«In Zelten schlafen»

Die Dietschwilerin Lisa Volkart engagiert sich für ein von einem privaten Verein getragenes Kinderheim in Nepal. Das katastrophale Erdbeben erlebte sie in Nepal hautnah mit.

Martin Knoepfel
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Gegenwärtig müssen aus Planen behelfsmässig zusammengebaute Zelte als Unterkunft und Krankenstation dienen. (Bild: pd)

Gegenwärtig müssen aus Planen behelfsmässig zusammengebaute Zelte als Unterkunft und Krankenstation dienen. (Bild: pd)

Hat das Erdbeben unter den Bewohnern und Mitarbeitern des Kinderheims Happy Children Opfer gefordert?

Lisa Volkart: Nein, glücklicherweise hatten wir nur eine leichte Prellung und blaue Flecken durch Stürze, Ohnmachtsanfälle und Schockpatienten.

Wurden die Gebäude des Kinderheims erdbebensicher gebaut?

Volkart: Damals hat man aufgrund von Erfahrungsberichten vorgesorgt und erdbebensicher gebaut. Das Kinderheim hat mit dem Gebäude denn auch einen indischen Architekturpreis gewonnen.

Hat das Erdbeben die Gebäude des Kinderheims dennoch beschädigt oder gar zerstört?

Volkart: Die Beschädigungen halten sich in Grenzen. Viele Dachziegel sind herabgefallen. Ein Teil der Mauern ist eingestürzt und die Trainingswerkstatt ist massiv beschädigt. Unser Auto und ein Motorrad kamen ebenfalls zu Schaden. Das Gebäude ist trotz all dieser Schäden aber noch bewohnbar. Dies, sobald auch die Nachbeben nachlassen und einige Tage Ruhe eingekehrt ist. Bis dahin wird noch draussen gekocht und in notdürftig gebauten Zelten aus Planen geschlafen.

Haben Sie seit dem Erdbeben Kontakt mit dem Kinderheim gehabt?

Volkart: Wir sind an Ort und Stelle im Kinderheim in Kathmandu.

Wie ist die Stimmung der Menschen, verzweifelt oder aggressiv? Besteht die Gefahr von Plünderungen des Kinderheims?

Volkart: Die Stimmung hier ist ganz unterschiedlich. Es gibt aggressive wie auch verzweifelte Menschen. Im Grossen und Ganzen ist die Solidarität riesig. Die Schattenseite sind die Plünderer, die seit der ersten Stunde nach dem Erdbeben ihr Unwesen treiben und die aufgrund unserer eingestürzten Mauern leider auch bei uns ein Thema sind.

Welches sind wenige Tage nach dem Erdbeben die dringendsten Bedürfnisse der Mitarbeiter und Bewohner des Kinderheims?

Volkart: Das dringendste Bedürfnis unserer Kinder und Mitarbeiter besteht darin, gesund und heil zu sein, damit schnellstmöglich alles wieder in Ordnung gebracht werden kann und das Leben wieder weitergeht.

Hat das Kinderheim schon Unterstützung von einheimischen oder von Schweizer Helfern erhalten?

Volkart: Wir haben bis heute keinerlei Unterstützung vor Ort erhalten. Es wurden uns Spendengelder und Aktionen von Schweizer Freunden zugesagt. Unsere grossen Kinder haben sich entschieden, als Rescue-Team anderen Hilfsbedürftigen Trinkwasser und Essen zu verteilen. Das ist eine schnelle und unbürokratische Hilfe vor Ort, Liebe ohne Grenzen, obwohl auch bei uns die Lebensmittel knapp werden.

Wann werden Sie das nächste Mal wieder nach Nepal reisen?

Volkart: Eigentlich wäre im Herbst wieder eine Reise nach Nepal geplant.

Das Interview wurde per Mail geführt.

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