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Internationaler Museumstag im Ortsmuseum Flawil:
Bewahren gegen das Vergessen

Am Sonntag ist Internationaler Museumstag zum Thema «Zukunft lebendiger Tradition». Das Ortsmuseum Flawil hat geöffnet und zeigt die Ausstellung über die Rennfahrer-Karriere von Bruno Eigenmann.
Zita Meienhofer
Das materielle und immaterielle Kulturerbe des Dorfes wird im Ortsmuseum Flawil gesammelt, bewahrt und ausgestellt. (Bild: PD)

Das materielle und immaterielle Kulturerbe des Dorfes wird im Ortsmuseum Flawil gesammelt, bewahrt und ausgestellt. (Bild: PD)

Am Internationalen Museumstag zeigen zahlreiche Museen – von Orts- oder Regionalmuseen bis zu grossen staatlichen Einrichtungen – besondere Attraktionen, führen Workshops durch, laden zu Sonderausstellungen oder erlauben den Interessierten einen Blick hinter die Kulissen. Der Internationale Museumstag findet seit 1978 jährlich am zweiten oder dritten Sonntag im Mai statt. Damit soll auf die Vielfalt und Bedeutung der Museen aufmerksam gemacht werden. An diesem Tag öffnet auch das Ortsmuseum Flawil die Türen. «Benzin im Blut» heisst die aktuelle Ausstellung, die die Rennfahrer-Karriere von Bruno Eigenmann aus Flawil aufzeigt. Sie wird am Sonntag gezeigt – passend zum Motto des Internationalen Museumstags «Zukunft lebendiger Tradition». Das immaterielle Kulturerbe ist äusserst vielfältig und im Unterschied zum materiellen Kulturerbe verändert es sich stetig. Welches immaterielle Kulturerbe Flawil hat und wo es im Museum seinen Platz hat oder noch finden wird, das erklärt Urs Schärli, Präsident des Vereins Ortsmuseum Flawil.

Urs Schärli ist Präsident des Vereins Ortsmuseum Flawil. (Bild: Andrea Häusler)

Urs Schärli ist Präsident des Vereins Ortsmuseum Flawil. (Bild: Andrea Häusler)

Am Sonntag ist Internationaler Museumstag. Was bedeutet dieser Tag für Museumsverantwortliche?

Der gemeinsame Auftritt von Museen am Internationalen Museumstag unter einem Leitgedanken lenkt den Blick der Öffentlichkeit und der Medien auf die Aufgabe und Arbeit der Museen, kulturelles Erbe zu sammeln, erforschen, bewahren und das Wissen darüber weiterzugeben.

«Zukunft lebendiger Traditionen» lautet das diesjährige Motto. Was muss darunter verstanden werden?

Lange Zeit hiess Museumsarbeit, physische, materielle Objekte zu sammeln. In den letzten Jahren ist das Bewusstsein gewachsen, dass auch kulturelle Werte immaterieller Art gefährdet sind. Alte Volksbräuche, Rituale oder Fachwissen zu traditionellem Handwerk drohen verloren zu gehen. Damit dies nicht geschieht, sollen diese Werte als solche dokumentiert, geschützt und das Wissen darüber bewahrt werden. Diese drei genannten Beispiele stellen aber nur einen Teil des immateriellen Kulturerbes dar. Generell versteht man darunter – vereinfacht gesagt – kulturelle Ausdrucksformen, die auf menschlichem Wissen und Können basieren und von Generation zu Generation weitervermittelt oder neu geschaffen werden.

Welche «lebendigen Traditionen» sind in Flawil zu finden?

Wenn wir die Liste der 199 ausgewählten lebendigen Traditionen der Schweiz betrachten, finden wir Einträge wie Schwingen, Räbeliechtli (Kanton Zürich), St. Galler Stickerei oder Eidgenössisches Feldschiessen. In Flawil kennen wir als lang geübten Brauch die Lägelisnacht mit dem Räbeliechtliumzug, deren Ursprung nicht ganz klar ist. Der Schwingclub pflegt eine traditionelle Sportart. Lebendig ist die St. Galler Maschinenstickerei in Flawil nicht mehr, aber sie hat während Jahrzehnten das Dorf und seine Bewohner mitgeprägt. Sicher darf man auch Viehschauen dazuzählen. Auf der Liste sind auch Blasmusik-, Volksmusik- oder Gesangspraktiken in verschiedenen Kantonen erfasst. Kürzlich ist ja auch die Basler Fasnacht hinzugekommen. Vielleicht wird dereinst auch die Flawiler Chratzbörschte aufgenommen? In Flawil gehört sie ja eigentlich schon dazu. Bezeichnenderweise nennt das Verzeichnis auch das ausgeprägte Vereinswesen in unserem Land ein solches kulturelles Erbe. Ob die aktuelle Ausstellung zum Motorrennsport kulturelles Erbe tangiert, dürfte eine spannende Streitfrage sein. Wie wird dieses Kulturerbe im Ortsmuseum präsentiert? Fasnacht gehört nicht zur Dauerausstellung. Die erste Chratzbörschte ist aber in unserer Sammlung. Die Lägelisnacht spielt eine Rolle im «Abenteuer im Museum», dem Rätselspass für Erwachsene mit Kindern. Die betriebsfähige Handstickmaschine im Keller erinnert an die Stickereizeit und die damit verbundenen zahlreichen industriellen Prozesse mit all ihren Nebenerscheinungen.

Wie schwierig ist es, Themen zu finden, sie passend im Ortsmuseum darzustellen?

Um solche Themen sauber herauszuarbeiten und zu präsentieren, haben wir derzeit nicht genügend personelle Mittel, es sei denn, ein Ausstellungsvorhaben passt von sich aus in diese Thematik.

Wie viele Personen sind im Ortsmuseum tätig?

Wir Vorstandsmitglieder können auf rund 25 freiwillige Helferinnen und Helfer zählen. Alle arbeiten ehrenamtlich. Der Internationale Museumstag soll auf die Bedeutung der Museen aufmerksam machen.

Welche Bedeutung hat das Ortsmuseum in Flawil?

Ich behaupte, dass wir wichtiges und spannendes Material in unserer Sammlung bewahren und auch viel zur Geschichte des Dorfes und seiner Leute vermitteln können. Die Bedeutung des Ortsmuseums für Flawil zu beurteilen, ist jedoch nicht meine Aufgabe.

Wie kommt diese Bedeutung für Sie zum Ausdruck?

Aufgrund der Besucherzahlen und deren Rückmeldungen habe ich das Gefühl, dass es die Flawilerinnen und Flawiler schätzen, ein Museum zur Dorfgeschichte zu haben.

Ist das auch in Zahlen zu definieren?

In den Jahren 2008 und 2009 besuchten uns – geschätzt – je ein paar Dutzend. Die letzten vier Jahre waren es durchschnittlich rund 1700 Besucherinnen und Besucher pro Jahr.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Ortsmuseums?

Dass sich weiterhin Engagierte entscheiden, sich an der Bewahrung der Sammlung und der Weitergabe des Wissens um die Geschichte von Flawil zu beteiligen und mit Freude Kontakte zur Bevölkerung zu pflegen.

Ein Rennauto bauen

Die aktuelle Ausstellung im Ortsmuseum zeigt die Karriere des einheimischen Rennfahrers Bruno Eigenmann. Passend zur Ausstellung können Kinder ab acht Jahren ein Spielzeug-Rennauto zusammenbauen. Gegen einen Unkostenbeitrag stellt das Ortsmuseum das Material zur Verfügung. Ausserdem lassen sich auf einer Carrera-Rennbahn Geschick und Können mit einer Spielzeug-Rennbahn testen. Anmeldungen zum Basteln an us@ortsmuseumflawil.ch. Unabhängig vom Basteln können Kinder an einem Wettbewerb teilnehmen. Als Preise winken Original-Pokale von Bruno Eigenmann.

Hinweis Das Ortsmuseum Flawil hat am Sonntag, 19. Mai, von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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