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Neue Chefin der Migros Wil: «In den nächsten Jahren wird es mehr Frauen an der Spitze geben»

Seit März ist Heidi Wirz neue Geschäftsleiterin der Migros Wil – und damit die zweite Frau in dieser Position in einer Ostschweizer Migros. Im Interview sagt sie, was es braucht, damit mehr Frauen Karriere machen können.
Lara Wüest
Seit diesem März hat sie in der Migros Wil das Sagen: Heidi Wirz. Bilder: Lara Wüest

Seit diesem März hat sie in der Migros Wil das Sagen: Heidi Wirz. Bilder: Lara Wüest

Sie sind die erste Frau an der Spitze der Migros Wil und die zweite Geschäftsführerin einer grossen Migros-Filiale in der Ostschweiz. Erfüllt Sie das mit Stolz?

Heidi Wirz: Natürlich. Es ist zwar nicht die erste Filiale, die ich als erste Frau führe. Bereits in Weinfelden war ich die erste Marktleiterin. Damals war ich noch stolzer. Aber natürlich freue ich mich auch jetzt. Es war immer ein Traum von mir, Geschäftsführerin zu werden. Dieser Traum hat sich erfüllt.

Stimmt es Sie auch ein wenig nachdenklich, dass in der Migros Wil keine Frau vor Ihnen so weit gekommen ist?

Das ist eine schwierige Frage. Es ist sicher speziell, dass es in der Ostschweiz bisher nur zwei Geschäftsführerinnen in den grossen Migros-Zentren gibt. Nimmt man aber die kleinen Standorte dazu, werden mehr als ein Drittel aller Ostschweizer Filialen von Frauen geführt. Und ich denke, es wird sich noch einiges verändern in Zukunft. Wir haben in unserem Unternehmen sehr viele fähige Frauen.

Dennoch gibt es in Führungspositionen in der Schweiz nur wenig Frauen. Was läuft schief?

Ich habe viele Mitarbeiterinnen, die das Potenzial hätten, um weiterzumachen. Die Gründe, warum sie das nicht machen, sind vielfältig. Ich erlebe zum Beispiel oft, dass die Frauen das nicht möchten, weil sie sich Gedanken darüber machen, welche Folgen die berufliche Verantwortung für ihr Privatleben hat.

Es liegt also an den Frauen?

Eher an der Familiengründung. Es ist eine Doppelbelastung, wenn sie zu Hause eine Familie versorgen und im Job Leistung bringen müssen. Nach wie vor sehe ich viele klassische Familienmodelle, in denen die Frauen für die Kinderbetreuung zuständig sind.

Zur Person

Heidi Wirz ist seit März Geschäftsführerin der Migros Wil und damit Chefin von 78 Angestellten, die im Supermarkt arbeiten. Die 50-Jährige ist verantwortlich für den Umsatz, die Kosten und personelle Angelegenheiten. Seit 20 Jahren arbeitet Wirz für die Migros und hat als Marktleiterin bereits viele Filialen geführt. So zum Beispiel die Migros im Silberturm in St. Gallen oder die Migros in Weinfelden. Zuletzt war sie Marktleiterin der Filiale Hubzelg in Romanshorn. Wirz lebt mit ihrem Partner in Arbon. Als Ausgleich zu ihrem Berufsalltag geht sie joggen, wandern oder auf Reisen. (law)

Ist eine solche Position wie die Ihre mit einer Familie vereinbar?

Obwohl ich keine Kinder habe, denke ich, dass es heute eher so ist. Man kann Kinder haben, ohne dass man den Job aufgeben muss. Aber ich glaube, wenn es mir wichtig gewesen wäre, eine Familie zu haben, wäre es für mich auch vor 20 Jahren vereinbar gewesen.

Trotzdem haben Sie keine Kinder.

Das stimmt. Der Beruf war aber nicht ausschlaggebend, sondern private Gründe. Mein Partner und ich wollten keine Kinder.

Was braucht es konkret, damit Frauen mit Kindern einen solchen Job machen können?

Es kommt immer auf den Arbeitgeber und das Umfeld an. Wenn Grosseltern da sind, die sich um die Enkel kümmern können und sich der Partner an der Kinderbetreuung beteiligt, ist es einfacher. Ansonsten braucht es gute Betreuungsplätze. Aber das müsste man in der Schweiz noch besser regeln.

Wie genau?

Es gibt noch viel zu wenig Möglichkeiten, um ein Kind betreuen zu lassen. Da hinken wir hinterher. Wenn ich richtig informiert bin, machen die Kinderhorte jeweils früh zu. Mein Job geht jedoch manchmal bis um 20 Uhr. Was soll das Kind in der Zwischenzeit machen? Da muss man schon sehr gut organisiert sein, damit das aufgeht. Zugleich besteht auch bei den Teilzeitjobs auf Führungsebene ein Aufholbedarf. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass man auch solche Stellen im Jobsharing machen kann.

Die Migros Wil: Bis vor kurzem in Männerhänden.

Die Migros Wil: Bis vor kurzem in Männerhänden.

Müssten Frauen auch stärker gefördert werden?

In der Migros werden wir stark gefördert. Wir haben gute Ausbildungen. Und wir haben auch viele Frauen. Wenn Sie sich in einer Migros-Filiale umschauen, ist nur ein Bruchteil der Angestellten männlich.

Aber auch hier fehlen weibliche Führungskräfte.

Die Zeit wird sich ändern. In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird es mehr Frauen an der Spitze geben. Davon bin ich überzeugt.

Was halten Sie von Quoten?

Ich bin kein Fan davon. Es muss die richtige Person in die richtige Position kommen.

Und in der Gesellschaft, ist da nicht ein Umdenken nötig?

Ja, das ist notwendig. Wenn eine Frau eine gute Ausbildung gemacht hat, sollte es doch selbstverständlich sein, dass sie weiterarbeiten kann, wenn sie das möchte, auch wenn sie Kinder hat. Aber letzten Endes ist das ein individueller Entscheid. Ich finde es einfach schade um das Potenzial, das brachliegt, wenn jemand zu Hause bleibt. Auch weil man als Karrierefrau heute viel besser respektiert wird als früher.

Inwiefern?

Ich bin bereits seit vielen Jahren in Führungspositionen tätig. In jüngeren Jahren bin ich als weibliche Führungskraft auf viel mehr Widerstand gestossen. Für manche Mitarbeitende war es schwierig, mich als Chefin zu akzeptieren. Das hat sich geändert. Und davon können Frauen, die sich für die Karriere entscheiden, profitieren.

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