Jede halbe Stunde ein Bus für alle

FLAWIL. Flawil soll einen neuen Ortsbus erhalten – so will es der Gemeinderat. Gestern gab er im Postauto zwischen Botsberg und Schändrich die Details bekannt. Geplant ist eine Durchmesserlinie im Halbstundentakt für 224 000 Franken pro Jahr.

Mario Fuchs
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Wo geht's lang? Bauverwalter René Bruderer erklärt Postauto-Chauffeur Paul Meier die vorgesehene neue Route. (Bild: mf.)

Wo geht's lang? Bauverwalter René Bruderer erklärt Postauto-Chauffeur Paul Meier die vorgesehene neue Route. (Bild: mf.)

Wenn in einem Bus alle Fahrgäste stehen, ist er rappelvoll – oder aber es findet eine rollende Medienkonferenz in ihm statt. Letzteres ereignete sich gestern in Flawil. Der Grund: Gemeinderat Richard Hollenstein, Bauverwalter René Bruderer, Jürg Eschenmoser von der Postauto Ostschweiz AG und Urs Zehnder von der Postautobetriebe AG Unteres Toggenburg informierten über den geplanten neuen Ortsbus. Informationstechnisch hielten sie das Steuer in der Hand – verkehrstechnisch war es Chauffeur Paul Meier aus Lütisburg.

Sieben neue Haltestellen

Das Postauto, ein Bus vom Typ «Midi», fuhr die vorhergesehene Strecke ab (siehe Karte). Diese ist das Ergebnis einer Ende 2012/Anfang 2013 durchgeführten Vernehmlassung. Knapp 30 Stellungnahmen waren eingegangen. Der Tenor sei klar positiv gewesen. «Uneinigkeit bestand einzig in der Routenführung», erklärte Richard Hollenstein gestern, während der Bus die Lörenstrasse hinunterfuhr. Man habe deshalb noch Anpassungen vorgenommen. Er soll die Haltestellen Unterstrasse, Oberstrasse, Niederberg, Botsberg Post, Bärenplatz, Bahnhof und Dammstrasse bedienen. Als neue Haltestellen sind vorgesehen: Kronbergstrasse, Luegislandweg, Alpsteinstrasse, Oberdorf, Bahnhofstrasse, Feld und Schändrich. Alles in 28 Minuten – sprich im Halbstundentakt. Besonders gut bedient würde die Alterssiedlung Wisental, deren Bewohner mit 32 Unterschriften mittels Petition den Weiterbestand ihrer Haltestelle gefordert hatten. Im neuen Konzept wären, zusammen mit den Regionalbuslinien, sechs Kurse pro Stunde vorgesehen.

Durchmesser statt Rundkurs

«Der grosse Vorteil des neuen Ortsbusses ist, dass er als Durchmesserlinie konzipiert ist», erklärte René Bruderer. Auf einer Durchmesserlinie könne der Fahrgast unabhängig von der Strassenseite an jener Haltestelle zusteigen, die seinem Ziel näher liege. Überflüssige, lange «Rundfahrten», bis man am Ziel ist, entfallen somit. Nicht so bei einem Rundkurs, wie er heute besteht. Denn: Schon jetzt fährt ein Postauto mit der Leuchtanzeige «Ortsbus Flawil» durch das Dorf. Dabei handelt es sich um die Linie 750, die zwischen Flawil und Degersheim verkehrt. Während der durch den SBB-Fahrplan bedingten langen Wartezeit am Bahnhof Flawil legt ihr Chauffeur einmal pro Stunde einen Rundkurs durch das Dorf Flawil ein. «Das kostet uns pro Jahr 90 000 Franken», informierte Gemeinderat Hollenstein. Damit wird im Dezember mit dem Start der S-Bahn 2013 aber Schluss sein, weshalb der Rat nach einer Anschlusslösung gesucht hat.

895 000 Franken für vier Jahre

Der neue Ortsbus würde so laut Hollenstein zum «Bus für alle»: um zur Arbeit zu fahren (etwa Industriegebiet Schändrich), zum Einkauf (neue Haltestelle Bahnhofstrasse, Höhe Gemeindehaus) oder zum Bahnhof. Die Gemeinde Flawil würde das 223 800 Franken pro Jahr kosten. Für den geplanten vierjährigen Versuchsbetrieb beantragt der Gemeinderat dem Stimmvolk an der Bürgerversammlung vom 30. April dementsprechend einen Gesamtkredit von 895 200 Franken.

Der Auftrag dafür wurde öffentlich ausgeschrieben, den Zuschlag erhielt die Postauto Schweiz AG, Region Ostschweiz. Sie selbst würde aber nicht Bus und Chauffeur stellen, sondern wie üblich einen regionalen Fuhrhalter damit beauftragen. Im Falle des Flawiler Ortsbusses wäre dies die Postautobetriebe AG Unteres Toggenburg mit Sitz in Lütisburg (siehe Kasten). Der Ortsbus würde Montag bis Samstag fahren und wäre im Tarifverbund Ostwind integriert; mit einem Halbtax könnte man für Fr. 2.50 eine Stunde lang mit ihm fahren.

Tüfi-Badstrasse bleibt bedient

Im Rahmen der Vernehmlassung hatten sich zudem 160 Personen darüber beklagt, dass die Regionallinie Degersheim–Flawil neu über die Maestrani geführt werden soll. Dadurch entfallen die Haltestellen Tüfi, Reithalle und Badstrasse. Der Rat habe deshalb beschlossen, die Regionallinie Ganterschwil–Lütisburg–Flawil in einem einjährigen Versuch über Magdenau zu führen, um die drei Haltestellen weiterhin zu bedienen. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 12 500 Franken.

Bild: MARIO FUCHS

Bild: MARIO FUCHS

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