthropologischen Abklärungen haben nun ergeben, dass es sich bei den Skeletten um die sterblichen Überreste eines Mannes und eines Kindes christlichen Glaubens handelt. «Für die Religionszugehörigkeit spreche die Lage der Toten», sagt Martin Schindler, Leiter Archäologie Kanton St. Gallen. «Bis zum Beginn der Neuzeit wurden Christen mit dem Kopf im Westen und mit Blick nach Osten begraben.» Im Fürstenland, wo meist Einzelhöfe bewirtschaftet wurden, sei dies verbreitet auf dem eigenen Grund geschehen. «Zentrale Friedhöfe bei Kirchen waren erst etwa ab dem Jahr 1000 üblich», sagt Schindler.

Knochenbruch am linken Arm

Der Mann war zum Zeitpunkt seines Todes 45 bis 60 Jahre alt. Die relevanten Hinweise darauf haben sein Zahnzustand, der Schädelnahtverschluss und die osteoporotischen Knochenmarkveränderungen geliefert. Der Tote hatte ausserdem an Arthrose am linken Schulter- und an beiden Hüftgelenken sowie an Kariesinfektionen gelitten. Gelebt hat der 169 cm grosse Mann laut Martin Schindler mit grösster Wahrscheinlichkeit zwischen 770 und 893. Dies hätten die Abklärungen des Labors für Ionenphysik an der ETH Zürich ergeben. Aufgefallen sei ein verheilter Bruch am linken Unterarm: «Wohl die Folge einer Abwehrbewegung», wie Martin Schindler vermutet.

Weitere Skelette vermutet

Beim zweiten Grab handelt es sich um ein sogenanntes Ossar. Ossare entstehen, wenn beim Aushub eines Grabes eine bestehende Ruhestätte angeschnitten wird. Die Knochen werden gesammelt und meist am Fussende des neuen Grabes deponiert. In Jonschwil seien zusammengeschobene Langknochen, einige Rippen und ein Schädel ausgegraben worden, erklärt Martin Schindler. Die Skelettteile stammen laut anthropologischer Untersuchung von einem sieben bis maximal zehnjährigen Kind unbekannten Geschlechts. Im Bericht ist von einem schlechten Zustand der Milchzähne die Rede und von weisslichem Plaque im Schädelinnern, der auf eine Entzündung der Hirnhäute hinweisen könnte. Auch diese Knochen stammen aus dem späten Frühmittelalter, bzw. frühen Hochmittelalter. «Da Grabbeigaben fehlten sei die Datierung schwierig», sagt Schindler. Das Labor für Ionenphysik der ETH will sich denn auch nicht festlegen, sondern definiert drei mögliche Sterbeintervalle: 689 bis 751, 760 bis 781 und 787 bis 877.

Ob der Mann und das Kind miteinander verwandt waren, kann Martin Schindler nicht sagen. Um dies zu bestimmen, wäre ein DNA-Vergleich nötig gewesen. Die Kosten dafür hätten jedoch jene der rund 600 Franken teuren C14-Datierung um ein Mehrfaches übersteigen. Der Kantonsarchäologe schliesst nicht aus, dass im Hang südlich der Fundstelle in Jonschwil weitere Tote aus längst vergangener Zeit ruhen. «Die Kantonsarchäologie wird dieses Gebiet deshalb als schützenswerte archäologische Fundstelle klassieren», sagt Martin Schindler.

Knochen werden in Freiburg eingelagert

Und was geschieht nun mit den Jonschwiler Knochenfunden? «Die Gebeine würden in einem zentralen Lager der Kantone St. Gallen, Graubünden, Basel, Aargau und Freiburg aufbewahrt», sagt Schindler. Einige 10000 Skelette seien dort «archiviert» mit dem Ziel, künftige Generationen mit Daten zu bedienen. Seit 2016 würden der Uni Basel ausserdem «Objekte» zu Ausbildungszwecken zur Verfügung gestellt. Das Lager sei, betont Martin Schindler, als katholischer und reformierter Friedhof gesegnet.

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