Jetzt soll die Jugend mitbestimmen: Die Stadt Wil sucht junge Menschen für die Gründung eines Jugendparlaments

Im Herbst stimmte das Stadtparlament dem Reglement für ein Jugendparlament zu. Hier sollen Jugendliche zwischen 12 und 20 ab September lernen, ihre Meinung zu vertreten, zu diskutieren und politischen Mechanismen besser zu verstehen.

Gianni Amstutz
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Anders als das Jugendparlament in Bern kann jenes in Wil mit einem jährlichen Budget von 5000 Franken konkrete Projekte initiieren und umsetzen.

Anders als das Jugendparlament in Bern kann jenes in Wil mit einem jährlichen Budget von 5000 Franken konkrete Projekte initiieren und umsetzen.

Bild: Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Jugendliche gehören zu jenen Gruppen, deren politische Mitsprache stark begrenzt ist. Die Stadt Wil möchte dies als von der Unicef ausgezeichnete kinderfreundliche Gemeinde ändern. Im Herbst stimmte das Stadtparlament dem Reglement für ein Jugendparlament zu und legte damit die Grundlage zur Schaffung desselben.

Nun geht es darum, interessierte Jugendliche zu finden, die sich im Jugendparlament engagieren wollen. Dafür zuständig ist die Jugendarbeit Wil. Um möglichst alle Jugendlichen zu erreichen, sollen alle einen Brief mit Flyer zugeschickt erhalten, wie Lara Schmid, Mitarbeiterin der Jugendarbeit Wil, erklärt. Zusätzlich soll das Jugendparlament direkt im Jugendzentrum, an den Schulen und per Social Media beworben werden.

Anders als im Stadtparlament sind im Jugendparlament auch Jugendliche ohne Schweizer Pass willkommen. Einzige Bedingung ist, dass die Jugendlichen zwischen 12 und 20 Jahren alt sind.

«Und natürlich sollen sie Ideen mitbringen sowie den Willen, etwas zu bewegen.»

Die Teilnahme am Jugendparlament bedingt keine Zugehörigkeit in einer Partei. Dies auch deshalb, da es in erster Linie um Sachpolitik gehe und die Erarbeitung von Projekten im Vordergrund stehe.

Jugendparlament kann selbstständig entscheiden

Was die Jugendlichen initiieren wollen, steht ihnen völlig frei. «Schliesslich geht es ja darum, dass die Jugendlichen ihre Anliegen verwirklichen können und lernen, Verantwortung zu übernehmen», sagt Lara Schmid. Pro Jahr steht dem Jugendparlament gemäss Reglement ein Budget von 5000 Franken zur Verfügung. Bei Bedarf können projektbezogen weitere Mittel beim Departement Soziales, Jugend und Alter beantragt werden.

Das Jugendparlament kann aber nicht nur von sich selbst aus aktiv werden, sondern wird bei Projekten des Stadtrats, welche die Jugend betreffen, zu Stellungnahmen eingeladen. Dadurch sind sie gewissermassen das Sprachrohr der Jugend. Ausserdem kann das Jugendparlament gestützt auf den Partizipationsvorstoss auch selbst ihre Anliegen ins Stadtparlament einbringen. Des weiteren kann es ähnlich einer parlamentarischen Kommission Stadtrats- sowie Kadermitglieder der städtischen Verwaltung zu seinen Sitzungen einladen und von ihnen Auskunft verlangen.

Eine Legislatur dauert ein Jahr. Das sei sinnvoll, da es den Jugendlichen ermögliche, die Parlamentsarbeit ungezwungen auszuprobieren, ohne sich dabei langfristig festlegen zu müssen, sagt Schmid. Bevor es losgehen kann, müssen nun erst einmal interessierte Jugendliche gefunden werden. Mindestens zehn braucht es, damit das Jugendparlament starten kann.

Projekt verschwindet nicht in einer Schublade

Für die Anmeldung ist vorerst eine Frist bis am 30.Juli dieses Jahres vorgesehen. Doch selbst wenn man nicht auf Anhieb genügend Interessierte finde, werde das Projekt nicht einfach in einer Schublade verschwinden, so die Jugendarbeiterin. «Wir müssten uns dann aber fragen und überprüfen, wieso wir die Jugendlichen nicht erreicht haben oder, ob schlicht kein Interesse besteht.»

Da das Projekt so zum ersten Mal durchgeführt werde, sei es schwierig abzuschätzen, auf wie viel Anklang es stossen werde. Lara Schmid sagt:

«Ich hoffe aber, dass sich viele Jugendliche dafür begeistern können und sich mit coolen Ideen einbringen werden.»

Komme das Jugendparlament zustande, bringe das sowohl für die Jugendlichen als auch für die Gesellschaft Vorteile. Die Jugendlichen lernten so, ihre Meinung zu vertreten, zu diskutieren und würden nebenbei noch die politischen Mechanismen besser verstehen. Zudem wird so dem Bedürfnis der Jugendlichen nach Mitgestaltung Rechnung getragen.

Für die Gesellschaft sei die Teilhabe der Jugendlichen am öffentlichen Leben ohnehin wichtig und die Gründung des Jugendparlaments ein Schritt hin zur echten Partizipation. «Dies führt bei den Jugendlichen wiederum dazu, dass sie sich noch stärker mit der Stadt identifizieren, da sie das Leben in der Stadt selbst mitgestalten können.»

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