Kommentar

In Wil ist noch nichts entschieden und doch lässt sich konstatieren: Der Vorsprung Mäders ist für die Konkurrenz zu gross

Mehr als 700 Stimmen liegen zwischen CVP-Kandidat Hans Mäder und seinem ersten Verfolger Dario Sulzer (SP). Ein Polster, das Mäder im zweiten Wahlgang reichen dürfte. Der erste Wahlgang war aber vor allem eines: eine Ohrfeige für die Bisherigen. Mit Ausnahme von Sulzer blieben sie alle unter den Erwartungen.

Gianni Amstutz
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Gianni Amstutz, Redaktor «Wiler Zeitung».

Gianni Amstutz, Redaktor «Wiler Zeitung».

Bild: Hans Suter

Entschieden ist noch nichts. Weder das Stadtpräsidium noch die vier weiteren Stadtratssitze konnten im ersten Wahlgang besetzt werden. Bei vier Kandidaturen für das Stadtpräsidium und zehn Kandidaturen für den Stadtrat konnte erwartet werden, dass einzelne Entscheidungen erst im zweiten Wahlgang fallen würden. Dass aber noch gar nichts feststeht, ist eine veritable Überraschung.

Obwohl die Entscheidung über die Besetzung der Wiler Stadtregierung also auf den 29. November vertagt wurde, ist man nach dem ersten Wahlgang etwas schlauer. Es zeichnen sich in mehrerer Hinsicht Tendenzen ab.

So darf der Eschliker Gemeindepräsident Hans Mäder dem zweiten Wahlgang gelassen entgegenblicken. Der CVP-Politiker hat mit über 700 Stimmen gegenüber seinem nächsten Verfolger, SP-Kandidat Dario Sulzer, einen beträchtlichen Vorsprung.

Es ist schwer vorstellbar, wie Sulzer diesen aufholen könnte. Mäder spielt zudem in die Karten, dass er auch nicht zu sehr um die fürs Stadtpräsidium nötige Wahl in den Stadtrat bangen muss. Sein zweiter Platz dürfte ihn zu Recht zuversichtlich stimmen.

Dario Sulzer darf sich ebenfalls freuen. Während seine Stadtratskollegen von der Wählerschaft teils regelrecht abgestraft wurden, holte er sich bei den Stadtratswahlen das beste Ergebnis. Für einen linken Politiker ist das in Wil alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Das dürfte ihn auch darüber hinwegtrösten, dass es mit dem Stadtpräsidium aller Wahrscheinlichkeit nach nichts wird. Er hat bereits im ersten Wahlgang über die linke Wählerschaft hinaus gepunktet, damit dürfte sein Wählerpotenzial aber ausgeschöpft sein. Für den Sitz im Stadtrat wird es für ihn aber locker reichen.

Für Daniel Meili ist der Wahlausgang eine Klatsche. Der Stadtpräsident ad interim wurde nicht nur von Mäder und Sulzer bei den Wahlen fürs Stadtpräsidium deutlich überflügelt, er schaffte es auch bei den Stadtratswahlen nur auf den enttäuschenden vierten Platz.

Dass dabei sein Parteikollege Jigme Shitsetsang besser abschnitt, mag für die Partei ein Trost sein, für Meili ändert das aber nichts. Die FDP kann sich dennoch berechtigte Hoffnungen auf eine Doppelvertretung im Stadtrat machen. Das Stadtpräsidium ist aber ausser Reichweite. Alles andere als ein Rückzug von Meilis Kandidatur für das Stadtpräsidium wäre eine Überraschung.

Generell muss man konstatieren: Es war kein guter Tag für die Bisherigen. Einzig Dario Sulzer (SP) darf zufrieden sein. Daniel Meili (FDP), Jutta Röösli (parteilos) und insbesondere Daniel Stutz (Grüne Prowil) schnitten alle unter den Erwartungen ab. Das zeigt, dass die kritische Haltung einzelner Parteien gegenüber dem Stadtrat in der Bevölkerung Gehör fand.

Während Meili im zweiten Wahlgang trotzdem gewählt werden dürfte, wird es für Röösli knapp, für Stutz sehr schwierig. Selbst wenn den Bisherigen die Wiederwahl im zweiten Wahlgang gelingt, müssen sie das als Warnschuss der Bevölkerung ernst nehmen.

Anders dürfte die Gemütslage bei der SVP sein. Ihre Kandidatin Ursula Egli blieb nur wenige Stimmen hinter dem fünften Platz, der in einem zweiten Wahlgang einen Stadtratssitz bedeuten würde. Für die SVP, die sich sonst bei Exekutivwahlen schwer tut, ist Eglis Abschneiden äusserst positiv.

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Keiner der drei Stadtpräsidiumskandidaten erreicht im ersten Wahlgang das absolute Mehr von 3'712 Stimmen. CVP-Kandidat Hans Mäder erzielt mit 2'884 Stimmen das beste Resultat. Eine Enttäuschung ist der erste Wahlgang für Daniel Meili (FDP). Der Stadtpräsident ad interim fällt mit 1'415 Stimmen deutlich ab. Dario Sulzer (SP) schafft mit 2'116 ein respektables Resultat. Auch den Sprung in den Stadtrat gelingt keinem der Kandidaten fürs Stadtpräsidium.
Gianni Amstutz