Jetzt braucht es Unterschriften

In Dietschwil regt sich Widerstand gegen die beschlossene Auflösung der Dorfkorporation. Landwirt Martin Künzli hat eine Abstimmungsbeschwerde eingereicht. Womöglich wird das bald zum Thema für die ganze Gemeinde Kirchberg.

Simon Dudle
Drucken
Teilen
Landwirt Martin Künzli wehrt sich gegen die Aufhebung der Dorfkorporation Dietschwil. Sennenhund Nero scheint sich zu solidarisieren. (Bild: Simon Dudle)

Landwirt Martin Künzli wehrt sich gegen die Aufhebung der Dorfkorporation Dietschwil. Sennenhund Nero scheint sich zu solidarisieren. (Bild: Simon Dudle)

DIETSCHWIL. Eigentlich schien der Kuchen gegessen: Ende November vergangenen Jahres hatten sich die Stimmberechtigten von Dietschwil an einer Urnenabstimmung dafür ausgesprochen, dass es die Dorfkorporation ab dem 1. Januar 2017 in der neuen Kirchberger Einheitsgemeinde nicht mehr gibt, dafür ein Dorfverein gegründet wird. Mit 77 Ja- zu 69 Nein-Stimmen fiel das Ergebnis bei einer Stimmbeteiligung von mehr als 50 Prozent allerdings knapp aus.

Das letzte Wort ist nun aber doch noch nicht gesprochen. Martin Künzli, Landwirt im Dietschwiler Weiler Remis, erhob beim Departement des Innern des Kantons St. Gallen Abstimmungsbeschwerde. Unterzeichnet ist diese von 65 Dietschwilern. Martin Künzli sagt: «Es wurde ungenügend und falsch informiert, eine versprochene Informationsveranstaltung wurde nicht durchgeführt, und es gab einige offene Punkte. Zudem waren die Abstimmungsunterlagen einseitig zugunsten der Inkorporation verfasst. Wenn man das gelesen hatte, musste man fast zustimmen.»

Fall weitergezogen

Auf die Beschwerde, die 15 Punkte umfasst, trat das Departement des Innern aber nicht ein. Für Künzli ist das frustrierend. Er hatte Geld gesammelt, um den geforderten Kostenvorschuss von 2000 Franken leisten zu können. Zudem hat er sich beim Rechtsdienst des kantonalen Amts für Gemeinden informiert. Danach war er der Meinung, die Beschwerde müsse bis 14 Tage nach der Abstimmung eingereicht werden, was er tat. Beim Department des Innern wird nun argumentiert, die 14tägige Frist habe mit der Zustellung der Abstimmungsunterlagen zu laufen begonnen. Die Beschwerde sei somit zu spät eingereicht worden. Der Stimmberechtigte dürfe nicht die Abstimmung abwarten und je nach Ergebnis Beschwerde erheben. Der enttäuschte Künzli zog den Fall an das kantonale Verwaltungsgericht weiter. Da er den neuerlich fälligen Kostenvorschuss von 2000 Franken nicht zahlte, wurde die Beschwerde im Juni abgeschrieben. «Ich hätte einen Anwalt nehmen müssen und für alles zusammen etwa 6000 Franken bezahlt», sagt er.

248 Unterschriften nötig

Auch damit ist die Inkorporation aber noch nicht rechtskräftig. Nach geltender Gemeindeordnung ist der Entscheid dem fakultativen Referendum unterstellt. Kommen zwischen dem 15. August und dem 23. September mindestens 248 gültige Unterschriften zusammen, wird eine Urnenabstimmung in der ganzen Gemeinde Kirchberg fällig. An dieser würde über die Inkorporation befunden. Künzli ist überzeugt, dass sich in der Politischen Gemeinde genügend Unterschriften organisieren liessen. Ob er allerdings sammeln geht, lässt er noch offen. Er will die Reaktionen im Dorf abwarten.

Auch Dorfkorporationspräsident Vincenz Künzle, der nicht mit Martin Künzli verwandt ist, beobachtet die Entwicklung genau. Er geht davon aus, dass es sich um einen «Sturm im Wasserglas» handelt und die Inkorporation weiter beschlossene Sache ist. «Die Gegenpartei hat sich lange im Hintergrund gehalten. Es scheint eine rein emotionale Sache zu sein», sagt Künzle. Aus seiner Sicht werden die zu bewältigenden Aufgaben einer Dorfkorporation immer komplexer, es braucht Profis. Darum sei eine Inkorporation der richtige Schritt. Martin Künzli hingegen vertritt die Meinung, dass die Dorfkorporation schon über 100 Jahre lang gut funktioniere und man nichts ändern müsse.

Wasser wird teurer

Die wichtigste Aufgabe der Dorfkorporation ist die Verwaltung des Wassers. Bereits jetzt lässt sich absehen, dass der Wasserpreis in Dietschwil im Falle einer Inkorporation um etwa 20 Rappen auf über einen Franken pro Kubikmeter ansteigt.