Neuer Vorstand, eine Vertrauensstelle und Steingrubers Mutter als Beraterin: Das Regionale Leistungszentrum Ostschweiz wagt den Neuanfang

Nach den Differenzen mit dem alten Vorstand und den Missbrauchsvorwürfen haben die neuen Verantwortlichen des Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz (RLZO) für Kunstturnen in Wil am Freitag an der Medienkonferenz über deren Zukunft informiert. Zur Sprache kamen auch die neuen Gesichter.

Alexandra Pavlovic
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Was bekannt ist:

  • Es kam zum Bruch zwischen dem 2009 gegründeten Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz (RLZO) und verschiedenen Satellitenvereinen. Der Grund: personelle Zerwürfnisse im Umfeld des RLZO.
  • Eltern und Vereine lehnten sich vor allem gegen den Präsidenten Willi Aurich und dessen Amtsführung auf.
  • 2018 versuchte der St.Galler Turnverband die Wogen zu glätten. Ohne Erfolg.
  • Der damaligen Geschäftsführerin wird im Oktober 2018 gekündigt. Dies, weil sie die Missstände am RLZO aufgedeckt hat. Nach nur wenigen Monaten im Amt, verlässt im September 2019 die neu gewählte Geschäftsführerin das Zentrum. Grund auch hier: Differenzen mit dem Vorstand.
  • Im August 2019 wird der ungarische Cheftrainer des RLZO verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Er soll mutmasslich sexuelle Handlungen an einer minderjährigen Kunstturnerin vorgenommen haben. Sein Opfer: eine seiner ehemaligen Schülerinnen.
  • Der Cheftrainer wird wenige Wochen nach der Festnahme entlassen. Der Vorstand ernennt daraufhin seine Ehefrau zur neuen Cheftrainerin. Dieser Personalentscheid stösst allerdings auf Kritik.
  • Für das mutmassliche Opfer wird alles zu viel. Die damals 17-Jährige beendet im November 2019 ihre Karriere und zieht sich aus dem Spitzensport zurück. 

Lange Zeit kam das Regionale Leistungszentrum Ostschweiz (RLZO) nicht aus den medialen Schlagzeilen. Missstände mit dem Vorstand, personelle Abgänge und auch ein mutmasslicher Missbrauchsvorfall beherrschten den Alltag. «Die Situation in vergangener Zeit war nicht zufriedenstellend. Da sind wir Anwesenden uns alle einig», sagt Alexander Brochier. Der Unternehmer und Berater für Transformation ist seit Donnerstagabend der neue Präsident des RLZO. Heute Freitag hat er nun mit weiteren Vertretern die Öffentlichkeit über die Zukunft des Zentrums informiert.

Alexander Brochier (rechts) ist der neue Präsident des RLZO.

Alexander Brochier (rechts) ist der neue Präsident des RLZO.

(Bild: Benjamin Manser)

Neuer RLZO-Präsident war selbst Turner

Neugier, Leistung, Engagement – für diese Werte stehe das neue RLZO, so Brochier. Ganz wichtig sei es, eine offene Kommunikation zu pflegen. «Mit den Eltern, mit den Satelliten, einfach mit allen.» Weiter nennt der neue Präsident den Respekt. «Das ist ganz wichtig für uns.»

Der Turnsport ist dem neuen Präsidenten nicht fremd. Er war selber als Jugendlicher aktiv im Turnsport und hat lange bis in die Landesliga geturnt, wie er weiter über sich selber sagt. Zudem war er RLZO-Gründungsmitglied und bis 2013 verantwortlich für den Betrieb. Im Jahr 2012 sei er ausserdem Organisationsverantwortlicher für den Frauen-Länderkampf Schweiz, Russland und Grossbritannien gewesen.

Drei Prioritäten, drei Ziele

Der Medienkonferenz zugegen waren ausserdem drei weitere Männer. Zum einen Markus Züblin. Er ist gemäss Brochier verantwortlich für das Projekt Neustart. Marcel Altherr wird das Marketing leiten und schliesslich Jürg Litscher. Er vertritt den St.Galler Turnverband und wirkt als Berater.

Präsentiert wurden am Freitag auch drei Punkte, die für das Zentrum künftig wichtig sind:

  1. Priorität hat der Leistungssport (strikte Trennung von Breitensport)
  2. Gleichbehandlung von Männern und Frauen
  3. Positives begeisterndes Umfeld schaffen – mit Know-How-Transfer und Innovationen auf allen Ebenen.

Ausserdem hat sich das neue RLZO folgende drei Ziele gesetzt:

  1. Bis 2025 unter den Top 3 RLZs in der Schweiz
  2. Bis 2030 führendes RLZ in der Schweiz (gemessen an KaderturnerInnen)
  3. Olympiateilnahme eines/einer RLZO-Neu-TurnerIn

«Wir wollen motivierte Turnerinnen und Turnern zu künftigen Olympioniken ausbilden», sagt Brochier. Das Hauptziel sei es daher auch, Turnerinnen und Turner in allen Kaderstufen zu haben.

Vertrauensstelle wurde neu geschaffen

Neben den neuen Prioritäten und Zielen wurde auch ein bekannter Name an der Medienkonferenz genannt. Künftig wird Fabiola Steingruber, die Mutter der Profikunstturnerin Giulia Steingruber, als Beraterin für das Zentrum tätig sein.

Des Weiteren wurde nach dem mutmasslichen Missbrauchsvorfall eine Vertrauensstelle geschaffen, um künftig Turnerinnen und Turner besser zu schützen. «Leider ist diese noch nicht besetzt», sagt Brochier. Man sei derzeit aber daran, das genaue Profil zu schärfen, um die Stelle bestmöglich zu besetzen. «Minderjährige müssen ernst genommen werden. Sie müssen eine Anlaufstelle haben für ihre Sorgen und Nöte. Das soll es am RLZO geben», so Brochier.

Die Medienkonferenz zum Nachlesen:

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