IV beschleunigt Integration

Die Eingliederungsberater Hildegard Widmer und Daniel Zöllig referierten am «Gwerblerlunch» über die Zusammenarbeit von IV und Arbeitgeber.

Christoph Hunziker
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Hildegard Widmer Eingliederungsberaterin der Gemeinde Uzwil (Bilder: Christoph Hunziker)

Hildegard Widmer Eingliederungsberaterin der Gemeinde Uzwil (Bilder: Christoph Hunziker)

NIEDERUZWIL. Eingliederung statt Rente: «Die Invalidenversicherung (IV) ist wichtig», sagte der Eingliederungsberater Daniel Zöllig am gestrigen Lunch des Gewerbevereins Uzwil. «Wenn eine Arbeitskraft wegen krankheits- oder unfallbedingter Umstände ihre Aufgaben nicht mehr erledigen kann und den Betrieb verlassen muss, verliert das Unternehmen viel an Know-how.»

Den Arbeitsplatz erhalten

Eingliederungsberater der Sozialversicherungsanstalt (SVA) St. Gallen erarbeiten mit den betroffenen Personen, den Arbeitgebern und Versicherungen das geeignete Vorgehen, um den Arbeitsplatz zu erhalten. Bei längerer Arbeitsunfähigkeit springt in der Regel die Taggeldversicherung des Arbeitgebers ein, um die Lohnfortzahlung zu gewährleisten. «Trotzdem lohnt es sich für den Arbeitgeber, sich rasch bei der IV-Stelle zu melden. Denn die Invalidenversicherung bietet umfassende Dienstleistungen an», betonte Zöllig, «für den betroffenen Mitarbeiter wie auch für den Arbeitgeber». Zur Meldung seien sowohl die versicherte Person wie auch deren Arbeitgeber oder Arzt berechtigt. Die Meldung gelte aber nicht als Anmeldung bei der IV.

Erst nachdem der Fall medizinisch geprüft und das Gesuch um Leistungen der IV bewilligt wurde, wird die Frühinterventionsphase eingeleitet. «In dieser Phase geht es darum, den Arbeitsplatz der gemeldeten Person zu erhalten oder eine Eingliederung an einem neuen Arbeitsplatz voranzutreiben, erklärte Hildegard Widmer, Eingliederungsberaterin der Gemeinde Uzwil. Zu den Massnahmen der Frühintervention zählen die Anpassung des Arbeitsplatzes oder organisierte Ausbildungskurse. «Bei Personen mit Rückenproblemen empfehle ich häufig, einen höhenverstellbaren Arbeitstisch zuzusprechen oder eine ergonomische Arbeitsabklärung durchzuführen.»

Die Erfahrung zeige, dass die Wiedereingliederung schwieriger werde, je länger jemand am Arbeitsplatz fehle, sagte Widmer. Massnahmen in der Frühinterventionsphase liessen sich leichter realisieren, wenn alle Beteiligten den Veränderungen offen gegenüberstünden, betonte Zöllig. Man müsse sich fragen, welches Potenzial beim Mitarbeiter vorhanden sei, welche Tätigkeiten er in Zukunft trotz gesundheitlicher Einschränkung noch ausführen könne oder welche Unterstützung er brauche, um arbeitsfähig zu bleiben oder es wieder zu werden.

Qualifikationen testen

Eine neue Integrationsmöglichkeit ist der sechsmonatige Arbeitsversuch. Dabei gehe der Arbeitgeber kein Arbeitsverhältnis mit der zu integrierenden Person ein, und könne deren berufliche Eignung prüfen, sagte Widmer. «Für den Arbeitgeber entstehen also weder Lohnkosten noch Versicherungsrisiken», fügte Zöllig an. Integrationsmassnahmen stünden oftmals für Menschen mit psychischen Beschwerden im Vordergrund. Dabei sollen diese innerhalb eines Jahres wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden können.

Daniel Zöllig Eingliederungsberater der umliegenden Gemeinden

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