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In Reimini wird der Krimi zur Krim

«Ohrenhöhe» lud zur Premiere ins Flawiler «Park»
Michael Hug

Es beginnt verheissungsvoll: «Sommer, Sonne, Reimini!» Ein Badeurlaub mit allem, was dazugehört, doch dazu noch etwas Literatur, Philosophie und Selbstgedichtetes. In Reimini am Meer, wo sich alles reimt, wo Geschichten an den Strand gespült werden und Träume in den Wellen schäumen. In Reimini, wo der Krimi durch einen Schlachtermesserhieb zur Krim wird. In Reimini, wo man tut, als würde man nicht in der Masse schwimmen, keine Reiseführer braucht und keine Selfies schiesst. In Reimini, wo der Süden beginnt und das Leben unbeschwert wird. Aber nur vielleicht.

Mit an die Sonne – wer nicht schon dort war

Die Autorengruppe Ohrenhöhe nahm am Freitag ihr Publikum im Keller des «Park» mit an die Sonne. Nun ja, wenigstens die Wenigen, die nicht schon da waren, an der Abendsonne am Flawiler Fest oder zuhause am Grill. Es war ein zu schöner Abend, um sich Literarisches reinzuziehen, mögen sich viele gedacht haben und wollten sich nicht in einem Keller zur schwarzhumorigen Philosophiestunde niederlassen. Doch das gute Dutzend, das gekommen war, liess sich mit gehobener, hintersinniger und stets vergnüglicher Literatur aus Ostschweizer Schreibstiften unterhalten.

Erste zertifizierte Urlauberin ist Thurgauerin

Eva Philipp präsentierte sich als erste zertifizierte Urlauberin: «Meine durchschnittliche Bewertung auf Tripadvisor liegt bei vierkommaacht von fünf Punkten. Die Hotels loben meine Freundlichkeit mit fünf Punkten, meine Zuverlässigkeit beim Ein- und Auschecken, fünf Punkte, meine Trinkgeldgrosszügigkeit, fünf Punkte, mein Kleidungsstil, vier Punkte, sowie die Qualität meines Gepäcks, fünf Punkte.» Damit sei sie als bestbewertete Urlauberin des Kantons Thurgau auf dem ersten Platz gelandet. «Dafür gab es im letzten Jahr die Auszeichnung ‹Hervorragende Urlauberin aus der Schweiz›.» Das macht schon stolz und kehrt den Spiess für einmal um: Der Urlauber wird bewertet, nicht das Hotel. Alles möglich im Internet.

Frau Blumer schlief ein

Helen Knöpfel, die Flawilerin in der auf drei Mitglieder geschrumpften Autorengruppe, erzählte von Frau Blumer, die eine geführte Tour durchs Dorf machte, in deren Zentrum im Wesentlichen der Bahnhof stand. Nicht allzu anspruchsvoll sollte die Tour sein, auf deren Höhepunkt es eine Williamsbirne von einem lokalen Landwirtschaftsbetrieb gab. Doch Frau Blumer schlief gleich nach der Birne ein und verpasste so wesentliche Highlights der Führung. Ebenso ging die Verteilung der Dächlikappen einer ansässigen Bank unbemerkt an Frau Blumer vorbei. Doch Frau Blumer ging dennoch sehr zufrieden und erfüllt von Eindrücken aus dem ländlichen Leben nach Hause.

Schwarzhumoriges und fein Beobachtetes

Es ist immer etwas Hintersinn in den Texten der «Ohrenhöhe», oft auch Schwarzhumoriges, immer aber sehr fein Beobachtetes. Ob am Strand, im Mittelland, auf historischen Böden: Es scheint, als ob René Oberholzer, Helen Knöpfel und Eva Philipp diese Stätten alle selbst besucht und dabei stets ein Auge auf Urlaub verbringende Menschen geworfen hätten. Doch Zusehen ist nur ein Teil ihrer Arbeit, der zweite ist das Umsetzen in Texte. Manchmal auch in szenisch umgesetzte Sentenzen. Das Schlussbild nämlich stellt alles vorher Erfahrene in Frage. Philipp und Oberholzer halten ein Plakat mit dem Wort «Urlaub», Knöpfel übermalt es mit schwarzer Farbe und meint dazu lakonisch: «Der Urlaub ist gestrichen!»

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch

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