Irgendwenn isch gnueg Holz dune

35 Jahre lang war Fridolin Brühwiler Revierförster in Fischingen, nun geht er in Pension. In Erinnerung bleiben ihm aus seiner langen Dienstzeit der Preiszerfall beim Rundholz, verheerende Stürme und viele positive Erlebnisse im Wald.

Mario Testa
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Fridolin Brühwiler vor einem Holzstapel im Wald von Fischingen. (Bild: Mario Testa)

Fridolin Brühwiler vor einem Holzstapel im Wald von Fischingen. (Bild: Mario Testa)

OBERWANGEN. Ganz abgeschlossen hat Fridolin Brühwiler seine Tätigkeit als Revierförster von Fischingen noch nicht. Es stapeln sich noch immer viele Ordnern und Akten in seinem Büro in Oberwangen. «Ich habe den grössten Teil der Akten meinem langjährigen Försterkollegen Christoph Ammann übergeben, aber ein paar Dinge muss ich noch erledigen», sagt Brühwiler. Er will beispielsweise noch die Jahres-Forststatistik des Reviers verfassen, so dass er einen sauberen Schlussstrich unter seine Arbeit ziehen kann.

Als Revierförster von Fischingen begonnen hat Brühwiler 1977. «Schon mein Grossvater war Waldarbeiter und mein Vater Förster, diese Arbeit liegt mir also auch etwas in den Genen», sagt er und lacht. «Schon als Bub war ich oft mit im Wald, und die Arbeit hat mir immer gefallen.» So kam es, dass er Forstwart lernte und nach einer kurzen Zeit als Förster in Frauenfeld eine ganz spezielle Herausforderung annahm.

Ein Forstprojekt in Afrika

Als 27-Jähriger zog er für ein Entwicklungsprojekt nach Afrika. «Die Schweiz führte ein Forstprojekt in Ruanda durch und suchte einen Förster, der die Leute in Afrika instruieren sollte. Mich reizte diese Aufgabe, und da der ursprünglich rekrutierte Förster Probleme mit der Visa-Erteilung bekam, sass ich mit meiner Frau plötzlich im Flieger nach Afrika.» Beim Entwicklungsprojekt ging es um Aufforstungen im Berggebiet von Ruanda. «Das waren drei sehr spannende Jahre, die ich dort erleben durfte – schnell hatte ich einen guten Draht zu den Einheimischen. Wälder im Berggebiet kenne ich als Fischinger ja sehr gut. Wir konnten viel bewirken.»

Brühwiler hätte länger in Ruanda bleiben können, kehrte nach drei Jahren jedoch wieder zurück in seine Heimat Oberwangen. «Man sagt immer, wenn man als Entwicklungshelfer sechs Jahre bleibt, dann bleibt man für immer – und das wollte ich nicht, daher kamen wir wieder nach Hause.» Bei der Rückreise waren Brühwilers bereits zu dritt, die erste Tochter gebar seine Frau noch in Ruanda.

«Die Waldbesitzer sind toll»

Zurück vom Schwarzen Kontinent, wurde Fridolin Brühwiler 1977 Revierförster in Fischingen im Solde des Kantons. 1984 mit der neuen Forstverordnung wurde er der Gemeinde zugeteilt, behielt jedoch seine Aufgaben; auch nach der Revier-Reorganisation wegen dem neuen Forstgesetz im Jahr 2000. «Es hat einige Wechsel gegeben im System, aber die Arbeit als Revierförster blieb dieselbe», sagt Brühwiler. «Ein Grossteil der Arbeit besteht darin, mit den Waldbesitzern zu sprechen, sie zu beraten und ihnen die Bäume anzuzeichnen, welche sie fällen dürfen. Und ich muss den Fischinger Waldbesitzern ein Kränzchen winden, die nehmen ihre Verantwortung in den allermeisten Fällen sehr gut war.»

Seit Beginn seiner Tätigkeit machten indes viele Umstände den Waldbesitzern Schwierigkeiten. «Wir hatten die beiden Stürme Vivienne und Lothar – die haben die Holzpreise arg gebeutelt. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs Anfang der 1990er-Jahre kam auch immer mehr billiges Holz aus dem Osten auf den Markt, die Preise gerieten noch mehr unter Druck», erinnert sich Brühwiler. «Seit ein paar Jahren macht der Schweizer Holzwirtschaft der tiefe Euro zu schaffen. Rückblickend kann man sagen, dass die Holzpreise zu Beginn meiner Tätigkeit mindestens doppelt so hoch waren wie heute.»

Keine Schulden und Spekulation

Trotz Preiszerfall beim Holz sei etwas sehr positiv in der Forstwirtschaft. «Der Wald blieb in der ganzen Zeit frei von Spekulationen – im Gegensatz zur Landwirtschaft beispielsweise. Da man im Wald nicht bauen darf und sich kein Vermögen mit Holz machen lässt, ist er für Spekulanten nicht attraktiv», sagt Brühwiler. «Kommt dazu, dass Waldbesitz daher auch nie zu Schulden führt – ich sage immer: Der Wald ist schuldenfrei.»

Das Schönste an seinem Beruf als Förster sei die Selbständigkeit gewesen. «Ich habe mir jeden Morgen überlegt, was für Arbeiten ich ausführen will. Man ist da sehr unabhängig, was aber natürlich gleichzeitig auch eine sehr grosse Herausforderung ist.» Auch wenn er diese Herausforderung nun hinter sich lässt, freut sich Brühwiler auf die Zeit im Ruhestand. «Es gibt eine Zeit zum Arbeiten im Leben und eine Zeit um zu geniessen. Ich glaube, dass ich keine Mühe haben werde, loszulassen und neue Aufgaben anzupacken.»

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