Jonschwil
Jahrbuch hat Geschichte geschrieben: Nach 30 Jahren folgte das letzte Kapitel

Ursula und Markus Egli nahmen endgültig Abschied vom Jonschwiler Jahrbuch. Durch seine Einstellung entsteht ein Vakuum.

Philipp Stutz
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Markus Brändle (rechts) und Stefan Frei (links) interviewen Ursi und Markus Egli, Herausgeber des Jahrbuchs.

Markus Brändle (rechts) und Stefan Frei (links) interviewen Ursi und Markus Egli, Herausgeber des Jahrbuchs.

Bild: Philipp Stutz

Fein säuberlich waren sie vor der Bühne aufgereiht. All die Jahrbücher, die während dreissig Jahren erschienen sind. Sie dokumentieren die Geschichte der Gemeinde Jonschwil und ihrer Einwohner auf eindrucksvolle Weise. Jeweils 400 Arbeitsstunden haben Ursi und Markus Egli vom Thur-Verlag für deren Produktion aufgewendet. Vergangenes Jahr ist die Publikation zum letzten Mal erschienen.

Die geplante Ehrung der beiden Herausgeber musste wegen des vermaledeiten Virus verschoben werden. Und wurde deshalb am Montag im Oberstufenzentrum Degenau nachgeholt. Mit viel Musik, kurzen Ansprachen und humoristischen Einlagen der «Chäfer-Frässer» alias Kathrin Darman und Peter Hofstetter.

Der gelbe Tschoope ist längst Kult

Nochmals war Markus Egli in jenen gelben Kittel geschlüpft, den er bei jeder Vernissage trug. Ein Markenzeichen, das längst Kult geworden ist. Die Schlorzi-Musig setzte zusammen mit Sängerin Adriana De Toffol den musikalischen Auftakt. Mit Gitarre, Banjo und Mandoline boten die Musiker ein breites Spektrum von Country über Blues bis zum irischen Folk und sorgten für Stimmung unter den sechzig Gästen.

Rund 150 Autorinnen und Autoren haben während all der Jahre Text- und Bildbeiträge zu gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Themen verfasst. Zu ihnen zählen Persönlichkeiten wie der Uzwiler Industrielle Urs Bühler und die heutige Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Bürgerin von Jonschwil. Viele der Autoren waren zu diesem Abschiedsanlass erschienen.

Zeitdokument, das lokale Identität fördert

«Das Gesamtwerk des Jahrbuchs stellt einen unschätzbaren Wert dar», sagte Gemeindepräsident Stefan Frei. Es gelte als Zeitdokument und fördere die lokale Identität. Der Verlust schmerzt. Denn trotz Beteuerungen der Informationstechnologie bestehe weiterhin die Gefahr, dass unsere Epoche in einer «digitalen Amnesie» enden könne, ist im Vorwort der letzten Ausgabe nachzulesen. Bleibt doch der langfristige Erhalt elektronischer Daten riskant, während die analoge Gestalt des Jahrbuchs Wertigkeit zum Ausdruck bringt.

Der ehemalige Gemeindammann Markus Brändle hatte den Anstoss zur Herausgabe der Publikation gegeben und zählte zusammen mit Theres Germann von Anfang an zu den Autoren. Mit drei Gemeindeobehäuptern habe er es während der vergangenen dreissig Jahre zu tun gehabt, sagte Egli. Und lobte Kurt Bulgheroni, den er als äusserst unbürokratisch erlebt habe.

Markus Brändle dagegen habe wegen jeden Gartenhäuschens ein Baubewilligungsverfahren angestossen, schmunzelte Egli. Doch sei er dem Jahrbuch ebenso wohlgesinnt gewesen wie Stefan Frei. Dass Letzterer den Nicknamen «Putin von Jonschwil» trägt, blieb an diesem heiteren Abend nicht unerwähnt.

Wehmut schwingt mit

Für ihr langjähriges Wirken wurden Ursi und Markus Egli mit einer Holzskulptur beschenkt.

Für ihr langjähriges Wirken wurden Ursi und Markus Egli mit einer Holzskulptur beschenkt.

Bild: Philipp Stutz

Ursi und Markus Egli sind beide im Sternzeichen des Stiers geboren. Als Geschenk für ihr Engagement erhielten sie eine diesem Tier entsprechende Holzskulptur. Dann galt es endgültig Abschied zu nehmen.

Zeitgleich zog eine Gewitterfront mit starken Windböen auf und liess die Rollstoren in der Aula erzittern. Markus Egli hängte seinen gelben Kittel an den berühmten Nagel. Wehmut schwingt mit. Denn das Jahrbuch hat Geschichte geschrieben. Durch seine Einstellung entsteht ein Vakuum.