In Grund und Boden vermessen

SCHURTEN. In der Güterzusammenlegung Schurten ist die Neueinteilung des Kulturlandes abgeschlossen. Jetzt werden die Waldpartien analysiert. Das zwölfjährige Projekt um Präsident Roland Werner ist nun bei der Halbzeit angelangt.

Silvan Meile
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Roland Werner, Präsident der Güterzusammenlegung, informiert in der Hörnlihalle über den Zwischenstand. (Bild: Silvan Meile)

Roland Werner, Präsident der Güterzusammenlegung, informiert in der Hörnlihalle über den Zwischenstand. (Bild: Silvan Meile)

SCHURTEN. «Willst du dir das wirklich antun?», fragte ein Bekannter. Das gebe doch nichts als Ärger. Roland Werner amtet trotz dieser Warnung seit 2008 als Präsident der Güterzusammenlegung Schurten. Das kantonale Landwirtschaftsamt schlug ihn damals der Gemeinde Fischingen vor.

Werner ist keiner aus Fischingen. Der Meisterlandwirt lebt im entfernten Wäldi. Das Meliorationsgesetz sieht vor, dass der Präsident der Korporation wie auch die Mitglieder der Schätzungs- und Schlichtungskommission nicht im Einzugsgebiet der Güterzusammenlegung wohnen. Die Gegend hinter Sirnach, wo die Hügel höher und steiler werden, habe er vor dem Engagement der Güterzusammenlegung nicht sonderlich gut gekannt, sagt Roland Werner. Aber er findet Gefallen an dieser Region. Das Engagement im südlichsten Kantonsteil scheint er nicht zu bereuen, auch wenn es nicht immer einfach und harmonisch abläuft.

Mit Objektivität eines Richters

Der Präsident der Güterzusammenlegung hat eine anspruchsvolle Aufgabe. Widerstand aus Teilen der 140 betroffenen Grundeigentümern war ihm gewiss. Und eine Güterzusammenlegung zu präsidieren, ist auch nicht etwa eine kurzfristige Verpflichtung mit schnellem Ruhm. In Schurten sind dafür zwölf Jahre vorgesehen. Derzeit ist genau Halbzeit für Roland Werner. Die Neueinteilung des Kulturlandes ist nun abgeschlossen. «Wichtig ist, objektiv und neutral zu bleiben und alle gleich zu behandeln», sagt Werner, der auch Erfahrungen als Richter im Bezirk Kreuzlingen vorweisen kann. Vor allem ist er aber als Kämpfer für einen liberalisierten Milchmarkt bekannt.

Die teils stark zerstückelten Grundstücke der verschiedenen Landbesitzer in Schurten sollten in möglichst zusammenhängende und qualitativ gleichwertige Grundstücke zusammengeführt werden. «Das Schwierigste sind die Emotionen», sagt Werner. Die Betroffenen hätten oftmals über Jahrzehnte eine Beziehung zu ihrem eigenen Grund und Boden aufgebaut. «Auch kommen allfällige Unstimmigkeiten unter Nachbarn sofort zum Vorschein», sagt Roland Werner. Er hat Verständnis, dass all das zu Problemen führt. «Es muss am Schluss aber für alle stimmen», sagt er. Kompromisse sind unumgänglich.

Ein Fall vor Verwaltungsgericht

An die 40 Verhandlungen mit Einsprechern hätten er und sein Team bisher geführt. Alle hätten sie persönlich besucht, um sich vor Ort ein Bild über die entsprechenden Anliegen zu machen. Als Verantwortliche der Güterzusammenlegung müssten sie aber auch aufpassen, dass jene, die sich nicht lautstark wehren, keine Benachteiligung erfahren. «Es muss für alle fair sein», sagt Werner. Mit einem Fall musste sich das Verwaltungsgericht befassen, stützte aber den Entscheid der Korporation.

500 Hektaren Kulturland sind bis jetzt neu vermessen und strukturell bereinigt. Als nächste Teiletappe stehen nun die rund 250 Hektaren Wald in diesem Gebiet an. Werner und sein Team informierten diese Woche an einer Orientierungsversammlung rund 60 anwesende Waldbesitzer in der Hörnlihalle über das weitere Vorgehen. Sämtliche Waldparzellen werden nun erfasst und nach transparenten Kriterien geschätzt. Ab 1. Mai herrscht deshalb eine Schlagsperre im Wald von Schurten. Erst im Jahr 2020 soll die Güterzusammenlegung Schurten definitiv abgeschlossen sein.

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