«Ja, der Othmar war schon immer sparsam»

«An den Bürgerversammlungen sind wir Ganterschwiler nach der Fusion mit Bütschwil einfach immer in der Minderheit» – die Angst, überstimmt zu werden, hört man am Samstagvormittag immer wieder.

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Fusions-Stammtisch Ganterschwil: Othmar Gerschwiler (2. v. l.) hört sich skeptische Fragen an.

Fusions-Stammtisch Ganterschwil: Othmar Gerschwiler (2. v. l.) hört sich skeptische Fragen an.

«An den Bürgerversammlungen sind wir Ganterschwiler nach der Fusion mit Bütschwil einfach immer in der Minderheit» – die Angst, überstimmt zu werden, hört man am Samstagvormittag immer wieder. Ganterschwils Gemeindepräsident Othmar Gerschwiler hört zu, erklärt geduldig: «Die bisherigen Gemeindefusionen zeigen, dass diese Angst unbegründet ist.» Bütschwil und Ganterschwil planen seit Längerem die Fusion ihrer Gemeinden und die Bildung einer Einheitsgemeinde. Ein Fragebogen auf den beiden Homepages umfasst acht Seiten und 34 Fragen und gibt Antworten auf alle möglichen Bedenken. Wie werden die Fragen live am Stammtisch verhandelt?

Steuern sinken mit Fusion

Im Restaurant Löwen sitzt ein gutes Dutzend Ganterschwiler um den Stammtisch, zu dem Gerschwiler eingeladen hat. Denn er ist überzeugt, dass die Ganterschwiler gut daran tun, mit Bütschwil zu fusionieren. Die Argumente würden eine deutliche Sprache sprechen. Der Steuerfuss werde sicher sinken, von jetzt 142 auf etwa 138 bis 140 Prozent, sagt Gerschwiler. Mit einer Fusion würden die beiden Gemeinden etwa 400 000 Franken allein in der Administration dadurch sparen, dass man die EDV und die Versicherungen zusammenlegt. Damit ist den Skeptikern der kritische Wind aber noch lange nicht aus den Segeln genommen. Da ist nämlich aktuell die Schiessanlage und der Sportplatz – die Ganterschwiler haben gerade erst deren Sanierung beschlossen, und einige befürchten, dass sie von den Bütschwilern überstimmt worden wären. «Schauen Sie nach Kirchberg. Dort hat jedes Dorf eine gute Infrastruktur, keines ist vernachlässigt worden», sagt Othmar Gerschwiler. Und kommt nochmals auf die Kosten zurück: In Ganterschwil koste die Verwaltung pro Einwohner hundert Franken mehr als in Bütschwil.

Hartnäckig skeptisch

Stammtische haben eigene Spielregeln. Jeder darf sich äussern, fragen, schimpfen, kritisieren, loben – und jeder muss mit Widerrede rechnen. Davon machen in Ganterschwil wenige, aber diese dafür lebhaft und hartnäckig Gebrauch. Es wird zugespitzt und mit viel Skepsis nachgefragt. Bringt die Fusion wirklich die Vorteile, die sie verspricht? «In unserer kleinen Gemeinde kennt man die eigenen Gemeinderäte noch», meint ein Kritiker. Othmar Gerschwiler kontert: «Ja, aber die Suche nach neuen Gemeinderäten wird immer schwieriger. Und man muss auch ehrlich sein: Wie oft nehmen die Bürger Kontakt auf mit den Gemeinderäten? Sehr selten.» «Wenn wir fusioniert sind, zahlen wir die teure Verkehrsberuhigung in Bütschwil mit», so eine weitere Vermutung. Gerschwilers Rolle ist die Widerrede: In Ganterschwil sei schliesslich auch eine Verkehrsberuhigung gewünscht. Die Bütschwiler würden dann auch an diese zahlen.

Fürsorgliche Bütschwiler

Am Bütschwiler Stammtisch im Restaurant Brauerei geht es zur selben Zeit ruhiger zu und her. Angst vor Verlust der Selbständigkeit hat hier niemand. Man fragt sich aber, wie stark man die Steuern senken könne. Die fusionierte Gemeinde werde sicher weniger als 142 Steuerprozente verlangen, denn sonst würde Ganterschwil sicher nicht mitmachen, sagt Bütschwils Gemeindepräsident Karl Brändle. Das wäre für Bütschwil schon ein recht grosser Schritt, derzeit liegt der Steuerfuss bei 150 Prozent. Warum Bütschwil heute noch einen um 8 Prozent höheren Steuerfuss habe als Ganterschwil? «Ja, der Othmar war schon immer sparsam», hört man am Stammtisch. In Bütschwil habe man mit dem «Juniorpartner» Dietfurt schon lange Erfahrungen im Umgang mit verschieden grossen Dörfern in einer Gemeinde. Darum sieht man am Stammtisch keinen Grund, weshalb Ganterschwil Angst haben müsste, bei wichtigen Anliegen überstimmt zu werden. Überhaupt gibt man sich am «Brauerei»-Stammtisch fast fürsorglich. Da fragt man sich, was mit dem Gemeindehaus in Ganterschwil geschehen werde, ob der Werkhof in Ganterschwil bleibe, ob Ganterschwil seine Primarschule behalten könne und ob Karl Brändle als Präsident der fusionierten Gemeinde gelegentlich Sprechstunden in Ganterschwil abhalten werde. Sprechstunden seien tatsächlich eine Möglichkeit, meint Brändle. Auf jeden Fall sei vorgesehen, dass in Ganterschwil an zwei bis drei Nachmittagen pro Woche ein Schalter geöffnet werde, der als Anlaufstelle dient und an dem man Formulare, Gebührenmarken und Abonnemente beziehen könne. Ob in Ganterschwil ein Werkhof-Stützpunkt bleiben werde, müsse man noch abklären. Die Schulsituation habe mit der geplanten Vereinigung direkt nichts zu tun. Ob man einen Schulstandort behält, hänge vor allem von der Entwicklung der Schülerzahlen ab. Hansruedi Kugler

Fusions-Stammtisch Bütschwil: Hier sind die Fragen eher fürsorglich als skeptisch. (Bilder: hak.)

Fusions-Stammtisch Bütschwil: Hier sind die Fragen eher fürsorglich als skeptisch. (Bilder: hak.)