«Jeder muss selbst viel leisten»

Niederbüren bekommt im neuen Jahr mit Theologe David Gysel eine neue Ansprechperson für die Asylsuchenden im Dorf. Er übernimmt die Aufgabe von Ratsschreiber Markus Ramseier.

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Markus Ramseier Leiter Gemeinderatskanzlei Niederbüren (Bild: pd)

Markus Ramseier Leiter Gemeinderatskanzlei Niederbüren (Bild: pd)

Niederbüren bekommt im neuen Jahr mit Theologe David Gysel eine neue Ansprechperson für die Asylsuchenden im Dorf. Er übernimmt die Aufgabe von Ratsschreiber Markus Ramseier. Der Gemeindemitarbeiter spricht über Alltagsprobleme von Asylsuchenden, die Anforderungen an die Ansprechperson, sowie die Gratwanderung zwischen Menschlichkeit und Verwöhnen.

Herr Ramseier, mit welchen Problemen kommen Asylsuchende auf Sie als Ansprechperson zu?

Es geht in der Regel um alltägliche Dinge. Beispielsweise benötigen sie einen Arzttermin oder ihr Handy ist defekt. Auch wenn jemand ein neues Möbelstück brauchte, habe ich das bisher organisiert.

Nun übernimmt jemand anders. Warum?

Meine anderen Aufgaben in der Gemeindeverwaltung leiden, weil ich sie zu oft für Anliegen der Asylsuchenden unterbrechen muss. Zudem ist davon auszugehen, dass die Zahl der zugeteilten Asylsuchenden zunimmt. Darum haben wir eine unterstützende Person gesucht.

Wie kam die Zusammenarbeit mit David Gysel zustande?

Für uns war wichtig, dass die betreffende Person weltoffen und sprachgewandt im Umgang mit Menschen ist. Beides trifft auf Herr Gysel zu.

Er wird also in Zukunft die Asylsuchenden betreuen.

Er wird die erste Anlaufstelle für sie sein. Ich möchte betonen, dass es sich nicht um eine ständige Begleitinstanz handelt. Wir bieten keine betreute Wohngemeinschaft, sondern verlangen von den Asylsuchenden bewusst höchstmögliche Eigenständigkeit. Menschlichkeit ist zwar notwendig, doch man darf die Asylsuchenden nicht verwöhnen. Sie müssen lernen, dass in der Schweiz jeder selbst viel leisten muss, für sich und sein Umfeld.

Wie funktioniert die Arbeitsintegration in Niederbüren?

Wir können unsere Asylbewerber zeitweise immer wieder mit Tätigkeiten in der Gemeinde beschäftigen, doch für sie eine längerfristige Stelle zu finden ist schwierig. Viele kommen ohne Ausbildung hierher. Hier liegt das Problem, denn Jobs, für die keine Ausbildungen nötig sind, gibt es nicht viele in der Region.

Was wird dagegen gemacht?

Sobald jemand als Flüchtling anerkannt oder vorläufig aufgenommen wird, klärt die Repas (kantonale Stelle) das Potenzial der Asylsuchenden (Fähigkeiten, frühere Ausbildungen, Sprachkenntnisse) ab. Dann wird über Massnahmen wie Deutschkurse, Praktika oder andere Aus- und Weiterbildungen entschieden.

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