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Beste Scrabble-Spielerin der Schweiz: In Blanca Gröblis Kopf schwirren Wörter herum, die kaum jemand kennt

Die Oberuzwilerin Blanca Gröbli ist die beste Scrabble-Spielerin der Schweiz. Nächstes Wochenende misst sie sich am Turnier in St. Gallen.
Tobias Söldi
Das Spiel ihres Lebens: Blanca Gröbli ist passionierte Scrabble-Spielerin. (Bilder: Tobias Söldi)

Das Spiel ihres Lebens: Blanca Gröbli ist passionierte Scrabble-Spielerin. (Bilder: Tobias Söldi)

Was bitte schön ist ein Shag? «Das ist fein geschnittener Pfeifentabak», erklärt Blanca Gröbli. Und ein Jalon? «Ein Absteckpfahl, der bei Vermessungen verwendet wird. Den kenne ich von der Arbeit meines Mannes.» Blanca Gröblis Kopf ist voller Wörter, die so fremdartig wirken, dass sie einen daran zweifeln lassen, ob man die deutsche Sprache wirklich beherrscht.

Die 76-Jährige Oberuzwilerin ist passionierte und erfolgreiche Scrabble-Spielerin: Sie gehört zu den besten der Schweiz. Unter den deutschsprachigen Scrabblern liegt Gröbli zurzeit auf Platz 19. Die ehemalige Primarlehrerin hat vor mehr als 20 Jahren Feuer für das Spiel mit den Buchstaben gefangen, als sie 1995 Besuch von französischen Freunden erhielt. Nach ihrer ersten Partie wusste sie sofort: «Das ist es.» Das Knobelspiel hat sie nie mehr losgelassen. 2002 bestritt Gröbli ihr erstes Turnier, 2005 und 2006 erzielte sie als erste Schweizerin den Sieg beim «Zeit»-Scrabble-Turnier. Dieses Wochenende steht das internationale Scrabble-Turnier in St. Gallen an (siehe Kasten). Ihr Ziel: die Top-Ten.

Etwa 20 Scrabble-Spiele hat Blanca Gröbli bei sich zu Hause.

Etwa 20 Scrabble-Spiele hat Blanca Gröbli bei sich zu Hause.

Drei Top-Scrabbler aus der Ostschweiz

Der Erfolg kommt nicht von nirgendwo: Fast jeden Tag setzt sich Blanca Gröbli ans Brett, grübelt über Vokalen und Konsonanten, verschiebt Buchstaben, ersinnt ungewöhnliche Wortformen und erprobt Taktiken. Sie spielt mit Freunden, an Turnieren, gegen den Computer, gegen reale Spieler übers Internet. «Mir gefällt die Vielfalt des Spiels. Keine Partie ist wie die andere.» Schwierigkeiten bereite ihr der Buchstabe «W», das «V» mag sie ebenfalls nicht. «Die haben schon eine ganze Menge Partien entschieden», sagt sie verschmitzt lächelnd.

Auch wenn sich Scrabble in Frankreich oder Amerika viel grösserer Beliebtheit erfreut als im deutschsprachigen Raum, hat sich doch auch hier eine kleine Szene entwickelt. Gröbli organisiert regelmässige Scrabble-Treffs in St. Gallen und Uzwil, und versucht, Primarschülern das Spiel näherzubringen. Und mit Lorenz Knöpfli aus St. Gallen und Regula Schilling aus Dicken bei Degersheim weist die Ostschweiz noch zwei weitere Top-Scrabbler auf.

Ein Schock wegen 5000 neuen Wörtern

Die Bibel der Scrabble-Gemeinde ist der Duden. Alle Wörter, die darin vorkommen, zählen. Auch schweizerdeutsche Wörter tauchen im Referenzwerk auf: Grüezi, Rösti, Zmittag, Znacht. «Man muss einfach wissen, dass sie drin sind», sagt Gröbli. 2018 kam der neue Duden auf den Markt, die 27. Ausgabe – mit ganzen 5000 neuen Wörtern. «Ein kleiner Schock für die Szene», erinnert sich Gröbli. Die Neuzugänge sind Kinder ihrer Zeit: Der Fernbus etwa fand Eingang. Oder die Bezeichnung queer für jemanden, dessen Geschlechtsidentität von einer gesellschaftlich verbreiteten heterosexuellen Norm abweicht. Ohne Fleiss und Willen zum Lernen kommt man da nicht weit. «Ich habe schon früher immer alles nachgeschaut, wenn ich etwas nicht verstanden habe.»

Scrabble ist allgegenwärtig.

Scrabble ist allgegenwärtig.

Auch Fachgebiete helfen ambitionierten Scrabblern, sie erweitern den Wortschatz. «Ich bin zweisprachig aufgewachsen. Darum sehe ich viele italienische oder französische Wörter», sagt Gröbli. In der Musik sei sie ebenfalls bewandert, und aus der Literatur sind ihr viele altertümliche Formen bekannt. «Muhme» zum Beispiel für Tante. «Das ist ein Vorteil der älteren Generation», sagt Gröbli. Die Wahl der Worte, die Art des Spielens: «Beim Scrabble-Spielen kommt viel vom Charakter einer Person zum Vorschein.»

Acht Stunden Scrabble? Kein Problem

Die jüngeren Spielerinnen und Spieler dagegen schöpfen aus der Jugendsprache. «Boah» zum Beispiel, ein Ausdruck des Staunens, ebenfalls in den Duden aufgenommen. Auch neue Wörter aus der Informatik sind dem Nachwuchs geläufiger. Überhaupt stellt Gröbli fest, dass sich immer mehr junge Leute für Scrabble begeistern. Den ersten Platz der deutschen Rangliste besetzt zurzeit der 25-jährige Deutsche Timon Boerner, ein Jurist. «Die jungen Spieler haben eine extrem schnelle Auffassungsgabe, sie denken sehr schnell und sind gut im Wörtermerken», sagt sie bewundernd.

Bis der Scrabble-Enthusiastin aber der Kopf raucht, braucht es einiges. Ein Turniertag mit acht einstündigen Partien? «Das geht eigentlich ganz gut. Aber nach dem Znacht spiele ich dann nicht unbedingt nochmals Scrabble», sagt sie lachend.

Turnier in St.Gallen

Bei Scrabble geht es darum, aus zufällig gezogenen Buchstaben Wörter zu legen und dabei die verschiedenen Bonusfelder auf dem Spielbrett nutzen zu können. Wer in der Ostschweiz Scrabble spielen will – ganz gleich ob Anfänger oder Könner –, für den gibt es ­regelmässige Scrabble-Treffs in St. Gallen und in Uzwil. Vom 15. bis 17. März findet in St. Gallen zudem ein internationales Scrabble-Turnier statt. Das Finalspiel ist öffentlich und wird am Sonntag, 17. Januar, um 12.20 Uhr auf Grossleinwand übertragen. Weitere Infos gibt es unter www.scrabble-schweiz.ch. (tos)

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