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«In den Gemeinden hat Wil West schon mehrfach eine Legitimierung erfahren»

Für Erika Häusermann ist die Standortentwicklung Wil West unnötig. Die Regio Wil dagegen sieht darin eine einmalige Chance und kontert die Vorwürfe.
Hans Suter
Für die Regio Wil eine enorme Chance, für Erika Häusermann ein Zubetonieren von Ackerland: Wil West. Bild: Hanspeter Schiess und Urs Bucher

Für die Regio Wil eine enorme Chance, für Erika Häusermann ein Zubetonieren von Ackerland: Wil West. Bild: Hanspeter Schiess und Urs Bucher

Die Wiler GLP-Stadtparlamentarierin Erika Häusermann hat wenig Freude an der Standortentwicklung Wil West. In einer Politrubrik in einer Wiler Gratiszeitung machte sie ihrem Ärger Luft und unterstellte dem Wiler Stadtrat Daniel Meili (FDP) Falschaussagen. Sie stellte zudem die Behauptung auf, die Standortentwicklung Wil West sei politisch gar nicht legitimiert. Ausserdem befürchtet sie «die Zubetonierung eines ganzen Landstrichs» für neue Gewerbe- und Industriebauten sowie Erschliessungs- und Umfahrungsstrassen im Raum Wil. Sie untermauert dies mit einem Verweis auf den Prüfungsbericht aus Bern, wonach Teile dieses Gesamtprojekts im Rahmen des eingereichten Agglomerationsprogramms vom Bund schlechte Noten erhalten habe. Erika Häusermann sagt:

«Ich möchte betonen, dass ich nicht wirtschaftsfeindlich bin, ich bin liberal, aber eben grünliberal.»

Ihres Erachtens braucht es Wil West aber gar nicht, weil es in den einzelnen Gemeinden genügend bestehende Gewerbe- und Industrieflächen gebe, die schlecht oder gar nicht genutzt seien. «Bei Wil West ist das Ablaufdatum erreicht, obwohl noch nichts gebaut ist», sagt die ehemalige Kantonsrätin.

«Schon mehrfach Legitimierung erfahren»

Beim Verein Regio Wil ist man wenig erfreut über den Rundumschlag und will die Kritik nicht einfach auf sich sitzen lassen. «Das Agglomerationsprogramm der dritten Generation mit dem Entwicklungsschwerpunkt Wil West hat vom Bund sehr gute Noten bekommen», kontert der Verein Regio Wil in einer Medienmitteilung. Mit seiner «enormen Unterstützung in der Höhe von 37 Millionen Franken» zeige der Bund, dass die Kantone St.Gallen und Thurgau ihre Hausaufgaben bisher hervorragend gemacht hätten und Wil West gerade auch die hohen Anforderungen an die Umweltverträglichkeit erfülle. Den Vorwurf, das Projekt habe keine Legitimierung, weist man bei der Regio Wil in aller Form zurück:

«In den Gemeinden hat Wil West schon mehrfach eine Legitimierung erfahren.»

Der Bildung einer Kantonalen Nutzungszone wurde an den Gemeindeversammlungen diskussionslos zugestimmt, ebenso bewilligten die Gemeinden sowie die Kantonsparlamente Thurgau und St.Gallen die Planungskredite Wil West. Überdies wurde der Richtplan im Grossen Rat Thurgau beschlossen und vom Bundesrat genehmigt.» Erika Häusermann ist das zu wenig. Sie fordert einen parallelen Mitwirkungsprozess mit der Bevölkerung. Wie dieser konkret ausgestaltet sein könnte und wie verbindlich die Resultate wären, lässt sie indes offen.

Umweltverträgliches Verkehrssystem

Erika Häusermann kritisiert insbesondere auch die vorgesehenen Strassenbauten. Dass ein Projekt der Dimension von Wil West mit bis zu 3000 Arbeitsplätzen mehr Verkehr bewirke, liege auf der Hand. Die Verkehrsentlastung der Stadt Wil durch den Autobahnanschluss Wil West werde zunichtegemacht durch mehr Einwohner, die mit dem Auto zur Arbeit führen. Bei der Regio Wil sieht man das andersrum. Mit dem neuen Autobahnanschluss und den beiden Netzergänzungen Nord und Ost (ehemals Grünaustrasse) könne der Verkehr raumverträglich an den Rand der Stadt Wil geführt werden. «Fakt ist, dass das Verkehrsaufkommen in den nächsten Jahren zunehmen wird – mit oder ohne Wil West», heisst es bei der Regio Wil. «Wird Wil West verhindert, verpasst die Region die Chance, ihren Verkehr in Zukunft peripher zu führen und die Quartiere sowie die umliegenden Gemeinden zu entlasten.» Zudem würden die dringend benötigten Verbesserungen der Fuss- und Velowege sowie der Ausbau der ÖV-Verbindungen ausbleiben. «Und damit auch der wichtige Anreiz, auf das Auto zu verzichten», heisst es weiter.

Für Wil West sind ein Autobahnanschluss, zwei Bahnhöfe (Thurbo-Line Wil-Weinfelden und FWB-Linie Frauenfeld-Wil) sowie mehrere Busverbindungen vorgesehen. (Visualisierung: PD)

Für Wil West sind ein Autobahnanschluss, zwei Bahnhöfe (Thurbo-Line Wil-Weinfelden und FWB-Linie Frauenfeld-Wil) sowie mehrere Busverbindungen vorgesehen. (Visualisierung: PD)

Erika Häusermann lässt das nur bedingt gelten. «Der Bund bewilligt den Autobahnanschluss nur, wenn dazu ein Entwicklungsschwerpunkt realisiert wird. Deshalb wird Wil West angepriesen, nicht weil es einem Bedürfnis entspricht.»

Wil West soll weitere Zersiedelung verhindern

Für Erika Häusermann ist die Realisierung von Wil West gleichbedeutend mit dem «Zubetonieren eines ganzen Landstrichs. Die Regio Wil entgegnet: «Richtig ist, dass das Areal Wil West sorgfältig erschlossen und damit einer weiteren Zersiedelung in den Gemeinden entgegengewirkt wird. Geschieht dies nicht, würden weitere Einzonungen in den Gemeinden erfolgen, Grünflächen an peripheren Orten überbaut und der Durchgangsverkehr in den Dörfern steigen. Will man das?»

Gemeinsames und solidarisches Engagement

Bei der Regio Wil ist man vom Potenzial des Generationenprojekts nach wie vor voll und ganz überzeugt: «Mit den bis zu 3000 neuen Arbeitsplätzen auf dem Areal Wil West an einem hervorragend erschlossenen Standort erfolgt ein wichtiger Impuls zur Stärkung der gesamten Wirtschaftsregion Wil.» Es sei ein gutes Rezept gegen den Sog Zürichs, der unserer Region die gescheiten Köpfe abwerbe. Wohnen und Arbeiten in und um Wil – auch das dämme das Mobilitätsaufkommen und tragt dazu bei, dass die Region zukünftig attraktiv bleibe und sich nicht langsam zum Schlafort wandle.

«Ausschlaggebend ist nun, dass sämtliche Parteien, politischen Behörden und die Wirtschaft die einmalige Chance, welche Wil West bietet, selbstbewusst ergreifen und ihre Kräfte für diesen entscheidenden Entwicklungsschritt bündeln», heisst es weiter in der Medienmitteilung der Regio Wil.

Die neu gegründete Wirtschafts- und Standortförderungsorganisation Wirtschaftsportal Ost WPO sei diesbezüglich ein wichtiger Partner von Wil West. Das WPO solidarisiere die Interessen von Wirtschaft und Politik und trage damit massgeblich zum Erfolg von Wil West bei.

Weitere Informationen: www.wilwest.ch, www.wirtschaftsportal-ost.ch

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