Ist die Menukarte geschmacklos?

Stadträtin Marlis Angehrn nimmt Stellung zur Situation: Man werde im Schulrat diskutieren müssen, in welcher Form man das Heft selber in die Hand nehme.

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Macht sich bei den Wiler Lehrpersonen Unmut bemerkbar?

Marlis Angehrn: Der Kantonale Lehrerverband (KLV) hat an seiner ausserordentlichen Versammlung vom 12. Dezember 2012 seinen Mitgliedern ein sogenanntes Menu zusammengestellt, in dem verschiedene Vorschläge zur Entlastung der Arbeitstätigkeit innerhalb der geltenden Arbeitszeit gemacht werden. Es waren daraufhin recht bald die Weihnachtsferien, in Wil dicht gefolgt von der Sportwoche. Somit sind bislang wenig Äusserungen von Wiler Lehrpersonen im beruflichen Kreis zum Thema der Menukarte bekannt. Mit Sicherheit werden die Meinungen darüber so vielfältig ausfallen wie auf kantonaler Ebene.

Wie kam es zum Menuplan des kantonalen Lehrerverbands?

Angehrn: Vor vier Jahren wurde von Seiten des Kantons dem gesamten Berufsstand der Lehrpersonen offiziell kommuniziert, dass er mittels eines Massnahmenpakets zu «entlasten» sei. Auf kantonaler Ebene wurde im Weiteren eine grossangelegte Umfrage durchgeführt, welche hierfür als Basis diente. Seit langem spricht man zudem von «Entlastungslektionen». All dies hatte weitreichende Folgen: Jede Lehrperson des Kantons durfte und musste somit annehmen, dass sie zu einer überdurchschnittlich belasteten Berufsgruppe gehört und dass sie zu Recht erwarten kann, dass der Kanton alles daran setzt, sie zu «entlasten». Wer sich als Lehrperson subjektiv bislang nicht übermässig belastet fühlte, sondern einfach hart arbeitete und dies als selbstverständlich erachtete, auch im Vergleich mit anderen «belasteten» Kaderpersonen, wurde verunsichert.

Wie beurteilen Sie das Vorgehen des Lehrerverbandes?

Angehrn: Faktisch ist folgendes abgelaufen: Man hat von Seiten des Kantons in den Lehrpersonen überhöhte Erwartungen geweckt, Erwartungen, von denen sich hernach herausstellte, dass die Politik sie nicht erfüllen will respektive kann. Nichts von dem, was in Aussicht gestellt wurde, ist realisiert. Dass in einer solchen Situation die Gewerkschaft politisch aktiv wird, ist völlig normal und wäre bei jeder anderen Berufsgruppe ebenfalls so erfolgt. Die Frage, ob die Gewerkschaft mit ihrer «Menukarte» verhältnismässig reagiert hat und ob die «Menukarte» geschmacklos ist oder nicht, ändert nichts daran, dass die kantonalen Bildungsverantwortlichen in der Verantwortung bleiben.

Sind bereits Entlastungsmassnahmen in Wil geplant respektive bereits umgesetzt?

Angehrn: Die Definition des Berufsauftrags für Lehrpersonen ist hoheitliche Sache des Kantons und fällt nicht in die Zuständigkeit der Gemeinden. Als Folge der stagnierenden Regelungs-Situation in dieser wichtigen Führungsfrage werden wir im Schulrat Wil diskutieren müssen, in welcher Form wir das Heft selber in die Hand nehmen und auf Kommunalebene einen eigenen Berufsauftrag – selbstverständlich im Einklang mit übergeordnetem Recht – definieren. Denn es wäre nicht sachgerecht, wenn am Ende der KLV kantonsweit einen informellen Berufsauftrag via «Menukarte» vorgäbe.

Interview: Silvan Meile

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