Jam Session im Wiler Hof: Allein zu Hause zu spielen, macht keinen Spass

An der 6. OJK Jazz Jam Session im Wiler Hof spielten junge Profis mit älteren Laienjazzern.

Michael Hug
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Christian Castelberg (Saxofon) und Egon Baer (Bass) spielen sonst nie zusammen, die Jam-Session am Mittwochabend im Hof machte es möglich.

Christian Castelberg (Saxofon) und Egon Baer (Bass) spielen sonst nie zusammen, die Jam-Session am Mittwochabend im Hof machte es möglich.

Bild: Micheal Hug

Die sechste Jazz Jam Session im Hof zu Wil wurde in einer auf die Renovation wartenden Kammer im dritten Stock abgehalten, die schon einige Male als Konzertlokal hergehalten und noch immer keinen Namen hat, doch bei Musikerinnen und Musikern wegen ihrer guten Akustik beliebt ist.

Die Jam Session des Ostschweizer Jazz Kollektivs (OJK), die vierte an selbiger Stelle nach einem Abstecher in den Gare de Lion im vergangenen Herbst, ist als – wie der Name schon sagt – Jam Session gedacht. Also als Instant-Konzert ohne Programm, dafür mit freiwilligen Musikern, zusammengewürfelten Profis oder Laien.

Unvorhergesehene Begegnungen

Gesetzt ist die Hausband. Sie macht den Grundpart mit der Rhythmussektion, das Piano springt ein, wenn Melodieführer fehlen. Nachdem eben diese Hausband den Abend mit mehreren Stücken, teilweise aus der Feder des Pianisten Lukas Stocker, eröffnete, trat ein Sänger vor die Band und schmetterte einen Klassiker aufs Parkett, gefolgt von einem Chanson. Hans-Peter Oertig hiess der Sänger, ein Senior und Laie offensichtlich, der überaus leidenschaftlich er seine Darbietung intonierte. Der Abend war damit lanciert.

Unvorhergesehene Begegnungen seien erwünscht, steht im Programm des OJK. «Es entsteht etwas oder auch nicht», sagt Hausband-Pianist Stocker. Genauso lief es dann auch ab: Es fehlte ein Bläser, der beim «My Funny Valentine», das in den Vierzigerjahren unter anderem auch von Frank Sinatra interpretiert wurde, einen Solopart hätte übernehmen können. Der einzige Bläser, Christian Castelberg, Saxofonist aus Grub AR, wollte erst beim nächsten Jam dabei sein.

Unterhaltsam und abwechslungsreich

Nicht immer passt es oder nicht immer kennt der melodieführende Instrumentalist die Melodie – dann entsteht eben nichts oder der Hauspianist springt ein. Und doch, es waren einige Laien- und Profimusiker da, was zu einem unterhaltsamen und abwechslungsreichen Musikerlebnis führte. Die Musiker – keine Musikerin wagte sich auf die knarrenden Bretter der alten Hof-Kammer – waren begeistert vom Anlass. Hobbymusiker Egon Baer aus Oberuzwil, der mit seinem E-Kontrabass zur Session antritt, schätzt Gelegenheiten, mit anderen zusammenzuspielen:

«Sonst spiele ich allein zu Hause, das macht mit dem Bass nicht wirklich Spass.»

Ausserdem sei es einfach schön, in diesem Raum zu spielen.