Integrative Beschulungsform punktet unter keinem Aspekt

«Gesundheit der Lehrer im Fokus», Ausgabe vom 10. Oktober

René Walcher, Wil
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Erfreulich, dass sich der Oberuzwiler Schulrat in der Legislatur 17/20 schwerpunktmässig um das Wohlbefinden der Lehrerschaft kümmern möchte. Diesem Ansinnen ist beizustimmen, vor allem, wenn man erfährt, dass eine weitere Zukunftsvision der Behörden die Förderung der «Integrativen Schulform» ist. Diese scheint in Oberuzwil eine tägliche Herausforderung zu sein, vor allem die «Koordination des eigenen Fachpersonals, des externen Beratungspersonals und des Therapieangebots». Aus Befragungen der Lehrerschaft im Raum Zürich und aus internationalen Erhebungen weiss man, dass integrative Schulungsformen eine Zusatzbelastung für die Lehrpersonen mit sich bringen. Unklare Zuständigkeiten, eine Unmenge an Absprachen, Berichten, Gutachten etc. bringen viele Pädagogen ans Ende ihrer Kräfte. Allerdings scheint das viele Behörden nicht zu stören, geht es doch darum, eine «fortschrittliche Schule» anzustreben. Zum Wohle der Kinder müssen die Lehrpersonen da eben hintanstehen. Aber fühlen sich die Kinder in integrativen Settings wirklich wohl? In einer frühen Studie hat der ehemalige Chef des kantonalen schulpsychologischen Dienstes, Hermann Blöchlinger, herausgefunden, dass die Integration der Kleinklassenkinder in Regelklassen eher zu einer Verschlechterung ihres Wohlbefindens führt. Spätere Studien haben diesen Befund bestätigt. Und wie ist es um die intellektuelle Förderung bestellt? Durch die Publikation der grössten je erstellten Metastudie im Pädagogikbereich des neuseeländischen Erziehungswissenschafters John Hattie ist klar geworden, dass integrative Settings auch in diesem Bereich ganz klar nicht punkten. Wenn den Schulbehörden das Wohl der Kinder und Lehrpersonen wirklich am Herzen liegt, dann sollten sie sich schnellstmöglich von der integrativen Beschulungsform verabschieden.

René Walcher, Wil