In der evangelischen Kirche in Niederuzwil bleibt Kirchenmusik ein Thema

Populäre oder traditionelle Musik an kirchlichen Anlässen? Dies beschäftigt die Evangelische Kirchgemeinde.

Philipp Stutz
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Die Orgel in der evangelischen Kirche Niederuzwil bereichert mit ihrem Klang die Gottesdienste.

Die Orgel in der evangelischen Kirche Niederuzwil bereichert mit ihrem Klang die Gottesdienste.

Bild: Philipp Stutz

Das Wort «Kirchenmusik» steht auf der Traktandenliste der Bürgerversammlung der Evangelischen Kirchgemeinde Nieder­uzwil. Das kommt nicht von ungefähr. «Wir sind mit diesem Thema einem Antrag der letztjährigen Bürgerversammlung nachgekommen», sagt Valentin Arnold, Präsident der Kirchenvorsteherschaft. Damals hatten sich mehrere Votanten vehement mit der Frage der Kirchenmusik auseinandergesetzt.

Dabei traten grundverschiedene Ansichten zutage. Die einen Kirchbürger verlangten mehr traditionelle und weniger populäre Musik. Orgelmusik käme zu wenig zum Zug und werde oft ganz verbannt, lautete ein Einwand. Andere Kirchbürger vertraten die Ansicht, mit populärer Musik könnten gerade junge Kirchbürger vermehrt angesprochen würden.

Arbeitsverhältnis mit Organistin beendet

Die damals amtierende Organistin wollte sich in der allgemeinen Umfrage ebenfalls zum Thema äussern. Das wurde ihr verwehrt, weil sie über kein Stimmrecht verfügt. Aufgrund von Differenzen wurde das Arbeitsverhältnis mit der Organistin schliesslich per 1. Juni 2019 beendet (die «Wiler Zeitung» hat berichtet).

Inzwischen scheinen sich die Wogen geglättet zu haben. «Es hat keine entsprechenden Voten mehr gegeben, das Thema scheint nicht mehr zu polarisieren», sagt Arnold. Auch die Rahmenbedingungen haben sich verändert. So verspricht sich die Kirchenvorsteherschaft mit der Wahl des neuen Pfarrers Lars Heynen, der sein Amt am 1. August antreten wird, die Chance für einen Neuanfang mit einer lebendigen Vielfalt in der Musik. «Auch eine neue Organistin oder ein Organist könnten dazu beitragen», sagt Valentin Arnold. Der Kirchenpräsident betont:

Valentin Arnold, Kirchenpräsident

Valentin Arnold, Kirchenpräsident

«Musik soll ans Herz gehen.»

War Martin Luther ein Popstar?

«War Martin Luther ein Popstar?», lautet die Frage, die sich die Kirchenvorsteherschaft im Amtsbericht stellt. Bereits zu Beginn der Reformation sei die Musik durch Martin Luther, Liederdichter und Komponist, als wichtiges Instrument zur Verbreitung der Reformation eingesetzt worden. Die Kirchenmusik leiste für die Gottesdienste einen wichtigen und «emotionalen» Beitrag. Sie diene als lebendiges Kommunikationsmittel und unterstütze die Verkündigung des Glaubens. Die situationsgerechte, ausgewogene Musik soll auf den kirchlichen Jahreskreis und weitere verschiedene Gesichtspunkte abgestimmt sein. «Die Musik ist ein vielfältiges Feld, beinhaltet verschiedene Formen und wird unterschiedlich wahrgenommen», heisst es im Amtsbericht weiter.

Die richtige Balance finden

Die Ansichten der verschiedenen Ausrichtungen würden kontrovers diskutiert, und eine klare Abgrenzung sei nicht immer möglich. «Der Spagat ist gross, dabei die richtige Balance zu finden nicht einfach», sagt Valentin Arnold.

Der Kirchenvorsteherschaft sei es wichtig, dass die verschiedenen Musikrichtungen unabhängig voneinander einen festen Platz in der Kirchgemeinde haben und dass der zunehmende Stellenwert der populären Musik innerhalb der Kirche anerkannt wird. Die verschiedenen Instrumente (beispielsweise Orgel und E-Piano) hätten weiterhin ihre Berechtigung.

Die Kirchenvorsteherschaft beantragt deshalb, dass die Musikrichtungen der traditionellen und populären Musik in den Gottesdiensten während des ganzen Jahres in einem ausreichenden Mass berücksichtigt werden. Die Kirchenvorsteherschaft gibt sich optimistisch:

«Nutzen wir die Chance und freuen uns auf emotionale musikalische Erlebnisse.»

Zahl der Kirchenaustritte steigt

Im vergangenen Jahr sind 86 Personen (Vorjahr 55) aus der Evangelischen Kirchgemeinde Niederuzwil ausgetreten. Dem stehen 8 Eintritte gegenüber. Die Kirchenvorsteherschaft bedauert dies. «Wir kennen die Gründe für die Austritte nicht im Detail», sagt Valentin Arnold, Präsident der Kirchenvorsteherschaft.

Vielfach seien finanzielle Motive ausschlaggebend. Auch sei ein gesellschaftlicher Wandel zu beobachten, der den Zugang zur Kirche erschwere. «Darum müssen wir vermehrt auf die Leute zugehen.»

Auch sei festzustellen, dass Kinder von ausgetretenen Eltern weiterhin in der Kirche verbleiben. Und dies ungeachtet der Tatsache, dass die Kirche ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen müsse und Lehrpersonal zu entlöhnen habe.


Die Jahresrechnung 2019 schliesst positiv ab. Dem budgetierten Ertragsüberschuss von 33 270 Franken steht ein ausgewiesener Gewinn von 168 524 Franken gegenüber. Die Verwaltungsrechnung schliesst somit um 135 254 Franken besser ab als budgetiert. Der Steuerfuss bleibt bei 25 Prozentpunkten.


Die finanziellen Aussichten sind laut Arnold schwierig zu beurteilen. Aufgrund der Steuerreform rechnen sowohl die Kantonalkirche St. Gallen als auch die Gemeinden mit einer Einbusse der Steuereinnahmen von 3 Prozent. (stu)

Hinweis: Die Bürgerversammlung der Evangelischen Kirchgemeinde Niederuzwil findet am Mittwoch, 25. März, 20 Uhr, im Kirchgemeindehaus statt.