In Uzwil kräht nur der Hahn

In Henau und in Sonnental hat das Silvesterläuten eine lange Tradition und ist bei der Jugend immer noch beliebt. In Uzwil dagegen werden keine Kinder mit Lärminstrumenten durch die Strassen ziehen, der Brauch ist ausgestorben.

Urs Bänziger
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Mit Glocken, Vuvuzelas und anderen Lärminstrumenten ziehen in Henau die Kinder am Silvestermorgen von Haus zu Haus. (Bild: pd)

Mit Glocken, Vuvuzelas und anderen Lärminstrumenten ziehen in Henau die Kinder am Silvestermorgen von Haus zu Haus. (Bild: pd)

UZWIL. Die Präsidentin des Verkehrsvereins Uzwil und Umgebung, Renate Graf, wird am Silvestermorgen höchstens von ihrem Güggel geweckt. Ansonsten bleibt es in ihrem Quartier ruhig. Auch in anderen Wohnquartieren von Uzwil werden keine Kinder durch die Strassen ziehen und den letzten Tag des Jahres mit lärmigen Instrumenten ankündigen. Das Silvesterläuten hat in Uzwil keine Tradition mehr.

Mangelndes Interesse

Sie könne sich noch vage daran erinnern, dass in den ersten Jahren, als sie nach Uzwil gezogen sei, noch Kinder am Silvester durchs Quartier zogen, erzählt Renate Graf. Aber das ist schon lange her. Auch Dora Hadorn, Gemeinderätin und Vorstandsmitglied im Verkehrsverein, wird in ihrem Quartier nicht durch lärmige Instrumente geweckt. «In Uzwil kennt man den Brauch des Silvesterläutens nicht oder nicht mehr. Schon meine inzwischen erwachsenen Kinder sind nie frühmorgens durch die Strassen gezogen», sagt Dora Hadorn.

Weshalb in Uzwil der Brauch ausgestorben ist, können Renate Graf und Dora Hadorn nicht sagen. Sie vermuten, dass es am mangelnden Interesse liegt. Im Vorstand des Verkehrsvereins ist das Silvesterläuten kein Thema. «Was nicht heisst, dass wir nicht interessiert sind, den Brauch wieder aufleben zu lassen. Sollten wir aus der Bevölkerung Anfragen erhalten und eine Nachfrage feststellen, ist der Verkehrsverein bereit, etwas auf die Beine zu stellen», sagen die beiden.

Von Erwachsenen begleitet

Dass die Tradition des Silvesterläutens in der Gemeinde dennoch weiterlebt, dafür sorgt der Dorfverein Pro Henau. Dessen Präsident, Jürg Hollenstein, kann sich einen Silvestermorgen ohne durch die Strassen ziehende lärmende Kinder nicht vorstellen. «In unserem Dorf lebt der Brauch wie eh und je», sagt Hollenstein. Im vergangenen Jahr waren es rund 60 Personen, die am Silvesterläuten dabei waren, und auch diesmal rechnet der Präsident mit einer gleichen Beteiligung. Damit alles in geordnetem Rahmen zu und her geht, werden die Kinder stets von Erwachsenen begleitet. «Meistens sind es Mitglieder aus unserem Verein und Eltern, die als Begleitpersonen mit den Kindern durch die Strassen ziehen.» Bisher sei es noch zu keinen Auswüchsen gekommen. «Es gibt Leute im Dorf, die auf die Silvesterläufer warten, um sie zu beschenken, wenn es an ihrer Haustüre klingelt», sagt Hollenstein. «Diejenigen, die nicht gestört werden wollen, legen ihre Gaben vor die Haustüre.»

Die Kinder würden jeweils reich beschenkt, mit Süssigkeiten oder Bargeld. «Nach dem Silvesterlaufen, bei Wienerli und Punsch im Schulhaus, teilen die Kinder die Gaben redlich untereinander auf.»

Brauch lebt weiter

Ein Tradition über Generationen hat das Silvesterläuten in Sonnental. «Solange die Kinder mitmachen, lebt der Brauch weiter», sagt der Präsident der organisierenden Dorfkorporation, Marcel Hälg. «Viele im Dorf haben schöne Erinnerungen ans Silvesterläuten. Auch ich habe als Bub immer mitgemacht.»

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