«Jahrbücher sind nicht mehr zeitgemäss»: Herausgeber Markus Egli und Gemeindepräsident Stefan Frei bedauern die Einstellung des Jonschwiler Jahrbuchs

Ende Oktober erscheint das 30. Jahrbuch der Gemeinde Jonschwil – und damit gleichzeitig das letzte. Die Zukunft des Jahrbuchs war schon länger ungewiss, ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden. Markus Egli vom Thur Verlag spricht über die Gründe der Einstellung und die Zukunft des Verlags. Auch Gemeindepräsident Stefan Frei schmerzt der Verlust der Jahrbücher.

Dinah Hauser
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Markus Egli vom Thur Verlag gibt Ende Oktober das 30. und letzte Jonschwiler Jahrbuch heraus.

Markus Egli vom Thur Verlag gibt Ende Oktober das 30. und letzte Jonschwiler Jahrbuch heraus.

Bild: Philipp Stutz (Dezember 2019)

Nach 30 Jahren ist Schluss: Es wird das letzte Jahrbuch der Gemeinde Jonschwil sein, das der Thur Verlag herausgibt. Markus und Ursi Egli vom Verlag, wendeten jährlich rund 300 bis 400 Arbeitsstunden auf. Markus Egli sagt:

«Für mich ist das Jahrbuch eine grosse Leidenschaft und ich habe die Arbeit immer gerne gemacht. Ich bedaure es sehr, dass es nicht irgendwie weitergeht.»

Der Entscheid zur Einstellung sei zwar bereits vor zwei Jahren gefallen. «Die Idee war, dass ein Nachfolger gefunden wird. Aber auch die Gemeinde konnte schliesslich niemanden finden, der dazu bereit gewesen wäre.»

Markus Egli kann es sich noch nicht vorstellen, ab dem nächsten Jahr kein Jahrbuch mehr zu machen. «Aber ich bin schon 72 Jahre alt und irgendwann ist es auch Zeit aufzuhören.»

Zeit der Jahrbücher ist vorbei

Junge würden sich ihre Informationen vor allem im Internet holen und die Personen, die hauptsächlich am Jahrbuch interessiert seien, seien eher in einem gesetzten Alter, sagt Markus Egli.

«Ein Jahrbuch und Bücher allgemein sind nicht mehr so zeitgemäss.»
Stefan Frei, Gemeindepräsident Jonschwil

Stefan Frei, Gemeindepräsident Jonschwil

Bild: PD

Gemeindepräsident Stefan Frei pflichtet dem bei: «Heute sind Online-Publikationen im Aufwind. Die jüngere Generation hat ein anderes Medienverhalten.» Für ihn ist der Entscheid schmerzlich, engagierte er sich doch selbst jahrelang im Redaktionsteam. Er hatte entweder selbst Texte verfasst oder betreute Themen, die von anderen Autoren geschrieben wurden. «Bei vielen Ausgaben konnte ich prominente Personen für das Vorwort gewinnen», erinnert er sich.

Der Gemeindepräsident bezeichnet die Jahrbücher als «umfassendste und vielseitigste Publikation, um das Leben und die Geschichte unserer Gemeinde darzustellen». Die Jahrbücher würden später zu Geschichtsbüchern werden.

Keine Chilbi, weniger Buchverkäufe

Auch der Gemeinderat, habe sich in den vergangenen Monaten mehrmals über die Zukunft des Jahrbuchs beraten, schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung. So hätte es Gespräche über mögliche Nachfolgelösungen gegeben, die mit Konzeptänderungen verbunden gewesen wären. Der Gemeinderat musste aber schlussendlich einräumen, dass die Zeit der Jahrbücher vorbei sei. «Die stark rückläufigen Verkaufszahlen des Thur-Verlages zeigen, dass die Herausgabe des Jahrbuchs eingestellt werden muss.»

Direkten Einfluss auf die Verkaufszahlen hatte auch die Absage der Jonschwiler Chilbi, wie Markus Egli sagt. «Das haben wir im vergangenen Jahr sehr gespürt.» Am Stand verkaufte der Verlag jeweils 200 bis 300 Exemplare – auch an Auswärtige. Im vergangenen Jahr mit einem Stand am Schwarzenbacher Weihnachtsmarkt waren es schliesslich noch etwa 75 Exemplare. Die Arbeitsstunden sowie die Druckkosten könnten so nicht mehr gedeckt werden.

Thur Verlag und Kalender bestehen weiterhin

Trotz Einstellung des Jahrbuchs soll der Thur Verlag weiterhin bestehen, sagt Markus Egli. Von fast allen Jahrbüchern seien noch Exemplare an Lager, die erworben werden können. In den umliegenden Bibliotheken sowie in der Nationalbibliothek in Bern finden sich indes alle 30 Jahrgänge. Die Jahrbücher sind weiterhin auch in deutschen Landesbibliotheken bis nach Friedrichshafen oder Leipzig zu finden.

Des Weiteren werden die Kalender mit Fotografien der Region weitergeführt. «Das Fotografieren von Landschaften ist meine zweite Leidenschaft», sagt Markus Egli. «Zudem kann ich die Kalender mit dem Digitaldrucker selbst herstellen.» Für künftige Projekte hat der Pensionär der Gemeinde seine Mitarbeit angeboten.

Beilage im Mitteilungsblatt geplant

Obwohl die Jahrbücher eingestellt werden, sollen entsprechende Artikel im «Gemeinde Aktuell» Platz finden. Die Gemeinde kündigt an, jährlich eine einmalige Beilage zu produzieren. Enthalten sein soll eine Chronik mit den wichtigsten Ereignissen, eine Liste der ältesten, der jüngsten und der verstorbenen Einwohner sowie ein Ganzjahresverzeichnis des Mitteilungsblattes. Zudem will die Gemeinde die Berichterstattung über Anlässe und Vereine ausbauen.

Laut Stefan Frei soll diese Beilage voraussichtlich mit der Gemeindeverwaltung zusammengestellt werden. Die Details seien noch nicht festgelegt. Bilder sollen aber eine wichtige Rolle spielen, «denn reiner Text wird von den Lesern nicht so gut beachtet».

Die Vernissage des letzten Jahrbuchs findet am 30. Oktober statt. Die zur Vernissage zugelassenen Personen hätten bereits eine persönliche Einladung erhalten. Allfällige freie Plätze würden im Mitteilungsblatt vom 23. Oktober bekannt gegeben.