In dieser Zeit ist der Teufel los

In einer Woche – am Gümpelimittwoch – beginnt in Wil die Fastnacht. Dann übernimmt das Prinzenpaar und mit seinem Gefolge vom Stadtrat das Zepter, und es regieren wieder die Narren. Wissenswertes rund um die Fastnacht von A bis Z.

Ursula Ammann
Drucken
Teilen
Die Tüüfel gehören zu den bedeutendsten Figuren der Wiler Fastnacht. Der Brauch reicht Jahrhunderte zurück. (Bild: pd)

Die Tüüfel gehören zu den bedeutendsten Figuren der Wiler Fastnacht. Der Brauch reicht Jahrhunderte zurück. (Bild: pd)

A wie Ausgelassenheit: Die Wiler Fastnacht steht für den Ausbruch aus dem Alltag, für Ausgelassenheit und vieles mehr. Sie beginnt am Gümpelimittwoch und endet am Aschermittwoch.

B wie Bürgerwurst: Am Gümpelimittwoch treffen sich die Wiler Bürgerinnen und Bürger zum Bürgertrunk. Traditionellerweise steht bei diesem Anlass neben Kartoffelsalat und Bürli die Bürgerwurst auf dem Speiseplan. Diese darf nur von einem einzigen Metzger hergestellt werden, der dazu auch noch Wiler Bürger ist. 36 Jahre lang waren August und Beatrice Bürge von der Metzgerei zum wilden Mann mit dieser Aufgabe betraut. Heute liegt die Produktion der Bürgerwurst in den Händen der Metzgerei Rüegsegger und Frey in Rossrüti.

C wie Carnislevamen: Die Fastnacht bildet das Schwellenfest vor dem Anbruch der 40tägigen Fastenzeit. Diese Fastenzeit wird im Kirchenlatein «Carnislevamen» oder «Carnetollendas» genannt, was so viel heisst wie «Fleischwegnahme». Früher durfte man in der Fastenzeit nach kirchlicher Vorschrift weder Fleisch noch Eier essen.

D wie Doppelmoral: Fisch war zur Fastenzeit erlaubt. Allerdings wurde dieser Begriff ziemlich ausgedehnt. So landeten auch Biber, Wasservögel, Frösche und Schnecken auf dem Teller.

E wie Ehrenbürgerwurst: Seit knapp 30 Jahren wird am Bürgertrunk jeweils eine Wiler Bürgerin oder ein Wiler Bürger zur Ehrenbürgerwurst ernannt. Dies als Auszeichnung für besondere Verdienste im Sinne der Ortsgemeinde oder der Stadt Wil.

F wie FGW: Vor 65 Jahren wurde die Fastnachtsgesellschaft Wil (FGW) gegründet. Dies mit dem Ziel, fastnächtliche Veranstaltungen zu fördern, traditionelle Bräuche zu pflegen und Anlässe aller Art durchzuführen.

G wie Gümpelimittwoch: Die Fastnacht in Wil beginnt mit dem Gümpelimittwoch. Dieser Tag kann als vorgeholter «gumpiger» Donnerstag bezeichnet werden. Das «Gumpen» erinnert an das Herumhüpfen, Springen und Tanzen der Narren.

H wie Herold: Der Herold ist eine prägende Figur in der Wiler Fastnacht. Er verliest am Gümpelimittwoch die Bulle, in der er das vergangene Jahr in pointierten Versen wiedergibt. Seit 2015 ist der grüne Stadtparlamentarier Michael Sarbach in dieser Funktion. Er löste den langjährigen Herold Erich Grob ab.

I wie Inauguration: Die Inauguration ist ein Anlass, bei dem die Fastnachtsgesellschaft Wil seine neuen Repräsentanten und Repräsentantinnen vorstellt. Diese werden mit einem Hammerschlag (Schaumstoffhammer) geadelt.

J wie Junge Tradition: Die Tradition des Fastnachtsgottesdienstes besteht in Wil seit 15 Jahren und ist damit noch relativ jung. Sie ist entstanden, nachdem der Wiler Stadtpfarrer Meinrad Gemperli 2000 zum Hofnarr gewählt wurde.

K wie Kunst: Die Fastnacht diente Wiler Künstlerinnen und Künstlern immer wieder als Inspiration für ihre Werke.

L wie Lotsch: Der Narrenruf «Hu ä Lotsch», der in Wil zur Fastnachtszeit erklingt, heisst übersetzt so viel wie «schau diese Maske». Das Wort «Lotsch» ist aber eher abwertend und steht für eine unschöne Erscheinung, eine zerlumpte Gestalt. Daher auch die Redewendung: «Dethär cho wie ne Lotsch.»

M wie Marschmusik: Zur Fastnachtszeit wird in Wil jeweils der «Fastnachtsmarsch» gesungen. Der Text dazu stammt vom Sekundarlehrer Rudolf Völkle, die Musik von Dirigent und Musiker Josef Hässig. Er komponierte auch das «Wiler Lied».

N wie Nörgeli: Am grossen Wiler Fastnachtsumzug wird jeweils der Nörgeli verbrannt. Dieser zeigt sich in Gestalt einer Persönlichkeit, die in irgendeiner Art und Weise peinlich aufgefallen ist. Zu den Nörgelis zählten schon diverse (ehemalige) Stadträte, beispielsweise Werner Oertle, Andreas Widmer und Marcus Zunzer. Der diesjährige Nörgeli ist sechs Meter hoch, sieben Meter lang und acht Tonnen schwer. Um wen es sich handelt, ist noch streng geheim.

O wie Orchester: Nicht nur Guggenmusiker sind an der Wiler Fastnacht gefragt. Seit 120 Jahren eröffnet der Orchesterverein Wil (neu Sinfonisches Orchester Wil) den Bürgertrunk mit seinen musikalischen Darbietungen.

P wie Prinzenpaar: Zur Narrenzeit übernimmt in Wil das Prinzenpaar die Regentschaft. Das Prinzenpaar wird alle zwei Jahre neu gewählt. Auf einem Fastnachtswagen thronend, fährt es jeweils durch die Strassen und verteilt Bonbons. Dieses Jahr sind es 400 Kilogramm.

Q wie Quantität: Am Wiler Fastnachtsumzug von 1905 nahmen gemäss Wiler Zeitung 287 Herren, 43 Damen, 60 Knaben und 22 Mädchen teil. Auch 18 Feuerwehrleute waren dabei. Der Zug mit sieben grossen und fünf kleinen Wagen zählte zudem 52 Reitpferde, 37 Zugtiere und – in der Gruppe «Alpaufzug» – eine Viehherde von 22 Stück.

R wie Ratsbeschluss: In einem Wiler Ratsbeschluss aus dem Jahr 1545 ist festgehalten, dass sich die Leute vom Aschermittwoch an nicht mehr gegenseitig fangen und in die Brunnen werfen dürfen.

S wie Schamauchen: Als Schamauchen gelten jene Personen, die keine Wiler Bürger sind. Im alten Wil hatten diese Nichtbürger keine politischen Rechte, sondern nur Pflichten. Zur Fastnachtszeit gibt es noch heute eine Ungleichbehandlung – zumindest kulinarisch gesehen. Als Pendant zur Bürgerwurst werden für Nichtbürger die Schamauchenwürste produziert. Dies von Metzgern, die ebenfalls keine Wiler Bürger sind.

T wie Tüüfel: Zu den bedeutendsten Brauchtumsträgern der Wiler Fastnacht gehören die Tüüfel. «Subloteren» schwingend, stürmen sie am Gümpelimittwoch aus dem «Hof». Die Tradition der Tüüfel ist mehrere Jahrhunderte alt, wie aus Quellen hervorgeht. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war der Teufel – nicht nur in Wil – einer der wichtigsten Maskentypen. 1998 wurde die Tüüfelsgilde ins Leben gerufen, um dieses Brauchtum weiter zu pflegen.

U wie Unsitte: In einem Mandat aus dem Jahr 1595 rügt der Wiler Stadtrat, dass in der Fastnachtszeit «vyl Lüt sich irer menntschlichen Vernunft und Gestaltsame verläugnen, vihische Geberden und Siten ann sich nemen, ungewonnliche Teuffels Kleyder anziechen…»

V wie Verbote: Fastnachtsaktivitäten wurden in Wil im Laufe der Geschichten immer wieder einmal verboten oder stark eingeschränkt. So etwa in den Kriegsjahren.

W wie Wilberger Wein: Am Bürgertrunk geniessen die Wiler Bürger jeweils den Wein aus Trauben vom Wiler Rebberg.

XY wie Mister oder Miss XY: Der Zusatz XY steht für etwas Ungelöstes oder Unbekanntes. Unbekannt ist vor der Fastnacht auch, wer der neue Hofnarr oder die neue Hofnärrin wird. Am Hofnarrenball wird dieses Geheimnis gelüftet. 2002 wurde die Wiler Ständerätin Karin Keller-Sutter zur Hofnärrin ernannt.

Z wie Ziegenbock: Am Gümpelimittwoch stürmen das Prinzenpaar und sein Gefolge die Sitzung des Stadtrats und entmachten diesen. Die Tradition sieht auch vor, dass der Stadtpräsident/die Stadtpräsidentin von den Tüüfeln rücklings auf einem Geissbock sitzend aus der Stadt gezogen wird.

Quellen: «Fastnacht in Wil» von Benno Ruckstuhl, Peter Ruckstuhl und Werner Warth/www.wilnet.ch/www.wiler-tüüfel.ch

Ein Volksaufmarsch präsentiert sich auf dem Hofplatz anlässlich des Fastnachtsumzugs von 1950. Aus der Masse ragt der Nörgeli. (Bild: Stadtarchiv)

Ein Volksaufmarsch präsentiert sich auf dem Hofplatz anlässlich des Fastnachtsumzugs von 1950. Aus der Masse ragt der Nörgeli. (Bild: Stadtarchiv)

Aktuelle Nachrichten