«Ist mein Kind jetzt krank?» Ein Spielplatz in Uzwil ist mit Schadstoffen belastet – die Gemeinde lud zur Fragerunde

Von einem panischen Massenandrang kann nicht die Rede sein – trotz der Emotionalität der Angelegenheit.

Tobias Söldi
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Auf dem Spielplatz an der Birkenstrasse spielt niemand mehr. Bis zur geplanten Erneuerung 2021 bleibt er gesperrt.

Auf dem Spielplatz an der Birkenstrasse spielt niemand mehr. Bis zur geplanten Erneuerung 2021 bleibt er gesperrt.

Bild: Andrea Häusler

Spielende Kinder auf einem mit Schadstoffen belasteten Spielplatz – die Mitteilung der Gemeinde Uzwil vergangenen Dezember hinterliess ein mulmiges Gefühl. Bei einer standardmässigen Untersuchung des Bodens im Rahmen der Erneuerung des Spielplatzes fand man verschiedene Schadstoffe, darunter polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Schwermetalle. Das Areal ist seither weiträumig abgesperrt und vom Kanton in den Kataster der belasteten Standorte aufgenommen worden.

Aline Loher, Fachspezialistin Bodenschutz vom kantonalen Amt für Umwelt

Aline Loher, Fachspezialistin Bodenschutz vom kantonalen Amt für Umwelt

PD

Am vergangenen Montag lud die Gemeinde nun zu einer Sprechstunde, an der zwei Fachleute individuelle Fragen rund um die Schadstoffbelastung beantworteten. Von einem panischen Massenandrang kann nicht die Rede sein – trotz der Emotionalität der Angelegenheit. Lediglich drei Privatpersonen fanden den Weg ins Gemeindehaus, wie Aline Loher am Tag danach erzählt. Sie war als Fachspezialistin Bodenschutz vom kantonalen Amt für Umwelt vor Ort. «Die Thematik scheint allgemein gut verstanden und akzeptiert worden zu sein», erklärt sie sich die Zurückhaltung.

Am Ende eine Frage der Menge

Anlass zu Fragen gaben denn auch eher konkrete und persönliche Sorgen. So haben zwei Mütter die Gelegenheit für die offensichtlichste und drängendste aller Fragen genutzt: Das eigene Kind, das jahrelang auf dem Spielplatz an der Birkenstrasse herumgetollt ist – ist es nun krank?

Aline Loher gibt Entwarnung: Die Grenzwerte seien so streng, dass eine tatsächliche Gefährdung unwahrscheinlich ist. Sie erklärt:

«Das Kind hätte immer wieder effektiv Boden vom Spielplatz essen müssen.»

Und relativiert: Letztlich sei der Mensch zahlreichen schädlichen Einflüssen aus der Umwelt ausgeliefert.

Beispiele dafür gibt es viele: PAK, die bei unvollständiger Verbrennung entstehen, nimmt man auch dann zu sich, wenn die Bratwurst über dem Feuer etwas ankohlt; in Fischen können sich Schwermetalle ablagern; und vor nicht allzu langer Zeit sprühte man sich mit dem Deodorant noch Aluminium auf die Haut. Die Fachspezialistin sagt dazu:

«Der Boden des Spielplatzes ist wie der Fisch am Freitag: einer von vielen Zuflüssen, die das Fass der Gefährdungen anfüllen. Am Ende ist es eine Frage der Menge.»

Und eine Frage der Verantwortung: Im Falle des belasteten Spielplatzes liegt diese beim Kanton – eine angekohlte Bratwurst zu essen hingegen liegt in der Eigenverantwortung.

Eine andere Frage zielte auf die umliegenden Parzellen, nämlich, ob diese ebenfalls belastet sind. «Eine berechtigte Frage», sagt Loher dazu – die sich ohne Messungen aber nicht beantworten lasse. «Natürlich könnten auch diese Böden kontaminiert sein. Ob das aber der Fall ist, zeigt sich im Normalfall erst bei einem Bauvorhaben, bei dem bei einem Verdacht der Boden untersucht werden muss.»

Die oberste Schicht wird ersetzt

Die Gemeinde Uzwil lässt sich von den unschönen Funden aus der Tiefe nicht aus der Bahn werfen. «Der Fahrplan bleibt unverändert», schreibt Verwaltungsleiter Thomas Stricker auf Anfrage. «Bis im Verlaufe des Aprils liegen Projekt und Kostenvoranschlag vor. Das Gesamtpaket geht dann an den Gemeinderat. Er legt Vorgehen und Fahrplan fest.»

Zurzeit laufen Abklärung über die Herkunft der Schadstoffe. «Wir gehen davon aus, dass die Ergebnisse zuhanden des Gesamtpaketes vorliegen, welches im April geschnürt sein soll», schreibt Stricker. Klar sei: Der Boden wird nachher sauber sein.

«Im Rahmen der Erneuerung des Spielplatzes wird die oberste Bodenschicht durch sauberes Erdreich ersetzt, damit das Areal wieder ohne Einschränkungen genutzt werden kann.»