Industrieort zu bäuerlichem Ansehen verholfen

In seinem 77. Lebensjahr starb der über die Region hinaus bekannte frühere Verwalter des Landwirtschaftsbetriebes der Bühler AG Uzwil, Hansueli Wirth, und eine grosse Trauergemeinde erwies dem auch international bekannten Fachmann der Viehzucht die letzte Ehre.

Christian Jud
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Hansueli Wirth (Bild: zVg.)

Hansueli Wirth (Bild: zVg.)

uzwil. Am 1. August 1962 machte sich im bernischen Ursenbach Hansueli Wirth zusammen mit seiner Gattin Hedi und der jungen Familie nach Uzwil auf, um auf dem Landwirtschaftsbetrieb der Bühler AG die anforderungsreiche Stelle als Betriebsverwalter anzutreten.

In einem unserer vielen Gespräche sagte er, Jahre später: «Uns blieb in Uzwil keine Zeit für <Längizit>. Und es war schon beeindruckend, wie wir hier sowohl im Betrieb, aber auch von der Bevölkerung wie im Besonderen auch von

der Bauernschaft aufgenommen wurden, das hat uns das Einleben in der Industriegemeinde erleichtert.»

Bauer durch und durch

Hansueli Wirth hat den Umzug vom Lande Gotthelfs in das zum Untertoggenburg gehörende Uzwil mit gutem beruflichem Rüstzeug und einem hervorragenden Gespür für das Zusammenleben der unterschiedlichen Bevölkerungskreise angetreten.

Vorgängig wirkte er an der solothurnischen Landwirtschaftlichen Schule Weierhof, die später zum Gymnasium aufrückte, als Werkführer.

«Er tat uns gut»

Es gab Berührungspunkte zuhauf, die das Einleben «des Neuen bei Bühlers» erleichterten. Zum einen tat Hansueli Wirth seinen Militärdienst mit den Dragonern, und sein Eidgenosse und dessen Nachfolger machten den Umzug mit.

Es war die Zeit, in welcher der Reitklub Uzwil seine grossen pferdesportlichen Veranstaltungen organisierte und durchführte, in welcher die Landwirte, besonders der Aussendörfer, ihre Höfe neu ausrichteten und die Landwirtschaft und die Viehzucht wieder vermehrt ins Bewusstsein kam. «Er hat uns gutgetan», sagten die Bauern über Hansueli Wirth, den sie zum Präsidenten der Viehzuchtgenossenschaft Oberuzwil- Henau beriefen, dem die herbstlichen Viehschauen im Neuhaus zu einem besonderen Anliegen wurden.

«Er ist einer von uns»

Zusammen mit Max Forster und mit Jakob Müller war der verstorbene Mitorganisator der weit über die Region hinaus bekannten Uzwiler Bauernabende, die später des Platzmangels wegen vom «Schweizerhof» nach Bichwil dislozierten. Seine Gattin Hedi gehört der Trachtenvereinigung Uzwil an, und es sind unzählige Anlässe und Auftritte, denen die Frauen mit ihrem Einsatz mit zum Erfolg beigetragen haben. Längst war Hansueli Wirth «eine vo üs», und die Familie stand ihrem Vater in nichts nach.

Das Nein sagen hat er nie gelernt. Die Landwirte beriefen ihn zum Präsidenten der Grastrocknungsanlage Niederuzwil, in den Vorstand der St. Gallischen Saatzuchtgenossenschaft, und viele Jahre gehörte er unter anderem der Landwirtschaftlichen Kommission der Gemeinde Uzwil an.

«Umzug ins Neuhaus»

Dass grosse Impulse für die Landwirtschaft und die Viehzucht nicht zuletzt auch von den Gutsbetrieben ausgegangen sind, das hat Hansueli Wirth immer wieder betont,

und dass er in der Ehrenliste der Schweizerischen Braunviehzucht für alle Zeiten festgehalten ist und auch international anerkannt wurde, ist die Bestätigung für seine Liebe zum Bauernstand. Der Umzug ins Neuhaus, im Jahre 1985, in das weitherum schönste Haus im Toggenburger Baustil, liess die Familie aus dem Emmental endgültig heimisch werden.

Vier Kindern, drei Söhnen und einer Tochter, war er ein guter Vater, der in Gesprächen immer wieder mit seiner geraden Denk- und Redensart daran erinnerte, dass nur das Zusammenhalten Früchte trage.

Die längst erwachsenen Kinder konnten ihn um Rat fragen, und seine Tochter sagte es in ihren Abschiedsworten: «Du warst trotz deiner vielen Aufgaben immer für uns da, wir vermissen dich schmerzlich, und wir danken dir für deine Güte.» Dem schliesst sich zusammen mit der Gattin Hedi ein stiller Freundeskreis an.