Jobsharing in der Stadtregierung: SVP erachtet dieses Modell als prüfenswert

Benjamin Büsser (SVP) erkundigt sich nach der Möglichkeit, in Wil Jobsharing für politische Ämter einzuführen.

Gianni Amstutz
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Bisher ist Jobsharing im fünfköpfigen Wiler Stadtrat (untere Reihe) nicht möglich.

Bisher ist Jobsharing im fünfköpfigen Wiler Stadtrat (untere Reihe) nicht möglich.

Bild: Nicola Ryser (11.Januar 2018)

Teilzeitarbeit liegt im Trend. Laut Bundesamt für Statistik (BFS) sind fast 40 Prozent aller Erwerbstätigen in einem Pensum von weniger als 90 Prozent angestellt. Deutlich häufiger sind es Frauen. Fast 60 Prozent von ihnen arbeiten Teilzeit, bei den Männern sind es etwas unter 20 Prozent.

Als Spezialform der Teilzeitarbeit hat sich in den letzten Jahren eine neue Form, das sogenannte Jobsharing, etabliert. Dabei teilen sich zwei Personen eine Stelle und ihre Verantwortung. 9,8 Prozent der teilzeiterwerbstätigen Arbeitnehmenden teilen sich gemäss Erhebungen des BFS ihre Stelle mit einer anderen Person – Tendenz steigend.

Jobsharing ist ein Musterbeispiel, wie Familie und Beruf unter einen Hut gebracht werden können. Wenig überraschend sind Frauen und Eltern mit jüngstem Kind unter 15 Jahren besonders stark vertreten. In der Wirtschaft gibt es Jobsharing auf allen Stufen – auch im Kaderbereich. Die Politik hinkt hier noch etwas hinterher. Das will der Wiler SVP-Stadtparlamentarier Benjamin Büsser nun ändern.

Einfacher, Personen für politisches Amt zu finden

«Auch wenn es offenbar in der Schweiz noch kein Jobsharing für gewählte Gemeindebehörden gibt, so wäre diese Möglichkeit mindestens prüfenswert», sagt der Fraktionspräsident der Wiler SVP. Büsser sieht darin den Vorteil, dass sich mehr Personen finden lassen würden, die für ein politisches Amt kandidieren.

Insbesondere für Personen, die beispielsweise aus familiären Gründen Teilzeitarbeit bevorzugen, sei dies eine gute Möglichkeit, Familie und Arbeit zu vereinbaren. Doch nicht nur für Eltern, auch für beruflich Tätige würde Jobsharing bei politischen Ämtern Sinn machen, wie Büsser andeutet.

Die Arbeitsbelastung in der Gemeindeexekutive mache oft weit mehr als die übliche Stundenzahl für ein 100-Prozent-Pensum aus. Büsser lässt durchblicken, dass die Suche nach Kandidierenden für den Stadtrat sich auch deshalb schwierig gestalte. Die Einführung von Jobsharing könne darum von Vorteil sein.

Das Anliegen, Jobsharing für politische Exekutivämter einzuführen, ist nicht neu. Die politische Richtung, aus der es kommt, hingegen schon. Bisher wurde die Forderung vor allem aus der linken Ecke laut. Im Bundeshaus erhielt die Grüne Nationalrätin Aline Trede vom Bundesrat jedoch eine Absage, in Basel will die Linksaussenpartei Basta die Frage aufs politische Parkett bringen und im Berner Stadtparlament fand sich dafür sogar eine Mehrheit. Einzig die SVP wollte dort nichts davon wissen.

Dass nun ausgerechnet die SVP Jobsharing in Wil einführen will, mag erstaunen. Schliesslich ist das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das eng damit zusammenhängt, traditionell von den linken Parteien besetzt. Vorerst handelt es sich beim Vorstoss von Büsser lediglich um eine Anfrage. Sollte es dereinst tatsächlich zu einer Abstimmung im Parlament kommen, wären die Chancen einer Umsetzung unter diesen Vorzeichen intakt.