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«Jetzt packen wir den Znüni aus»

Seit fünf Jahren verfügt das Wiler Lindenhof-Quartier über eine Integrationsspielgruppe. Fand sie anfänglich nur einen halben Tag pro Woche statt, ist sie heute an fünf Vormittagen gut besucht. Diesen Samstag ist Tag der offenen Türe.
Chris Gilb
Lindenhof-Spielgruppenleiterin Esther Scherrer zwischen den Kindern der Dienstagsgruppe aus fünf verschiedenen Nationen. (Bild: Chris Gilb)

Lindenhof-Spielgruppenleiterin Esther Scherrer zwischen den Kindern der Dienstagsgruppe aus fünf verschiedenen Nationen. (Bild: Chris Gilb)

WIL. Fazli, Lion, Blina, Diego, Trim, Nicole, Umar und Melinda sitzen um einen kleinen Tisch im ersten Stock des alten Zeughauses. Es ist zehn Uhr: «Znüni-Zeit». Die Spielgruppenleiterinnen Elisabeth Baumann und Esther Scherrer nehmen ebenfalls Platz und benennen, was geschieht. «Jetzt packen wir den Znüni aus», «dann fangen wir zu Essen an» etc. Die Kinder – mit Eltern aus Serbien, der Schweiz, Kosovo, Mazedonien und Albanien – greifen beherzt zu. «Wir versuchen bewusst, die Geschehnisse für die Kinder in Worte zu fassen, denn für einige ist Deutsch nur Zweitsprache oder wird zu Hause gar nicht gesprochen», sagt Esther Scherrer.

Spielen wichtiger als Sprache

Esther Scherrer ist Mitarbeiterin der Spielgruppe Obere Mühle in Wil, welche die Trägerschaft für die Integrationsspielgruppe im Lindenhof-Quartier hat. An drei Vormittagen arbeitet sie dann im Zeughaus statt beim Stadtweiher. Vor fünf Jahren entstand das Pilotprojekt «Spielgruppe Lindenhof» auf Initiative der Fachstelle Integration der Stadt Wil und der Schulleitung der Primarschule Lindenhof. Esther Scherrer möchte zuerst darüber erzählen, was die Spielgruppe mit anderen Spielgruppen gemeinsam hat und nicht, wie sie sich unterscheidet. «Viele Kinder merken anfänglich gar nicht, dass sie die gleiche Muttersprache – etwa Albanisch – haben, einigen fällt es erst nach einigen Monaten auf.» Denn die Sprache oder auch die Kultur sei für die Kinder zweitrangig. Das Spielen stehe im Vordergrund. Einer der grossen Unterschiede zu anderen Spielgruppen dieser Grösse ist die Zahl der Leiterinnen: Es sind zwei statt nur eine. «Die Kosten für die zweite Fachkraft werden aus dem städtischen Haushalt bezahlt. Wir wurden damals von der Stadt als Träger für dieses Projekt ausgewählt und das Quartier Lindenhof als dessen Standort. Dort gab es noch keine Spielgruppe und einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund», sagt Ursula Möck, Präsidentin der Spielgruppe Obere Mühle. Sie ist vom Erfolg des Projekts überzeugt – dieser lasse sich in Zahlen belegen. Gab es am Anfang nur Nachfrage für eine Spielgruppe mit vier Kindern pro Woche, sind es zwischenzeitlich fünf mit durchschnittlich acht Kindern pro Vormittag. Nächstes Jahr könnte wegen der Nachfrage noch ein Nachmittag und damit eine Spielgruppe dazu- kommen.

Funktion als Anlaufstelle

«Viele der Eltern waren anfänglich zurückhaltend, sie kannten ein solches Angebot aus ihrer Kultur nicht, wo die Grossfamilie diese Aufgaben übernimmt», sagt Ursula Möck. Auch deshalb habe man keine strikte Regel, wie oft die Eltern am Anfang ihre Kinder begleiten dürfen. «Schweizer Eltern nutzen mit ihren Kindern eher Angebote der Früherziehung, etwa Muki-Turnen, und sind es sich gewohnter, loszulassen», sagt Ursula Möck. Auch Kindergärtnerinnen im Quartier würden bestätigen, was für eine wichtige Aufgabe die Spielgruppe als Brückenangebot für Kinder mit Migrationshintergrund erfülle. «Bei uns lernen die Kinder schon eine Struktur, gewisse Abläufe, gemeinsam zu spielen und finden wichtige Anregungen und Unterstützung für die Sprachentwicklung» sagt Ursula Möck.

Einfach mal barfuss laufen

«Es heisst immer, das Erlernen der Sprache sei das Wichtigste, genauso wichtig ist es aber, dass die Kinder und Eltern eine erste Anlaufstelle im öffentlichen Raum haben und Vertrauen gewinnen können», sagt Ursula Möck. «Ich habe auch schon eine Mutter mit ihrem Kind zum Arzt begleitet», sagt Spielgruppenleiterin Esther Scherrer. Am Freitag, wenn nur sechs Kinder in der Gruppe sind, geht sie manchmal mit ihnen zum nahen Regionalen Leistungszentrum, um am Kids-Fit teilzunehmen. «Einige der Kinder haben zu Hause eher enge Wohnverhältnisse, der Bewegungsdrang ist aber etwas ganz Natürliches in diesem Alter, deshalb soll er bei uns ausgelebt werden können», sagt Ursula Möck. Dreimal pro Jahr finden auch Anlässe mit Eltern und Kindern gemeinsam statt. Einmal mit einer Psychomotoriktherapeutin. «Viele Eltern schreckt das Wort Psycho in der Berufsbezeichnung ab, aber es ist ganz wichtig für sie, zu sehen, was sie mit dem Kind gemeinsam machen können, um dessen Körperwahrnehmung zu fördern. Es auch einmal barfuss laufen zu lassen, ist so etwas», sagt Ursula Möck. Das sei für manche Mütter und Väter etwas Neues.

Tag der offnen Türe Integrationsspielgruppe Lindenhof: Samstag, 18. Juni, 9 bis 11 Uhr, Thuraustr. 30

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