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In Zuzwil wartet der Sommer: Wo das bekannte Erdbeer-Vanille-Softeis herkommt

In einer Lagerhalle in Zuzwil überwintern über 200 Softeismaschinen. In diesen Wochen – nach abgeschlossener Wartung – kehren sie an den Rheinfall, ans Seeufer oder in die Badi zurück, um ihren Kunden den Sommer mit einem klassischen Erdbeer-Vanille-Glace zu versüssen.
Stephanie Martina
Noch warten diese Softeismaschinen in Zuzwil auf ihren Einsatz, doch schon bald versorgen sie Badibesucher und Touristen am Rheinfall mit Glace. (Bild: Urs Bucher)

Noch warten diese Softeismaschinen in Zuzwil auf ihren Einsatz, doch schon bald versorgen sie Badibesucher und Touristen am Rheinfall mit Glace. (Bild: Urs Bucher)

Erdbeere? Vanille? Oder beides? Eine Frage, die sich Sommer für Sommer stellt. In der Badi, am Grümpelturnier, am Seenachtsfest, am Openair. Und überall, wo es eine Softeismaschine gibt. «Die meisten entscheiden sich für Vanille», weiss Philipp Brunschwiler. Seit 35 Jahren widmet sich der 55-Jährige dem weichen Glace. In all den Jahren ist seine Firma, die Confiseriefabrikation AG, zu so etwas wie einem Generalunternehmen für Softeis geworden. In Zuzwil tüfteln Brunschwiler und seine bis zu sieben Angestellten an den Rezepturen für Softeis und Waffeln, produzieren jährlich 120 Tonnen Softeispulver, vermieten und verkaufen Glaceautomaten und kümmern sich um deren Service und Reparatur. Insgesamt betreut das Unternehmen rund 600 Softeismaschinen – mehr als jedes andere in der Schweiz.

Philipp Brunschwiler. (Bild: Urs Bucher)

Philipp Brunschwiler. (Bild: Urs Bucher)

Philipp Brunschwiler stösst die Türe zur Lagerhalle auf. Ein süsslicher Duft liegt in der Luft. Hier warten die Softeismaschinen auf ihren Einsatz. «Im Winter ist die Halle brechend voll. Bei allen Automaten kümmern wir uns um den Service und machen sie fit für die nächste Glacesaison», erklärt Brunschwiler. Ein grosser Teil der 600 Softeismaschinen kehrt im Winter jedoch nicht nach Zuzwil zurück. Sie sind in Gastronomiebetrieben rund ums Jahr im Einsatz und müssen laufend gewartet werden.

Aktuell befinden sich noch 85 Softeismaschinen in Zuzwil. Einige kehrten wegen des schönen Wetters bereits an ihren gewohnten Platz zurück. Warme Frühlingstage seien für die Softeisbranche besonders wichtig. Wichtiger als ein langer, heisser Sommer. Denn wenn es zu lange schön sei, hänge den Leute das Glace irgendwann zum Hals heraus, sagt Brunschwiler.

«Am besten würde es jeweils montags und dienstags regnen und aufs Wochenende hin schön werden, damit die Leute immer wieder aufs Neue Lust auf Softeis bekommen.»

Deshalb werde in Skandinavien so viel Glace konsumiert. Aber im internationalen Vergleich seien auch die Schweizer gute Softeis-Esser, sagt Brunschwiler. Er selbst zähle aber nicht dazu. Er möge lieber Salziges, statt Süsses.

«Mir genügen zwei kleine Erdbeer-Vanille-Softeis pro Sommer – dann bin ich wieder für ein Jahr bedient.»

Seit jeher im selben Design

Manche der bis zu 65'000 Franken teuren Softeismaschinen haben bereits über 20 Sommer auf dem Buckel. Kein Wunder kommt es einem so vor, als hätten sie sich in den vergangenen Jahrzehnten optisch kaum verändert. Brunschwiler bestätigt: «Nicht nur äusserlich, sondern auch im Inneren ist beinahe alles gleich geblieben. Technisch wurde zwar vieles ausprobiert, aber wenig hat sich bewährt.» Das Glace sei hingegen einem ständigen Wandel unterworfen. Früher sollte das Softeis süss sein, inzwischen soll es weniger süss, dafür erfrischender sein.

Heute besteht ein Vanille-Softeis aus Milchpulver, Milchprotein, feinem Kristallzucker, natürlicher Vanille, Aroma, Johannisbrotkernmehl zum Binden und Farbstoff. Letzterer sei ein Kostenpunkt, auf den Brunschwiler gerne verzichten möchte.

«Aber der Kunde möchte nun einmal grünes Pistacheglace, weil er es nur so kennt. Von Natur aus wäre es nämlich braun.»

Mit Wasser vermischt wird aus diesem Pulver Softeis. (Bild: Urs Bucher)

Mit Wasser vermischt wird aus diesem Pulver Softeis. (Bild: Urs Bucher)

Ebenso sei es bei der Vanille: Weil früher gelbliches Vanilleeis bevorzugt worden sei, habe man etwas Farbstoff beigegeben, sonst wäre es schneeweiss. Heute gehe der Trend in Richtung natürliche Farbe. Deshalb mische er in seinen fünf Sorten – Erdbeere, Vanille, Schokolade, Mokka und Pistazie – von Jahr zu Jahr weniger Farbstoff, um die Kunden langsam daran zu gewöhnen, sagt Brunschwiler.

Mit Swissness spart der Glacefachmann hingegen nicht. Milchpulver, Zucker und alle anderen Zutaten kommen aus der Schweiz. «Für die Kunden scheint es ein wichtiger Punkt zu sein, dass sie einheimisches Softeis geniessen können. Daher sind sie auch bereit, ein bisschen mehr zu bezahlen», freut sich Brunschwiler. Nur die Waffeln importiere er aus Deutschland. Dort würden sie jedoch nach seinem Rezept hergestellt werden.

100'000 Glaces pro Sommer

In wenigen Wochen beginnt für Philipp Brunschwiler und seine Angestellten die intensivste Zeit im Jahr. Denn die Softeismaschinen müssen während der Saison alle drei Tage gereinigt werden. Für manche wäre dies ein Traumjob. Denn nach jeder Reinigung muss die Maschine getestet werden. Doch zum Geniessen fehle oft die Zeit – oder die Lust auf Softeis.

Nicht nur in Zuzwil steht ein strenger Sommer bevor. Auch einigen Softeismaschinen. Besonders jenen, die am Rheinfall oder am Luzerner Seeufer postiert sind. «An diesen Touristenhotspots werden pro Saison rund 100'000 Glaces gezapft», sagt Brunschwiler. Eine Pause haben diese Automaten erst wieder, wenn sie im Herbst nach Zuzwil zurückkehren.

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