INTEGRATION: Kleine, globale Runde

Sich mit Menschen aus aller Welt auszutauschen und etwas über fremde Kulturen zu erfahren, das geschieht bei den «Hello-Kafi»-Treffen in der Uzwiler Gemeindebibliothek.

Kathrin Meier-Gross
Drucken
Teilen
Zweimal in der Woche begegnen sich Menschen aus verschiedenen Kontinenten in der Uzwiler Gemeindebibliothek. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Zweimal in der Woche begegnen sich Menschen aus verschiedenen Kontinenten in der Uzwiler Gemeindebibliothek. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Kathrin Meier-Gross

redaktion@wilerzeitung.ch

Bleiben wir an diesem Nachmittag in kleiner Runde oder kommen noch mehr Leute? Ellen Glatzl-Anaman, die Integrationsbeauftragte der Gemeinde Uzwil, nimmt es, wie es kommt. Sie beginnt mit den beiden anwesenden Frauen, Sadet aus Mazedonien und Ingrid aus der Schweiz, ein Gespräch. Sie fragt, wie es geht und wie die Woche gestartet ist. Und schon wächst die kleine Gruppe, die sich zweimal in der Woche im hinteren Teil der Uzwiler Bibliothek trifft. Eine Ukrainerin mit ihrer vierjährigen Tochter Grace und ein junges Paar aus Montenegro stossen dazu. Der Montenegriner, erst seit zwei Monaten in der Schweiz, hat Mühe, dem Gespräch zu folgen. Seine Frau und Sadet übersetzen.

Jeder erzählt aus seiner Heimat

Ellen Glatzl hat als Thema Lebensmittel gewählt. Jetzt wird erzählt, welche Früchte und Gemüse in der Heimat wachsen. Und wie diese verwertet werden. Rezepte werden ausgetauscht und die anderen «gluschtig» gemacht. Sadet, die auch an diesem Treffen etwas Leckeres aus ihrem Backofen mitgebracht hat, schlägt vor, dass sich die Gruppe bei schönem Wetter einmal draussen treffen soll und jeder eine Spezialität aus seiner Heimat mitbringt. Alle sind begeistert von der Idee. Als Treffpunkt würde sich der Begegnungs- und Spielplatz in Niederuzwil eignen. Ellen Glatzl wird sich der Sache annehmen.

Mittlerweile haben eine Frau aus Eritrea und eine junge Mutter aus Äthiopien mit ihrem Säugling in der Runde Platz genommen. Nebst gesundheitlichen Aspekten von Früchten, Gemüsen und Kräutern wird auch darüber gesprochen, welche Sorten jetzt Saison haben und dass es Bioprodukte und tiergerecht produziertes Fleisch gibt. Adane aus Eritrea erklärt, wie das typische Injera-Fladenbrot gemacht wird. Von ihrer Kollegin erfährt man, dass in Äthiopien 81 verschiedene Sprachen existieren. Grace, die still und brav Büchlein angeschaut hat, schmiegt sich bei der neu angekommenen Tamilin vertrauensvoll auf den Schoss. Ihr Mann übersetzt ihr das Gespräch, die Begegnung mit dem Mädchen funktioniert ohne Worte.

Vertrauen spielt eine wichtige Rolle

Vertrauen spielt in dieser Runde, der auch Schweizerinnen und Schweizer angehören, eine wichtige Rolle. Ellen Glatzl führt mit Herzlichkeit und Witz durch das Gespräch. Man spürt, dass hier alle willkommen sind. Die Schweizerin mit ghanesischen Wurzeln ist dreifache Mutter und seit vergangenem Jahr Projektleiterin Integration und Frühe Förderung in Uzwil. Ihre Aufgabe ist es, Neuankömmlinge mit Migrationshintergrund zu begrüssen und zu informieren. Bei diesen Treffen ist sie gefragt worden, wie Kontakte geschlossen werden können. Daraufhin ist das «Hello-Kafi» entstanden. Das dreijährige Pilotprojekt wird vom Kanton unterstützt. In einer fünfköpfigen Projektstartgruppe wurden weitere Bedürfnisse hervorgehoben, beispielsweise die frühe Förderung von Kindern vor dem Kindergarten.

Hinweis

Hello-Kafi, Bibliothek Uzwil, Dienstag 14 bis 16 Uhr, Donnerstag 9 bis 11 Uhr.