In Peru Taten sprechen lassen

Sie tauschen ihren Schweizer Wohlstand gegen das einfache Leben in den Anden: Markus und Julianna Rolli aus Fischingen reisen nach Peru, um dort drei Jahre lang im neu aufgebauten Spital «Diospi Suyana» zu helfen.

Belinda Halter
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Fischingen. Für Julianna und Markus Rolli heisst es Abschied nehmen – vom Dorf, der Familie und den Freunden. Denn das Ehepaar aus Fischingen reist demnächst für drei Jahre nach Peru. Ihr Bekannter, Klaus-Dieter John, leitet in der Andenstadt Curahuasi ein Spital für Quechua-Indianer. «Für die Menschen in dieser Region sind die Spitäler zu weit weg. Da die Bevölkerung sehr arm ist, ist ein Spitalbesuch meist auch zu teuer. Das neu gebaute Spital soll allen eine ärztliche Behandlung ermöglichen», erklärt Markus Rolli. Er kennt die Verhältnisse in Südamerika aus eigener Erfahrung. Schon im Jahr 1999 arbeitete er als Volontär zusammen mit Klaus-Dieter John in einem ähnlichen Spital in Ecuador. Bei seinem zweiten Einsatz machten sich die zwei gemeinsam auf die Suche nach einem Standort, um ein Spital aufzubauen. Als sie mit der Bevölkerung, Politikern und Gesundheitsbehörden vor Ort gesprochen haben, hätten sie sofort gemerkt, das Curahuasi der richtige Ort sei. «Als wir das Projekt dem Bürgermeister vorstellten, kamen ihm die Tränen. Er kennt das Problem in seiner Region», erzählt Rolli. Beim Aufbau vor Ort zu bleiben, kam für Markus Rolli damals nicht in Frage. «Als gelernter Elektrotechniker hätte ich in der Bauphase nicht viel beitragen können», begründet er. Er könne seinen Dienst jetzt tun, indem er die Geräte des Spitals pflegt und repariert.

Liebevolle Umgebung für Kinder

Auch Julianna Rolli kennt ihren zukünftigen Wohnort auf 2600 Metern Höhe bereits. Denn nach ihrer Hochzeit vor fünf Jahren unternahm das Ehepaar (beide Jahrgang 1970) eine Weltreise, unter anderem nach Curahuasi. In ihrer neuen Heimat wird sie in einem Kinderclub für das Dorf und die Umgebung arbeiten. «Wegen der Armut können nicht alle Kinder die Schule besuchen. Wir haben viele Kinder auf den Feldern arbeiten sehen», sagt sie. Im Kinderclub will sie mit diesen Kindern Zeit verbringen, sei es beim Spielen oder Basteln. Dabei ist es ihr wichtig, den Kindern Geborgenheit und Liebe zu schenken. «Ich habe schon als Primarlehrerin in Ungarn mit Romafamilien gearbeitet. So habe ich selber erfahren, wie viel es bedeutet, den Kinder eine liebevolle Umgebung zu bieten», erklärt die gebürtige Ungarin. Freudig erzählt sie vom grossen Anklang des Kinderclubs, welcher dieser im Dorf findet. Von anfänglich 15 Kindern habe sich dieser auf 400 vergrössert.

Neuer Lebensabschnitt beginnt

Armut, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und fehlende hygienische Vorrichtungen – das Ehepaar weiss, dass sie in Peru eine Herausforderung erwartet. «Der Kulturschock wird kommen, das ist klar. Ich bin froh, dass wir als Ehepaar dorthin gehen und uns unterstützen können», sagt Julianna Rolli. Für sie beginne jetzt ein neuer Lebensabschnitt. Als ihr die Konsequenzen des Entscheids richtig bewusst wurden, kamen bei ihr nebst der Vorfreude auch Unsicherheiten auf. Denn mit ihrer Wohnung lässt das Ehepaar auch ihren Lebensstandard zurück und tauscht den Schweizer Wohlstand gegen das einfache Leben in den Anden. «Ich hatte schon immer den Wunsch, in einem Entwicklungsland zu arbeiten», sagt Julianna Rolli. Dies ist jedoch nur einer der Gründe für die zwei Fischinger aufzubrechen. «Unsere treibende Kraft ist der Glaube», erklären die überzeugten Christen. Ihre neuen Nachbarn missionieren wollen sie aber nicht. «Den Menschen Liebe weitergeben ist unser Ziel. Wir wollen Taten sprechen lassen», sagt Julianna Rolli.

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