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Jahrgängerverein: Eine Ära geht zu Ende

Die Auflösung des ältesten Jahrgängervereins der Stadt Wil und Umgebung steht bevor. Am Donnerstag trifft er sich zum allerletzten Mal. Präsident Otto Brunner blickt auf 30 Jahre Vereinsgeschichte zurück.
Claudio Weder
Freude und Wehmut zugleich: Otto Brunner blättert in den Akten des Jahrgängervereins 1926-30. (Bild: Claudio Weder)

Freude und Wehmut zugleich: Otto Brunner blättert in den Akten des Jahrgängervereins 1926-30. (Bild: Claudio Weder)

Otto Brunner wollte eigentlich nie Vereinspräsident werden. Er sei nicht für solche Ämter geboren, sagt er. Doch es kam alles anders: Im Jahr 2009 suchte der Jahrgängerverein 1926-30 einen Nachfolger für Fridolin Enz, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegen musste. Gemeldet hat sich der damals 79-jährige Otto Brunner. Seither bereitet er als Präsident regelmässig das Jahresprogramm vor, plant Ausflüge oder schreibt Jahresberichte. «Meine Arbeit wurde stets anerkannt und wertgeschätzt. Das machte mich besonders stolz.»

Auf Brunners Stubentisch liegen drei Bundesordner, gefüllt mit Mitgliederlisten, Jahresprogrammen und handgeschriebenen Protokollen aus der Gründungszeit. «Es ist erstaunlich, was sich über die Jahre alles angesammelt hat», sagt der mittlerweile 88-Jährige. «Und das, obwohl wir nur ein ganz kleines ‹Vereinli› sind.» Wie viel «Büez» auf ihn zukommen würde, wusste Brunner damals noch nicht. Die Mitglieder trafen sich regelmässig zum gemütlichen Beisammensein: Einmal pro Monat gab es einen Höck im «Gemsli», einmal pro Monat eine Wanderung. Ein ganztägiger Ausflug im Herbst, ein Brunch sowie ein Chlausabend ergänzten das Jahresprogramm. «Da steckte einiges an Vorbereitung dahinter», sagt Brunner.

Ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören

Dass sich der Jahrgängerverein nun auflöst, kommt dem Rentner also durchaus gelegen: «Ich bin froh, dass ich wieder mehr Zeit für mein Haus und meinen Garten habe», sagt Brunner, der gemeinsam mit seiner Frau in Wil wohnt. Die Vereinsführung war für den pensionierten Posthalter eine abwechslungsreiche, aber teils nervenaufreibende Nebenbeschäftigung: «Es gab immer Dinge, die einen gedanklich einfach nicht losliessen.» Doch damit ist nun Schluss.

Bei seiner Gründung im Jahr 1988 zählte der Verein 198 Mitglieder. Aktuell sind es noch 40. Davon sei in den vergangenen Jahren aber nur noch die Hälfte zur Hauptversammlung erschienen, bei den Höcks waren es jeweils noch sechs. «Viele konnten aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr an den Anlässen teilnehmen», sagt Brunner, der mit seinen 88 Jahren zu den Jüngsten seines Vereins gehört.

Doch der altersbedingte Mitgliederschwund war nicht allein ausschlaggebend dafür, dass man an der Hauptversammlung 2018 die Auflösung des Vereins beschlossen hatte. «Wir feiern dieses Jahr unser 30-Jahr-Jubiläum – und finden, das ist ein guter Grund, um aufzuhören.» Die Vereinskasse soll am Donnerstag, 24. Mai bei einem Brunch in der «Ilge» geleert werden, zu dem alle Mitglieder samt Partnerin eingeladen sind. Sollte am Ende noch Geld übrig sein, will Brunner damit ein einheimisches Hilfswerk unterstützen.

«Meine Arbeit wurde stets anerkannt und wertgeschätzt. Das machte mich besonders stolz.»

Dem bevorstehenden Abschied blickt der Vereinspräsident mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Er freut sich, die übrigen Mitglieder noch einmal zu sehen. Schliesslich sei er immer gern zu den Treffen gegangen. Besonders geschätzt habe er den Austausch unter Gleichgesinnten. «Man konnte jeweils über die gleichen Sachen schimpfen», sagt Brunner und lacht. «Zudem haben wir wenig über Krankheiten und Gebrechen geredet, sondern über die schönen Dinge im Leben.»

«Es ist schön, wenn man alt werden kann»

Ob Brunner seine Vereinskameraden jemals wiedersehen wird? «Man kann sich ja auch so verabreden», sagt er. Und zudem werde der monatliche Höck ja beibehalten. Nur: «Wenn ich dann noch der Einzige bin, werde ich vermutlich auch nicht mehr hingehen», sagt er schmunzelnd.

Grosse Pläne für die Zukunft hat der Rentner noch keine. Eines steht jedoch fest: Einem Verein will er nicht mehr beitreten. «Ich will zeitlich unabhängig sein.» Brunner geniesst das Älterwerden und schaut getrost in die Zukunft: «Es ist schön, wenn man alt werden kann.» Wenn er könnte, würde er vermutlich nochmals nach Kanada reisen. «Das war die schönste Reise meines Lebens.» Wer weiss, vielleicht zieht es ihn ja irgendwann wieder dorthin. Denn: «Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.»

Der Abschiedsbrunch findet am Donnerstag, 24. Mai, um 10 Uhr im Restaurant Ilge in Hosenruck statt.

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