In die Jugend investiert

Samstagabend fand in der Tonhalle Wil das Preisträgerkonzert 2012 des Collegium Musicum statt. Drei Jugendliche zeigten ihr Können auf beeindruckende und berührende Art.

Carola Nadler
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Lena Tiefenthaler war eine der drei Preisträger, die am Samstag mir dem Collegium Musicum in der Tonhalle auftraten. (Bild: can.)

Lena Tiefenthaler war eine der drei Preisträger, die am Samstag mir dem Collegium Musicum in der Tonhalle auftraten. (Bild: can.)

Am Vorabend der Abstimmung «Jugend und Musik» führten drei junge Menschen vor Augen beziehungsweise Ohren, was auf die Schweizer Bevölkerung im Fall eines Ja vermehrt zukommen könnte. Eine breitere Basis in der musikalischen Ausbildung ermöglicht die Entdeckung und Förderung einheimischer Talente von klein auf. Das Collegium Musicum unter der Leitung von Mario Schwarz engagiert sich seit Jahren in der Jugendförderung.

Ein Seesturm

Eingerahmt wurden die drei Preisträger-Vorträge von zwei Mozart-Divertimenti, am Beginn das bekannte in D-Dur, KV 135. Mario Schwarz forderte von seinem Orchester ein recht zügiges Tempo, das aber keineswegs Hektik ausstrahlte, sondern verbunden mit dem Spielgeist des Orchesters eine grosse Energie vermittelte, die vorwärts drang, ins Leben quasi. Genauso lebensvoll auch die drei Vorträge der Preisträger. Fabian Jin machte mit seinen 14 Jahren den Anfang und spielte zusammen mit dem Collegium Musicum Antonio Vivaldis «La tempesta di mare» («Der Seesturm»), ein Konzert für Flöte und Orchester. Mit perlendem Elan interpretierte der junge Musiker die raschen, überaus virtuosen Melodiebögen und zeigte auch keinerlei Angst vor den exponierten, getragenen Momenten im Largo-Teil. Am Ende seines Vortrags schickte er einen Blick an die Decke der Tonhalle, als wolle er seinem letzten Ton nachlauschen.

Reifer Vortrag

Lena Tiefenthaler stand mit ihrem Cello an zweiter Stelle auf dem Programm, sie spielte das Kol Nidrei von Max Bruch. In diesem überaus berührenden Werk hat der Komponist das traditionelle Gebet umgesetzt, welches am Vorabend des Jom-Kipur-Tages, des Versöhnungstages im traditionellen Judentum, gebetet wird. Der jungen Cellistin gelang mit ihren 15 Jahren die überaus reife Leistung, auf dem schmalen Grat zwischen seelenvollem Ausdruck und Sentimentalität nicht auf die falsche Seite zu kippen. Sichtbar versenkte sie sich ganz in die Musik, spürte ihr nach und verstand sie auch: Der Wunsch nach Frieden und Versöhnung.

Singendes Instrument

Zuletzt stand mit David Breitenmoser ein junger Künstler auf der Bühne, der mit seinen 18 Jahren bereits zahlreiche Wettbewerbe gewonnen hat. Er spielte Carl Maria von Webers Quintett für Klarinette und Streicher und begeisterte mit seinem wunderschön gestalteten Ton in diesem romantischen Werk.

Leicht an Giora Feidmanns Klarinette erinnernd sang Breitenmosers Instrument fast schon, es mochte im zweiten Satz fast nicht genügen, um die Lebensenergie des jungen Mannes wiederzugeben.

Am Ende des Abends spielte das Collegium Musicum das Mozart-Divertimento in B-Dur, der letzte Satz wurde als Zugabe wiederholt.