Jetzt sollen Kameras helfen

Wieder hat ein Hund ein Reh gerissen. Jetzt wollen die Jagdpächter Wild-Kameras aufstellen, um fehlbare Hunde bildlich festzuhalten. Sie sagen: «Die Regeln wären eigentlich einfach.»

Benjamin Pelzmann
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FLAWIL. Gesund und prächtig sei es gewesen, das Reh. Gerade einmal ein Jahr alt, vielleicht zwei, auf alle Fälle hatte es kein Kitz, sagt Walter Gamper und schüttelt den Kopf. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr musste der ehemalige Flawiler Tierarzt, alarmiert durch aufmerksame Spaziergänger, zu einem gerissenen Reh ausrücken (die Wiler Zeitung berichtete am 5. Juni). Damals fand er ein von Hundezähnen misshandeltes Reh vor der «Habis-Villa». Diesmal fand er ein ähnlich verunstaltetes Tier unweit entfernt, am Rand des Rehwaldes, auf einer Wiese.

Es war kein Luchs

«Einer oder mehrere Bestien haben das Tier getötet», sagt Walter Gamper. Mit «Bestien» meint er Hunde, denn ein Luchs sei das bestimmt nicht gewesen. Drei Gründe sprechen dagegen: «Luchse reissen nicht auf Wiesen, sondern im Wald. Ausserdem kommen sie nicht in die Nähe von Menschen.» Auch habe Wildhüter Max Stacher ihm bestätigt, dass die Verletzungen am Reh nicht von einem Luchs zugefügt wurden. Das getötete Tier hat sicher 20 kg gewogen. «Es muss ein grosser Hund gewesen sein. Gleich schwer wie das Reh oder schwerer», sagt Gamper. Auffallend: «In dieser Gegend kommen häufig Risse vor.» Neben den beiden Fällen 2013 seien auch vergangenes Jahr mehrere gerissene Rehe gemeldet worden. Und das nur im Revier Flawil, dessen Grenze die Glatt ist. «Wie viele Fälle von wildernden Hunden es gibt, kann man nicht genau sagen. Was nicht entdeckt oder gemeldet wird, wissen wir auch nicht.» Manchmal finde man halt nur noch Knochen.

Jeder Hund hat Jagdtrieb

Die Regeln seien eigentlich einfach, sagt Walter Gamper. «Im Wald und unmittelbarer Nähe gehört ein Hund an die Leine. Es spielt keine Rolle, wie gut er gehorcht.» Jeder Hund habe einen Jagdtrieb. «Grosse Hunde sind natürlich gefährlicher. Nicht nur, weil sie stärker sind – sie jagen auf Sicht. Einem kleinen Hund, welcher der Fährte nachjagt, kann ein Reh besser entweichen.» Wenn ein Hund einmal Blut gerochen habe, wolle er das immer wieder. Zurzeit sind junge Rehkitze – etwa 10 bis 12 kg schwer – im Wald unterwegs. Diese kann auch ein kleinerer Hund schwer verletzen. Im Frühling streifen neugeborene Rehkitze durch den Wald – sie sind dann besonders gefährdet.

Wild-Kameras aufstellen

Die Jagdpächter des Reviers Flawil wollen auch konkrete Massnahmen ergreifen, um weitere Wildrisse zu verhindern. «Wir haben ins Auge gefasst, Wild-Kameras aufzustellen», sagt Walter Gamper. Die Kameras, die – ähnlich wie Radarfallen – auf Bewegung reagieren, sollen wildernde Hunde bildlich festhalten und den Jägern Hinweise liefern. «Solche Geräte würden wir natürlich nicht bei Spazierwegen aufstellen», sagt Gamper. Er erhofft sich einen Präventionseffekt. «Die Hundehalter müssen sich bewusst sein, welche Konsequenzen ein fehlbares Verhalten haben kann.» So drohen Bussen von 1000 bis 2000 Franken. Hunde können eingeschläfert oder – werden sie in flagranti erwischt – direkt erschossen werden.

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr rissen Hunde im Jagdrevier Flawil ein Reh. Auf fehlbare Hundehalter warten hohe Bussen. (Bilder: pd)

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr rissen Hunde im Jagdrevier Flawil ein Reh. Auf fehlbare Hundehalter warten hohe Bussen. (Bilder: pd)