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Interpellation zu den Abbauplänen des Bundes

Tänikon Thurgauer Kantonspolitiker machen ernst. An der Sitzung des Grossen Rates von morgen Mittwoch reichen sie eine dringliche Interpellation «zum Vertragsbruch des Bundes beim Agroscope Standort Tänikon» ein. Anstoss für den Vorstoss ist der Plan des Bundes, seine zwei Dutzend Agroscope-Forschungsanstalten bis in zehn Jahren in Posieux (FR) zu zentralisieren und damit 20 Prozent des Budgets einzusparen. Dadurch gingen rund 100 Arbeitsplätze in Tänikon verloren.

Der Vorstoss ist breit abgestützt: Neun Kantonsräte von links bis rechts gehören neben Hauptinitiant Josef Gemperle (CVP, Fischingen) zu den Erstunterzeichnenden. Wenn an der Sitzung der Dringlichkeit zugestimmt wird, muss sich die Kantonsregierung mündlich dazu äussern. Ziel des Vorstosses sei, wie Gemperle schreibt, Druck aufzubauen und «ein starkes gemeinsames Zeichen nach Bern zu senden». Alle Ostschweizer Regierungen müssten den Kampf der Thurgauer unterstützen.

In der Interpellation unterstreichen die Kantonsräte die Wichtigkeit der Agrarforschung im Landwirtschaftskanton Thurgau. Sie halten fest, dass Tänikon der einzige Forschungsstandort von Agroscope in der Ostschweiz sei. Die Politiker stört, dass der Kanton erst vor kurzem Hand geboten habe. So hat er den Landwirtschaftsbetrieb in Tänikon vom Bund übernommen – mit der Zusicherung, die Arbeitsplätze für die nächsten acht Jahre zu erhalten. Nun beruft sich der Bund auf eine Ausstiegsklausel. «Kann dieser Vertragsbruch des Bundesrates eingeklagt werden?», fragen die Interpel­lanten.

Der Bundesrat entscheidet im Sommer

Definitiv entscheiden will der Bundesrat in diesem Sommer. Die Thurgauer Politiker wollen deshalb auch vom Regierungrat erfahren, welche Möglichkeiten bestehen, um die Interessen des Kantons Thurgaus vor diesem Entscheid einzubringen. Weiter fragen sie, welche direkten Folgen der Wegzug von Agroscope haben werde.

Die Politiker führen in ihrem Vorstoss auch an, dass in Posieux keine Tiere gehalten werden. «Am Standort Tänikon aber sehr wohl». Deshalb fragen sie, ob die Verlagerung der Forschung nach Posieux in diesem Bereich sinnvoll sei. «Sollte die Forschung nicht viel mehr dort stattfinden, wo sich die Mehrzahl der Tiere respektive der Landwirtschaft mit Tierhaltung befindet?»

Die Interpellanten gehen davon aus, dass die Mitarbeiter, die in der Ostschweiz leben, kaum nach Posieux übersiedeln werden. Sie fragen die Regierung deshalb, ob sie ihre Sorge teile, dass ein riesiger Verlust an Wissen stattfinden werde. Konkret wollen sie wissen, was der Regierungsrat zu unternehmen gedenke, um die «akut gefährdeten Stellen» zu retten. (seb)

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