«Jede Geburt ist einzigartig»

In der Geburtenabteilung im Spital Wil wurden während der Weihnachtstage rund zehn Neugeborene erwartet. Mutter und Kind werden Tag und Nacht von Fachpersonen betreut. Das Stillen wird aus mehreren Gründen gefördert.

Cecilia Hess-Lombriser
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Dragana Vilovski ist seit kurzem Mutter. (Bild: hlo.)

Dragana Vilovski ist seit kurzem Mutter. (Bild: hlo.)

WIL. In den Gängen in der Geburtenabteilung ist zu lesen, dass das Spital Wil 2003 als «Babyfreundliche Klinik» durch die Unicef zertifiziert wurde, und erst kürzlich ist die Abteilung rezertifiziert worden. Das ist die Auszeichnung für die Förderung der natürlichen Ernährung des Säuglings; ein Umstand, auf den Doris Rathgeb, Leiterin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Spital Wil, sehr stolz ist. «Das Stillen ist die beste Art, eine Bindung zum Kind aufzubauen», sagt sie.

Geburt verändert

Im Gespräch mit Doris Rathgeb und Anja Ottiger, stellvertretende Leitende Hebamme, kommt zum Ausdruck, dass rund um die Geburt alles unternommen wird, damit Frauen gut vorbereitet gebären können und Väter als Teil dieser einschneidenden Erfahrung eingebunden werden. «Nach der Geburt des ersten Kindes ist nichts mehr, wie es vorher war», macht Doris Rathgeb bewusst.

Die Verantwortung für ein Kind müsse übernommen werden, eine neue Rolle komme auf die Eltern zu und die Schwangerschaft, Geburt und das Stillen bringe nicht nur körperliche Veränderungen mit sich, sondern auch hormonelle. Rund 65 Personen sind im Wechsel rund um die Uhr in der Geburtenabteilung im Einsatz, damit Mutter und Kind die nötige Unterstützung bekommen und auf alle Eventualitäten reagiert werden kann. An diesem Ort nagt das Problem Personalmangel weniger empfindlich als auf anderen Abteilungen.

«Wir haben eine gute Altersdurchmischung und langjähriges Personal», informiert die Klinikleiterin. Rund 700 Kinder kommen jährlich in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Spitalregion Fürstenland Toggenburg zur Welt.

Beste Ernährung

Dank Informationsabenden für werdende Eltern, Geburtsvorbereitungskursen, Fachliteratur und Internet sind die werdenden Eltern heute umfassend über die Geburt informiert.

«Das ist einerseits ein Vorteil», betont Anja Ottiger, die als Hebamme die Geburten begleitet; auf der anderen Seite könnten durch die intensive Auseinandersetzung auch mehr Ängste im Hinblick auf Komplikationen auftreten. Der Wunsch nach einer Spontangeburt überwiege eindeutig, auch wenn ein Kaiserschnitt manchmal nötig sei. Im Gebärsaal werden die Wünsche der Frauen berücksichtigt. Sie können sich in der Wanne entspannen, liegend, sitzend oder stehend gebären. Die Väter bekommen Anleitungen, wie sie ihre Frauen unterstützen können.

Die Hebamme überwacht die Geburt und ist den Frauen dabei eine Stütze. Während der durchschnittlich fünfeinhalb Tage, die Mütter in der Klinik bleiben, können sie ihr Kind 24 Stunden bei sich haben, wenn sie es wollen.

Austrittsplanung

Während der Wochenbettpflege werden die Mütter in das Stillen eingeführt.

«Die Zusammensetzung der Muttermilch passt sich dem Alter des Kindes an und ist in den ersten sechs Lebensmonaten die beste Ernährung für das Kind», betont Doris Rathgeb. Damit der Einstieg zu Hause gelingt, wird nebst der Einführung in die Babypflege und der umfassenden Information rund um die Ernährung des Neugeborenen der Spitalaustritt sorgfältig geplant. Es werden Merkblätter und Informationen zu Fach- und Beratungsstellen abgegeben. «Eine Geburt ist faszinierend», meint Doris Rathgeb.

Es brauche Respekt und eine Bewusstheit für die Vorgänge. Wer sich gut vorbereite, sich die Zeit gönne, um sich darauf einzustellen, könne dieses einzigartige Erlebnis bewusst erfahren. «Die Natur ist ein Wunder», stellt sie fest.

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