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«Mobbing im Netz ist ein Abbild des realen Lebens»: Internet verunsichert Jugendliche auch auf regionalen Pausenplätzen

Ein Grossteil der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz war schon einmal einem Risiko im Internet wie Cybermobbing ausgesetzt. Das zeigt eine neue Studie. Auch in der Region sind es nicht bloss Einzelfälle.
Lara Wüest
Mittels Apps, die den Standort von Freunden anzeigen, erkennen Jugendliche schnell, ob sie von Aktivitäten ausgegrenzt werden. (Bild: Symbolbild: Martin Ruetschi/Keystone)

Mittels Apps, die den Standort von Freunden anzeigen, erkennen Jugendliche schnell, ob sie von Aktivitäten ausgegrenzt werden. (Bild: Symbolbild: Martin Ruetschi/Keystone)

Der Fall schlug hohe Wellen: Ein Niederuzwiler Vater setzte auf der Facebookseite «Du bisch vo Uzwil wenn...» Anfang Juni eine Belohnung von 2000 Franken aus. Er suchte nach Hinweisen zu den Morddrohungen gegen seine Tochter. Diese wurde über längere Zeit auf Instagram massiv angegriffen.

Der oder die Schuldige konnte jedoch nicht eindeutig identifiziert werden – obwohl es ein Gerichtsverfahren gab. Für den Vater war das zuviel. Um seiner Tochter zu helfen, wollte er die Dinge selber in die Hand nehmen. Er hofft nun, dass die Belohnung Mitschüler seiner Tochter dazu bringt, den Übeltäter oder die Übeltäterin preiszugeben. Dieser Fall ist ein extremes Beispiel dafür, was Mobbing im Internet bei den Beteiligten auslösen kann.

Jugendliche fühlen sich im Netz nicht sicher

Ein Einzelfall ist das nicht. Wie oft es in der Schweiz zu solchem Cybermobbing oder Zwischenfällen im Netz kommt, zeigt eine neue Studie, die Ende Mai herauskam und von der nationalen Plattform Jugend und Medien des Bundesamtes für Sozialversicherungen mitfinanziert wurde. Über 1000 Schweizer Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 16 Jahren wurden für die Studie «EU Kids Online» befragt.

Das Ergebnis lässt aufhorchen: Fast alle 15- bis 16-Jährigen waren schon mindestens einmal einem Risiko im Internet ausgesetzt, erhielten zum Beispiel diskriminierende Nachrichten oder ihre Privatsphäre wurde verletzt. Rund 40 Prozent wurden nach sexuellen Informationen gefragt. Bereits mit 10 Jahren waren zudem 9 Prozent der Kinder schon Opfer von Diskriminierung im Internet geworden. Und 5 Prozent haben Cybermobbing erlebt.

Sie wurden also über einen längeren Zeitraum im Internet bedroht, beleidigt, blossgestellt oder belästigt. Rund die Hälfte der Befragten gab an, dass sie sich im Internet nicht sicher fühlt. Auch in der Region ist der Fall von Niederuzwil keine Ausnahme.

Täter oft im Bekanntenkreis zu finden

Einer, der sich damit auskennt, ist Tobias Marti. Er ist Stellenleiter der Offenen Jugendarbeit Flawil. Er sagt:

«Ich kann zwar nicht für alle Jugendlichen in Flawil sprechen. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass es sehr oft zu solchen Fällen kommt.»

Auch er war in seinem Alltag schon gefordert. «Im Jugendtreff bekam ich einmal mit, wie Jugendliche auf Instagram einen Mitschüler und dessen Familie beschimpften und beleidigten. Da mussten wir Jugendarbeiter eingreifen und zwischen den Familien der Beteiligten vermitteln.»

Auch die Schulsozialarbeiterin der Gemeinde Flawil Sabrina Schönenberger hatte in ihrem Berufsalltag schon mit Mobbing-Situationen im Netz zu tun. «Das kommt vor und ist für die Betroffenen sehr verletzend», sagt sie. Ihren Ursprung haben solche Vorfälle allerdings oft nicht im Internet, sondern in der analogen Welt.

Gemäss der Schweizerischen Kriminalitätsprävention stammen die Täter, obwohl sie mit Hilfe der Anonymität im Internet ihre Identität verschleiern, meistens aus dem Bekanntenkreis. Das beobachten auch Fachleute in der Region. Schönenberger etwa sagt:

«Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Mobbing im Netz oft ein Abbild des realen Lebens ist.»

Es zeige sich nicht nur im Internet, sondern auch auf der Strasse, dem Pausenplatz oder im Verein. «Die Gefahr geht eher von Gleichaltrigen aus.»

Auch Alltagsgeschehen sind belastend

Besonders schwere Fälle von Mobbing und Diskriminierungen im Netz sind in der Region aber nicht an der Tagesordnung. «Es kommt zwar vor», sagt Sabina Fejzulahi, Leiterin der Jugendarbeit der Stadt Wil. Weitaus häufiger seien es aber «Alltagsgeschehen», welche die Jugendlichen belasten würden.

So gibt es beispielsweise Apps, die den Standort von Freunden anzeigen. Das mag zwar harmlos klingen, doch solche Apps können zu Ausgrenzung führen. «Wenn eine Person feststellt, dass sie als einzige nicht zu einer Party eingeladen wurde, kann das sehr verletzend sein», sagt Fejzulahi.

Wenn es doch zu schwereren Vorfällen kommt, rät die Fachfrau den Jugendlichen, sich rasch Hilfe bei einer erwachsenen Person zu holen.

«Jugendliche sind ihrer Emotionalität oft ausgeliefert. Es braucht präsente Erwachsene.»

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