INTEGRATION: Bis zu 15 Flüchtlinge pro Jahr ausbilden

An einem Podiumsanlass in Fischingen berichtete Micarna-Unternehmensleiter Albert Baumann, dass seine Fleischverarbeitungsfirma künftig jährlich bis zu 15 Flüchtlingen eine Ausbildung ermöglichen will. Es ist eine Aktion nicht ohne Eigennutz.

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Als Flüchtling zum Teamleiter in der Micarna-Wursterei: Mohamed Tayari als Beispiel für gelungene Integration. Weitere sollen folgen. (Bild: PD)

Als Flüchtling zum Teamleiter in der Micarna-Wursterei: Mohamed Tayari als Beispiel für gelungene Integration. Weitere sollen folgen. (Bild: PD)

Für die Micarna ist der Flüchtlingsstrom eine Chance, neues Personal zu rekrutieren. Darum wurde mit dem Kanton das Programm «Maflü» entwickelt. «Wir bieten jährlich bis zu 15 Flüchtlingen eine Lehrstelle», sagte Unternehmensleiter Albert Baumann in Fischingen vor rund 100 Unternehmern. Voraussetzung: Die Person muss in der Schweiz vorläufig aufgenommen sein.

Aber nicht nur. «Sprachkenntnisse sind besonders wichtig», sagte Baumann. Darum werden die jungen Flüchtlinge einen Sprachkurs besuchen. Wo dieser stattfinden wird, ist noch nicht definiert. Im freiburgischen Courtepin, wo die Micarna ihren Hauptsitz hat und bereits erste Erfahrungen in dieser Thematik gesammelt wurden, gibt es betreffend Sprachschule eine Zusammenarbeit mit der Caritas.

Eine langfristige Investition

Am Standort Bazenheid kann Baumann von einem gelungenen Beispiel betreffend Integration berichten. Die Rede ist von Mohamed Tayari. Der heute 42-Jährige ist in Tunesien in der Nähe von Tunis geboren und aufgewachsen. Seit zehn Jahren wohnt und arbeitet er in der Schweiz. Geflohen ist er wegen politischer Unruhen. Tayari war damals Kriminalpolizist. «Ich musste Dinge machen, die ich nicht für richtig hielt. Aber wenn ich sie nicht machte, war meine Karriere, mein Leben in Gefahr», so der Familienvater. Darum hat er eines Tages seine Dienstwaffe deponiert und sich mit seiner späteren Ehefrau in die «Ferien» verabschiedet. Von dieser Reise ist er nie mehr zurückkehrt. «Weil ich weiss, was mich in Tunesien erwarten würde.» Die erste grosse Herausforderung in der neuen Umgebung war die Sprache. «Ich wusste, wenn ich mich in der Schweiz integrieren will, muss ich Deutsch lernen.»

In der Zwischenzeit ist der Tunesier bei der Micarna von einem einfachen Mitarbeiter zum Teamleiter in der Wursterei aufgestiegen. Das zeigt, wozu es ein Flüchtling bringen kann.

Aus unternehmerischer Sicht ist es für die Micarna ein langfristiges Investment. Zwar muss in einer ersten Phase Geld für die Sprachschule und die aufwendige Betreuung aufgeworfen werden. Dafür wird das Tor zu neuen Arbeitskräften geöffnet. «Wir haben eine Erwartungshaltung an die jungen Flüchtlinge. Sie müssen wollen. Ansonsten wäre es schade, wenn jemand anderem der Platz weggenommen würde», sagte Albert Baumann.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

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