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In sich selbst hineinschauen

Beim Herstellen ihrer Kunstobjekte braucht Anna Neubauer-Laszlo aus Tobel eine ruhige Hand und viel Geduld. Ihre Werke sollen Lebensfreude zum Ausdruck bringen. Nur zu gut weiss sie, wie wichtig es ist, vorwärts zu schauen. Noch bis Sonntag stellt sie in der Galerie Fafou in Oberuzwil aus.
Angelina Donati
Anna Neubauer-Laszlo blickt auf eine Weltkugel aus Porzellan, die sie bemalt hat. (Bild: Angelina Donati)

Anna Neubauer-Laszlo blickt auf eine Weltkugel aus Porzellan, die sie bemalt hat. (Bild: Angelina Donati)

Zeichnungen, die Tragik symbolisieren, lassen sich im Fundus von Anna Neubauer-Laszlo nicht finden. «Darzustellen, wie ein Mensch am Boden liegt und blutet, ist nicht so meins», sagt die Künstlerin. Mit ihrer Kunst möchte sie Lebensfreude vermitteln. Und doch sollen auch ihre geschaffenen Objekte nicht «nur» stilvoll aussehen, sondern den Betrachter zum Nachdenken anregen. Oft lassen sich erst auf den zweiten Blick Details erkennen, die die Wahrnehmung schärfen. «Die Interpretation ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt sozusagen 1000 Wahrheiten», sagt die 53-Jährige.

Schon als Mädchen zeichnete die Künstlerin mit grossem Eifer. «Ich konnte so meine Gefühle ausdrücken.» Geblieben ist die Faszination bis heute. Und weitere künstlerische Ausdrucksformen sind hinzugekommen. So hat sie sich auf das Herstellen und Bemalen von Glasobjekten spezialisiert, wo sie verschiedene Techniken vereint. Seit zwei Jahren gehört auch das Bemalen von Porzellan-Gegenständen zu ihrem Schaffen.

Aufwendige und komplexe Arbeiten

Sie werde sich die Zähne am Glas ausbeissen, sagte einst der Kursleiter, bei dem die Künstlerin aus Tobel das gläserne Handwerk erlernte. Tatsächlich braucht Anna Neubauer-Laszlo bei jedem ihrer Objekte viel Fingerspitzengefühl, eine ruhige Hand und Geduld. Bis zu 800 Grad heiss werden die verschiedenen Glasstücke im Spezialofen, die zusammengeschmolzen werden.

Tatkräftige Unterstützung bei ihrer aufwendigen und komplexen Arbeit erhält sie von Ehemann Peter. «Glas ist kompliziert. Porzellan im Vergleich dazu viel toleranter.» Er war es auch, der ihr das Lichtspiel inmitten des Raums der Galerie Fafou an die Decke befestigte. Durch den Lichteinfall wird ein mystisches Farbenspiel an die Wände projiziert.

So vielseitig die Werke von Anna Neubauer-Laszlo sind, so vielseitig ist ihr beruflicher Werdegang: von der Ausbildung als technische Zeichnerin, Abschluss an der Kunstgewerbeschule, über Rettungsdienst bis hin zum Psychologie-Studium.

Drei Grundbedürfnisse im Einklang

Die Botschaft, der Natur Sorge zu tragen, ist in vielen ihrer Arbeiten erkennbar. Und auch der therapeutische Aspekt fliesst mit ein. «Die Seele der Menschen interessiert mich sehr.» Wichtig sei, dass die drei Grundbedürfnisse, etwa Existenz, soziales Netzwerk und Visionen, sich in eine Balance befinden. «Nur dann kann man sich wohlfühlen.» Leider aber könne einen durch den Verlust des Partners der Boden unter den Füssen weggezogen werden, oder man hetze ständig dem Geld hinterher oder aber habe keine Ziele im Leben.

Viel zu oft würden ausserdem die Meinungen anderer einen zu grossen Raum einnehmen. «Dabei sollte man sich selber sein, anderen und vor allem sich selbst nichts vormachen, sondern ehrlich zu sich sein», sagt Anna Neubauer-Laszlo, die Menschen hilft, Traumas aufzuarbeiten. «Das mag sich alles sehr einfach anhören, ist es aber nicht.» Genau das symbolisiert die rund zwei Meter hohe Figur aus Glas – eine nackte Frau, die ihre Maske ablegen will, aber noch immer schützend in den Händen hält.

In schwierigen Situationen vorwärts schauen

Auch die Künstlerin hatte es nicht immer einfach. Als Achtjährige musste sie mit ihren Eltern wegen Aufständen in Ungarn zu den Grosseltern in die Schweiz flüchten. Als junge Erwachsene betrieb sie Wasser- und Turmspringen als Leistungssport, ehe Kreuzbandrisse in den Knien ihre Karriere abrupt beendeten. «Das Gefühl der Bewegungslosigkeit war kaum auszuhalten.» Heute ermöglichen ihr Prothesen das Gehen, wofür sie grosse Dankbarkeit verspürt. Und die Scheidung ihrer ersten Ehe musste sie durchstehen.

«Selbst wenn eine Situation aussichtslos erscheint, sollte man vorwärts schauen. Schliesslich muss es weitergehen.» So wie das Glas, das nie wirklich fest ist, sondern fliesst.

Anna Neubauer-Laszlo, die im In- und Ausland zahlreiche Ausstellungen bestreiten darf, hat eine Vision: Einst in einem Museum in New York auszustellen, wie sie mit einem Schmunzeln sagt. «Wünschen darf man alles, erwarten hingegen nichts.»

Ausstellung "So aussen wie innen"

Anna Neubauer-Laszlo präsentiert auserwählte Werke noch von Dienstag, 29. Mai bis und mit Freitag, 1. Juni, jeweils 19 bis 21 Uhr, und am Sonntag, 3. Juni, 14 bis 17 Uhr. In der Galerie Fafou in Oberuzwil.

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