INFOCENTER: Eine Überraschung, die keine ist

Ruedi Schär ist der erste Angestellte im neuen Infocenter der Stadt Wil. Anstatt in den Ruhestand zu treten, stellt er sich einer neuen Herausforderung. Start ist am 3. Januar, während die Tourist Info beim Bahnhof Ende Dezember schliesst.

Hans Suter
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Ruedi Schär (Mitte) kennt Wil wie kaum ein Zweiter – und fast jeder in Wil kennt Ruedi Schär. (Bild: Philipp Haag)

Ruedi Schär (Mitte) kennt Wil wie kaum ein Zweiter – und fast jeder in Wil kennt Ruedi Schär. (Bild: Philipp Haag)

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

Die Stadt Wil baut in der Altstadt ein eigenes Infocenter auf und hat die bisherige Leistungsvereinbarung mit dem Verein Wil Tourismus per Ende dieses Jahres gekündigt (diese Zeitung berichtete). Nachdem sich Stadt und Verein nicht auf einen neuen ­Vertrag hatten einigen können, ­gehen sie im Streit auseinander. Eine der Konsequenzen ist, dass der Verein dem Geschäftsführer und einer Sachbearbeiterin kündigen musste, weil ab 1. Januar 2017 der Leistungsauftrag der Stadt Wil und damit die finanziellen Mittel fehlen. Eine weitere Folge ist, dass die Stadt Wil ­Personal suchen und einstellen muss, um die neu bei ihr liegenden Aufgaben zu erfüllen.

Am 8. Dezember hat das Stadtparlament ein Pensum von 100 Stellenprozenten für das neue Infocenter in der Altstadt bewilligt. Nach Angaben der Stadtkanzlei sind auf die Stellenausschreibung 150 Bewerbungen eingegangen. Ein Teilpensum von 50 Prozent konnte bereits besetzt werden, das zweite Pensum im selben Umfang ist noch offen.

Als erster Sachbearbeiter wird Ruedi Schär am 3. Januar 2017 das Infocenter der Stadt Wil eröffnen. Dass er gewählt wurde, ist für ihn selber die grösste Überraschung. Im Umfeld des Vereins Wil Tourismus war indes bereits seit Wochen spekuliert worden, Ruedi Schär werde von der Stadt um Hilfe gebeten, oder er diene sich gleich selber an. Nun liegen die Tatsachen auf dem Tisch: Ruedi Schär hat sich um die Stelle beworben. «Ich habe lange mit mir gerungen», sagt Ruedi Schär. «Ich habe die Bewerbung erst am letzten Tag eingereicht. Hätten sich Angestellte von Wil Tourismus beworben, hätte ich meine Unterlagen nicht eingereicht, um ihnen nicht im Wege zu stehen», sagt Schär. Er betont mehrfach: «Mir geht es um die Stadt Wil. Ich möchte sicherstellen, dass das Wissen erhalten bleibt.»

Eigentlich habe er kürzertreten wollen, schliesslich erreiche er Ende Februar das ordentliche Pensionsalter. «Nun mache ich mein Hobby quasi zu meinem ­Beruf.» Für ein bis zwei Jahre, je nachdem, wie es sich ergebe. Seine Arbeitsstelle bei der Afcreaprint AG in Rossrüti wird er aufgeben, bei Bedarf aber weiterhin zur Verfügung stehen.

Ruedi Schär ist in Wil eine bekannte Grösse. Hier aufgewachsen, ist er der Äbtestadt bis heute treu geblieben. Er ist Mitglied der Kulturkommission, Kulturverantwortlicher im Ortsbürgerrat, während vieler Jahres Vorstandsmitglied von Wil Tourismus, ­davon die letzten zwei Jahre als Interimspräsident. Ruedi Schär ist aber auch Stadtführer, Vorstandsmitglied des Verdi-Open-Airs, Mitbegründer der Weinstrasse, langjähriger CVP-Stadtparlamentarier und seit kurzem Kulturpreisträger der Stadt Wil.