Jede Stimme zählt: In der Oberstufe Bronschhofen wurde erneut das Schülerratspräsidium gewählt

Die Schülervollversammlung geht dieses Jahr in die siebte Runde – mit Schutzmassnahmen. Vier Schülerinnen und Schüler stellten sich zur Wahl, doch nur zwei von ihnen konnten als Sieger hervorgehen.

Livia Schmidt
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Das frisch gewählte Präsidentenpaar Fabienne Bischofberger und Janis Schönenberger.

Das frisch gewählte Präsidentenpaar Fabienne Bischofberger und Janis Schönenberger.

Livia Schmidt

Es ist viertel nach zehn: Die Klingel kündigt das Ende der grossen Pause an. Langsam füllt sich der Lernraum mit den 120 Schülerinnen und Schülern der Oberstufe Bronschhofen. Einzelne Lehrpersonen und die Schulsozialarbeiterinnen nehmen in der letzten Reihe Platz. Um die Schutzmassnahmen umzusetzen, tragen die Erwachsenen eine Maske. An jenem Tag findet die alljährliche Schülervollversammlung statt, an der die Schülerratspräsidentin und der Schülerratspräsident von der Schülerschaft gewählt werden. In den letzten Wochen wurde eifrig Wahlkampf betrieben und die vier Kandidierenden erstellten Plakate, die aussagen, weshalb gerade sie das Präsidentenamt vertreten sollten.

Das Konzept des Schülerrats wird seit sieben Jahren durchgeführt, mit dem Ziel, dass die Schülerschaft erste politische Erfahrungen sammelt. Schulsozialarbeiterin Jasmin Fisch erklärt:

«Sie sollen Partizipation erleben und merken, dass sie so vorankommen können»

Dem Schülerrat wird die Möglichkeit gegeben, sich für Anliegen ihrer Mitschüler einzusetzen und Verantwortung für die Umsetzung eigener Projekte zu übernehmen.

Im Schülerrat herrscht Gleichberechtigung

Nachdem alle Platz genommen haben und Ruhe eingekehrt ist, ergreift die Moderation, die aus zwei Mitgliedern des Schülerrats besteht, das Wort. Die Versammlung beginnt mit einem musikalischen Auftakt einer Schülerin. Kurz danach stellen sich die Delegierten des diesjährigen Schülerrats vor, der jeweils von einem Mädchen und einem Knaben pro Klasse vertreten wird. Meist rührt ihre Motivation für den Schülerrat daher, ihre Klasse unterstützen zu können, neue Projekte zu planen und Veränderungen an der Schule durchzusetzen.

Nun sind die vier Kandidierenden daran, ihre Wahlreden zu halten, in der sie ihre Ideen und Ziele vorstellen und ihre Motivation für das Präsidium unterstreichen. Dabei reichen die Visionen der vier Schülerinnen und Schüler von Abfalltrennung über das Dekorieren der Flure bis hin zur Festlegung von Prüfungslimits vor den Schulferien. Zudem werben sie mit ihren Stärken wie Verantwortungsbewusstsein, Hilfsbereitschaft oder Kommunikationsfähigkeit, um der Schülerschaft eine Stimme zu entlocken.

Vor der Abstimmung erklärt Moderator Janis Schönenberger, der nebenbei für das Präsidentenamt kandidiert, das Wahlverfahren. Wer das absolute Mehr erreicht, gewinnt. Die Delegierten des Schülerrats verteilen die Abstimmungskuverts an ihre Klassen, die sich für ein Mädchen und einen Knaben entscheiden müssen. Die Stimmzettel werden in die Wahlurnen, die von der Stadt Wil zur Verfügung gestellt wurden, eingeworfen. Während die Schülerinnen und Schüler draussen einen Apéro geniessen, werden die Stimmzettel im Lehrerzimmer ausgewertet. Die Spannung steigt. Einzig die Moderatorin und die Lehrerschaft kennen das Resultat. Doch bevor die Ergebnisse verkündet werden, gibt es erneut ein musikalisches Intermezzo. Dann ist es soweit. Mit dem absoluten Mehr werden Fabienne Bischofberger und Janis Schönenberger als Präsidentin und Präsident des diesjährigen Schülerrates verkündet. Erste Gratulationen erhalten sie von ihren Gegenkandidaten, später gratulieren ihre Mitschülerinnen und Mitschüler.

Mit Verantwortung und Teamarbeit

Als die Ergebnisse feststanden, haben sich die neuen Präsidenten gefreut, seien aber etwas überrascht gewesen. Vor allem Bischofberger sah grosse Chancen für ihre Mitstreiterin. Schon letztes Jahr hatte Bischofberger kandidiert, damals hatte es nicht geklappt. Es sei ein überwältigendes Gefühl gewesen, als sie sich dieses Mal durchsetzen konnte. Unter anderem, weil sie – und ihre Mitstreiter – in den vergangenen Wochen grosse Mühe in das Wahlplakat und die Rede gesteckt haben.

Im stillen Kämmerchen werden die Stimmzettel ausgewertet.

Im stillen Kämmerchen werden die Stimmzettel ausgewertet.

Livia Schmidt
«Jetzt dürfen wir unser Bestes geben»

So lauten die Worte in der Dankesrede des Schülerratspräsidenten Schönenberger. Das Präsidentenpaar hat bereits Vorstellungen davon, was sich im nächsten Jahr ändern soll. Die Anliegen der Schülerschaft spielen dabei eine zentrale Rolle. Schönenberger spricht sich beispielsweise für eine klare Regelung von grünen Einträgen, die als positiver Vermerk gelten, aus oder will in eine Uhr, ausserhalb vor der Schule, investieren. Derweil setzt sich Bischofberger dafür ein, dass ein Selecta-Automat aus zweiter Hand erworben und im Schulflur aufgestellt wird. Dennoch ist ihnen die Grenze des Möglichen bewusst – wie in der Demokratie wird ein Vorschlag an die Lehrerschaft weitergegeben und dort ausdiskutiert.

Die Präsidenten schätzen die Unterstützung, die sie – trotz der Unabhängigkeit des Schülerrates – von der Lehrerschaft bekommen und sind offen für Neues. Das Amt nehmen die beiden verantwortungsbewusst wahr. Doch letztendlich geht es vor allem um die Zusammenarbeit im Team. Bischofberger betont:

«Es ist wichtig, dass wir die Projekte gemeinsam planen und umsetzen»