«Jetzt ist der richtige Zeitpunkt»: Simon Thalmann verzichtet auf eine weitere Kandidatur als Gemeindepräsident

Die politische Gemeinde Niederhelfenschwil muss sich auf die Suche nach einem neuen Gemeindeoberhaupt machen: Simon Thalmann hört Ende Jahr auf. Am 27. September finden die Gesamterneuerungswahlen statt.

Hans Suter
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Will sich neuen Herausforderungen stellen: Der 61-jährige Simon Thalmann gibt das Gemeindepräsidium in Niederhelfenschwil Ende 2020 ab.

Will sich neuen Herausforderungen stellen: Der 61-jährige Simon Thalmann gibt das Gemeindepräsidium in Niederhelfenschwil Ende 2020 ab.

PD

Es war eine Überraschung: Der 61-jährige FDP-Politiker Simon Thalmann gab am Freitag in einem Communiqué bekannt, bei den Gesamterneuerungswahlen am 27. September nicht mehr antreten zu wollen. Zugleich lässt er offen, wie es für ihn nach seiner Zeit als Gemeindepräsident, also ab dem 1. Januar 2021 weitergehen wird.
Unweigerlich stellt sich die Frage: Was führte zu dieser unerwarteten Entscheidung? «Mittlerweile bin ich acht Jahre Gemeindepräsident. Bei meiner Amtsaufgabe Ende 2020 sind es bereits neun», sagt Simon Thalmann. Er habe in dieser Zeit einen «verantwortungsvollen, tollen und intensiven» Beruf ausüben dürfen. «An der Tätigkeit als Gemeindepräsident hatte und habe ich immer noch grosse Freude», betont er. «Ich bin aber auch überzeugt, dass jetzt für mich persönlich der richtige Zeitpunkt da ist, mich nochmals neu zu orientieren.»

«Meine Entscheidung ist gereift»

Dass es eine Art Schlüsselerlebnis gegeben habe, das diesen Entscheid beeinflusst hat, verneint er. «Meine Entscheidung ist gereift. Zudem habe ich bereits beim Amtsantritt mit dem Gedanken gespielt, dass ich irgendwann nochmals etwas Neues anpacken werde und nicht als Gemeindepräsident in Pension gehen will.» Wichtig sei ihm gewesen, die Bildung der Feuerwehr Region Uzwil zusammen mit dem Projektteam abschliessen zu können. «Dies ist geschehen und die Organisation ist erfolgreich gestartet. Deshalb kann ich jetzt meinen ursprünglichen Plan umsetzen.» Einen Plan notabene, der erst in den vergangenen Monaten gereift sei. «Doch jetzt bin ich sicher, dass ich nochmals eine neue Herausforderung annehmen will.» Um den Parteien genügend Zeit zu geben, den Nachfolgeprozess in die Wege zu leiten, habe er sich entschieden, seine Absicht frühzeitig zu kommunizieren. «Damit will ich einen Beitrag leisten, dass für meine Nachfolge die am besten geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten gefunden werden.»

Abstimmungsniederlage hatte keinen Einfluss

Im politischen Alltag verläuft nicht alles wunschgemäss. Das mussten Thalmann und der Gemeinderat im vergangenen Herbst erfahren, als der beantragte Teilzonenplan «Geren» an der Urne abgelehnt wurde. In diesem Zusammenhang ist auch eine Beschwerde gegen den Gemeinderat hängig. Hat dies den Verzichtsentscheid beeinflusst? «Nein, ganz und gar nicht», sagt Thalmann. Es gehöre zum politischen Geschäft, dass nicht immer die eigenen Präferenzen Mehrheiten fänden und angenommen würden. «Damit habe ich keine Mühe. Auch mit der Beschwerde nicht.» Die Beschwerdemöglichkeit stehe jeder Bürgerin und jedem Bürger zu. «Die Bekanntgabe meines Rücktritts hat vielmehr mit der erfolgreichen Bildung der Feuerwehr der Region Uzwil zu tun», betont er erneut. Diese habe ihre Arbeit am 1. Januar 2020 erfolgreich aufgenommen. «Die Umsetzung und der Abschluss dieses Projektes lagen mir sehr am Herzen. Deshalb war es für mich wichtig, diesen Prozess noch abschliessen zu können.»

«Der Ton macht die Musik»

Sein Verzicht auf das Gemeindepräsidium wird indes zur Folge haben, dass er auch das Präsidium der Feuerwehr Region Uzwil abgibt.
Da er noch bis Ende Jahr im Amt ist, mag Thalmann noch nicht Bilanz ziehen. Zur Frage, wie sich seine Arbeit als Gemeindepräsident in den vergangenen acht Jahren verändert hat, äussert er sich dennoch. Die Aufgaben an sich seien dieselben geblieben. «Wir merken aber auf der Gemeinde, dass die administrative Arbeit in Projekten eher zu- als abnimmt.» Eine Veränderung spüre er auch in der Kommunikation, deren Bedeutung deutlich gestiegen sei. Zudem würden heute andere Medien konsumiert als noch vor acht Jahren. «Ich bin deshalb überzeugt, dass unser gemeindeeigenes Mitteilungsblatt eine wertvolle und wichtige Ergänzung zur klassischen Tages- und Wochenzeitung sowie den Online-Angeboten ist.»

Dass die politische Kultur härter geworden sei, mag er nicht einfach bejahen: «Ich habe den Eindruck, dass es auf Gemeindeebene meistens um die Sache geht. Wie bei allem macht auch hier der Ton die Musik.» Die Diskussionen indes hätten sich vom Stammtisch eher in die sozialen Medien verlagert.